Ende der „BSG-Clique“?
Selbst die Kinder nahmen Drogen

Gronau -

Die jüngsten Mitglieder der Clique waren elf Jahre alt, die ältesten gerade im Erwachsenenalter. Und sie waren auf dem besten Weg, in einem Sumpf aus Drogen, Gewalt, Verwahrlosung und Kriminalität zu versinken. Doch in gemeinsamen Anstrengungen ist es der Polizei und dem Jugendamt offenbar gelungen, die Kinder und Jugendlichen aus der Szene herauszubekommen.

Freitag, 19.07.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 19.07.2019, 16:05 Uhr
Dieser Motorroller wurde Ende Mai von der Feuerwehr aus dem BSG-Teich gefischt. Das Fahrzeug war gestohlen und danach in dem Teich entsorgt worden.
Dieser Motorroller wurde Ende Mai von der Feuerwehr aus dem BSG-Teich gefischt. Das Fahrzeug war gestohlen und danach in dem Teich entsorgt worden. Foto: Martin Borck

Vor etwa einem Jahr hatte sich der Kern der Clique gebildet. Regelmäßiger Treffpunkt war der Spielplatz am BSG-Teich (Baumwollspinnerei Gronau) neben dem ehemaligen Laga-Gelände, aber auch der Baggersee an der Schieferkuhle. Immer mehr Jugendliche und Kinder schlossen sich an. Die Clique entwickelte sich immer stärker zu einer kriminellen Bande.

Die Gruppe bestand aus mehr als 20 Personen. Die wenigen Volljährigen waren größtenteils ohne festen Wohnsitz, lebten auf der Straße und gingen weder zur Schule noch einer Arbeit nach. Sie wurden wie mehrere Jugendliche aus der Gruppe, mehrfach straffällig. Zu der Gruppe gehörten sechs Kinder. Drei von ihnen waren wiederholt als vermisst gemeldet. Sie lebten zeitweise mit den anderen Gruppenmitgliedern auf der Straße bzw. in Übergangswohnheimen.

Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass alle Gruppenmitglieder – auch die Kinder – Rauschgift konsumierten. Nicht nur Haschisch, auch XTC, Speed und LSD.

Zahlreiche Straftaten gehen auf ihr Konto

Die Gruppenmitglieder begingen eine Vielzahl Straftaten, z.B. Ladendiebstähle, Einbrüche und auch Raubdelikte, davon viele zur Finanzierung des täglichen Lebensbedarfs. (Über einige Fälle berichteten die WN .)

► So wurden in unterschiedlicher Zusammensetzung mehrere Kraftfahrzeuge (Roller, Pkw, Lieferwagen ein Wohnmobil) in Gronau, Ochtrup und Borghorst gestohlen. Ohne Fahrerlaubnis ging es auf Spritztouren, bei denen wiederholt ohne zu bezahlen getankt wurde. In einem Fall wurden die Täter auf dem Weg zur Nordsee in Papenburg aufgegriffen, eine andere Spritztour mit einem gestohlenen Pkw endete mit einem Unfall zwischen Ochtrup und Gronau.

► Am 15. Mai stahlen Mitglieder der Gruppe in Gronau ein Wohnmobil und fuhren damit durch Gronau. Dabei wechselten sich die Fahrer ab. Die Fahrt ging nach Rheine und dann zurück nach Epe, um dort ein weiteres Gruppenmitglied von der Schule abzuholen. Dort wurden die Täter von der Polizei überprüft und festgenommen bzw. den Eltern/dem Jugendamt übergeben.

► Am 26. Mai raubte ein 19-Jähriger aus der Gruppe einem Jugendlichen dessen Fahrrad. Dabei schlug und trat er dem Jugendlichen mehrfach ins Gesicht. Der Tatverdächtige wurde am nächsten Tag festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Seitdem befindet sich der 19-Jährige in Untersuchungshaft.

► Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand handelte die Gruppe auch mit Rauschgift. 45 Strafverfahren wurden in diesem Zusammenhang eingeleitet. Die Ermittlungen dauern an.

► Am 25. Mai wurde die Feuerwehr zum BSG-Teich gerufen, weil dort ein Ölfilm auf der Wasseroberfläche trieb. Ursache für die Verschmutzung war ein Motorroller, der offenbar von Mitgliedern der Clique gestohlen und später in den Teich geworfen worden war. Auch ein Tresor war bei dieser Gelegenheit aus dem Wasser gefischt worden. Mit diesem Fall scheint die Gruppe aber nichts zu tun zu haben, so Polizeisprecher Thorsten Ohm auf Nachfrage der WN.

Strafverfahren gegen etwa 50 Personen

Insgesamt führten die aufwendigen und intensiven Ermittlungen der Polizei zu Strafverfahren gegen etwa 50 Personen im Alter von elf bis 19 Jahren aus Gronau und dem Kreis Steinfurt.

Polizei und Jugendamt hatten die Clique schon lange auf dem Kieker. „Wir haben nicht tatenlos zugeguckt“, sagt Ohm. Kriminalhauptkommissar Volker Hoffmann von der Gronauer Kripo ergänzt: „Neben der Verfolgung und Verhinderung von Straftaten stand das Wohl der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund, die infolge des massiven Drogen- und Alkoholkonsums, aber auch durch die Spritztouren und den Umgang mit Straftätern erheblich gefährdet waren. Betonen möchte ich in diesem Zusammenhang die sehr enge und gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt Gronau und den Schulen. Den betroffenen Familien konnte auf diesem Wege professionelle Hilfe angeboten werden.“

Auch Rainer Hülskötter vom Jugendamt spricht von einer hervorragenden Zusammenarbeit mit der Polizei. Das Jugendamt setzte sich mit den Erziehungsberechtigten in Kontakt, von denen einige aus allen Wolken fielen. „Wir haben den Betroffenen das ganze Repertoire an Hilfe angeboten, über das wir verfügen“, sagt Hülskötter auf WN-Anfrage. Angebote, die von der Familienhilfe über sozialpädagogische Angebote, therapeutische Hilfe bis zur Vermittlung der Kinder und Jugendlichen zur Sucht- und Drogenberatung reichen. „Das ist ein intensiver Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist.“

Das konsequente Vorgehen hat dazu geführt, dass die Gruppe als solche nicht mehr existiert und in diesem Zusammenhang keine Straftaten mehr bekannt geworden sind, so die Polizei.

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