20-Jähriger kommt mit relativ milder Geldstrafe davon
Drogen für krebskranken Opa geschmuggelt

Gronau/Rheine/Ochtrup -

Aufgrund einer Dokumentation im ZDF über eine besondere Art der Schmerztherapie bei Krebserkrankungen kaufte ein 20 Jahre junger Mann aus Ochtrup für seinen kranken Opa, der im Gronauer St.-Antonius-Krankenhaus lag, am 12. Oktober 2018 insgesamt 71 Gramm Marihuana – davon zehn Gramm CBD-Öl. Damit wurde er hinter der Grenze geschnappt.

Mittwoch, 17.07.2019, 07:44 Uhr aktualisiert: 17.07.2019, 07:50 Uhr
 
  Foto: GaToR/Fotolia

Am Montag saß er wegen unerlaubter Einfuhr von Drogen in nicht geringer Menge auf der Anklagebank des Jugendschöffengerichts in Rheine. Diese Größenordnung erfüllt den Verbrechenstatbestand. Deswegen war das Jugendschöffengericht und nicht ein Einzelrichter zuständig. Dennoch kam der 20-Jährige mit einer Geldstrafe von 750 Euro nach dem Jugendstrafrecht glimpflich davon. Der Staatsanwalt hatte 1000 Euro beantragt.

Staatsanwalt und Gericht glaubten ihm, dass er das Medikament für seinen krebskranken Großvater besorgt hatte, nachdem der mit seinem Arzt im Krankenhaus in Gronau über die andere Art der Schmerztherapie gesprochen hätte. Der Arzt bestätigte dem jungen Mann die Tatsache über eine Bescheinigung, auch, dass der Angeklagte bei dem Gespräch anwesend war. Sein Großvater starb vor zwei Monaten, wie der Ochtruper auf Anfrage des Gerichts antwortete.

„Wir nehmen Ihnen Ihre Begründung ab, aber das ändert nichts an der Strafbarkeit. Ich habe Verständnis für Ihre Zwangslage, aber ein Richter muss das Gesetz vertreten. Zudem haben wir ausführlich diskutiert, ob das Jugendstrafrecht noch anzuwenden ist, haben es aber letztendlich getan. Ich hoffe, das war eine Ausnahme“, gab er dem Angeklagten mahnend mit auf den Weg.

Der Verteidiger hatte um eine milde Strafe gebeten. Er sagte: „Ich habe zuerst gedacht, erzählt der mir hier einen vom Pferd, oder ist er glaubwürdig?“ Einen solchen Fall habe er in seiner Kanzlei noch nicht gehabt. Der Opa des Angeklagten habe seit 2016 an Bauchspeicheldrüsenkrebs gelitten. Die Anfangsprognose von drei Monaten verbleibender Lebenszeit hätte sich bei dem „kräftigen, lebensbejahenden und dominanten Menschen“ aber auf drei Jahre erhöht. Er habe wegen starker Schmerzen ständig Morphium nehmen müssen, was er nicht mehr wollte.

Der Angeklagte sagte, dass sein Großvater im ZDF die Alternativmedikation mit Marihuana gesehen hätte, das man entweder verkochen oder als Tropfen unter das Essen mischen konnte. Sein Arzt hätte ihm im Gronauer Krankenhaus gesagt, dass eine Verschreibung immer noch viele Anträge erfordere mit fraglichem Erfolg. Daraufhin hätte der Opa ihm 400 Euro gegeben und ihn gebeten, in Holland Marihuana zu besorgen. „Weil ich keine Ahnung von Drogen hatte, habe ich mich in einem Shop hinter der Grenze erkundigt, was ich nehmen soll“. Erst auf dem Rückweg habe er sich Gedanken über strafrechtliche Konsequenzen gemacht. Unmittelbar hinter der Grenze sei er gestoppt worden.

„Haben Sie schon einmal Drogen konsumiert?“ fragte der Richter ihn. „Nein, noch nie“, antwortete der Angeklagte. Seinen Eltern habe er auf Bitte seines Großvaters nichts davon erzählt, weil beide erwerbsunfähig krank seien. Vater und Mutter saßen im Zuhörerraum und bestätigten das. Sie erfuhren erst nach der Polizeikontrolle von ihrem Sohn von den Vorgängen.

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Deler Saber ist Kurde und Deutscher Staatsbürger und hat früher in Bagdad gelebt und studiert. Vor über 20 Jahren kam er nach Deutschland, seit 2000 lebt er in Münster. Die Stadt, sagt er, sei zu seiner Heimat geworden, die er nicht mehr verlassen will.
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