Wortgefecht mit spitzer Feder
Die Rückkehr der Frau Bögehold

Gronau -

Lustiger Briefwechsel am Rande eines eigentlich ernsten Themas: Im Zusammenhang mit der geplanten Wohnraumverdichtung im Bögehold gab es jetzt eine mit spitzer Feder geführte Korrespondenz.

Donnerstag, 11.07.2019, 08:48 Uhr aktualisiert: 11.07.2019, 08:50 Uhr
1795 hat Frau Bögehold Gronau vor einem Bombardement französischer Truppen bewahrt. Ob sie jetzt im Kampf um das Quartier ähnlich erfolgreich sein wird?
1795 hat Frau Bögehold Gronau vor einem Bombardement französischer Truppen bewahrt. Ob sie jetzt im Kampf um das Quartier ähnlich erfolgreich sein wird? Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Lustiger Briefwechsel am Rande eines eigentlich ernsten Themas: Im Zusammenhang mit der geplanten Wohnraumverdichtung im Bögehold gab es jetzt eine mit spitzer Feder geführte Korrespondenz. Die Protagonisten: Einerseits eine Anliegerin des Stadtviertels, die in die Rolle der „Frau Bögehold“ schlüpft – jener mutigen Gattin des gräflichen Rates Bögehold, die anno 1795 – also zur sogenannten Franzosenzeit – eine Bombardierung Gronaus verhinderte, indem sie sich den französischen Truppen entgegenstellte. Und andererseits der „Ratsherr Joerg­ von Borczyskowski“, der sich selbst als „Oberster Gebieter über die Fraktion der Unabhaengigen Maenner und Frauleut im Rate der Stadt Gronau im Westfalenlande“ bezeichnet.

Frau Bögehold schreibt an den „werten“ Herrn Bürgermeister und die Fraktionen, dass sie anno 2019 nach ihrem Einsatz 1795 erneut tätig werden muss: „Nun scheint es wieder an der Zeit, das Wort zu ergreifen, um ein Stück wertvollen heimatlichen Boden zu verteidigen. Die Menschen in der Siedlung, die meinen Namen trägt, baten um meine Fürsprache.“ Und dann schildert sie aus Sicht der Bewohner, warum die Bebauung dort nicht verdichtet werden sollte.

„Ratsherr Joerg von Bor­czyskowski“ ist um eine Antwort nicht verlegen: „Hochwohlverehrte Ehefrau des Amtmannes Boegehold zu Gronau“ legt er los – und geht dann mit Frau Boegehold erst mal ins Gericht: „Mit einiger Bestuerzung haben Wir eure Nachricht erhalten. Zuvorderst wollen Wir euch kundtun, dass Wir es auf das aeusserste verurteilen, dass Frauenpersonen sich in amtliche Angelegenheiten einlassen und das Wort ergreifen. Hierzu werden Wir in geeigneter Weise das klaerende Gespraech mit eurem Ehemann fuehren, um ihn auf die gottgegebenen liebe Ordnung der Welt hinzuweisen und ihm anheim zu legen, euch in eure Schranken zu weisen und wenn notwendig zu zuechtigen.“

Dann aber geht der Ratsherr „in Anbetracht eurer zugegebenermassen großen Verdienste um die Rettung des geliebten Vaterlandes vor der deiblischen Franzosenplage“ doch noch auf Bögeholds Anliegen ein, warnt aber zugleich davor, „dass sich das Volk zusammenrottet und gegen die gottgegebene Ordnung der hohen Ratsherren und Amtmaenner rebellieret“.

In der Sache selbst lässt von Borczyskowski durchblicken, dass seine Fraktion offenbar die Flächen westlich der Eichenhofstraße nicht überplanen lassen will, wohl aber das Areal der Andersen-Schule. In seinem Brief liest sich das so: „. . . sei euch versichert, dass Uns an nichts geringerem gelegen ist, als die westlichen Jagdgebiete und Haine um der Schoepfung willens zum Wohlgefallen der Menschlein weit und breit zu erhalten. In Richtung der aufgehenden Sonne aber wollen Wir gar praechtige Bauten errichten lassen, damit unsere Untertanen ein gar ziemliches und gottgefaelliges Leben in ihren eigenen Huetten fuehren koennen bis an das Ende aller Tage. Amen. Amen, Amen.“

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