Eper-Graeser Venn
Eine Zeitreise ins werdende Moor

Gronau/Epe -

Es ist so ähnlich wie Neil Armstrong es bei der Mondlandung beschrieben hat. Wenige Schritte reichen und man fühlt sich wie in einer anderen Welt. Anders als beim Erdtrabanten liegt diese andere Welt aber nicht in weiter Ferne, sondern direkt vor den Toren der Stadt. Und sie wimmelt nur so von Leben – noch. Mit Christoph Rückriem bin ich in Gronauer Naturschutzgebieten unterwegs.

Freitag, 09.08.2019, 10:00 Uhr
Das Graeser Venn birgt landschaftliche Schätze wie den Erlenbruchwald (r.) oder kleine Gewässer, die langsam von einem Schwingrasen bewachsen werden. Pflanzen wie die blühenden Moosbeeren zeigen, dass Wasser- und Nährstoffhaushalt in Ordnung sind.
Das Graeser Venn birgt landschaftliche Schätze wie den Erlenbruchwald (r.) oder kleine Gewässer, die langsam von einem Schwingrasen bewachsen werden. Pflanzen wie die blühenden Moosbeeren zeigen, dass Wasser- und Nährstoffhaushalt in Ordnung sind. Foto: Frank Zimmermann

Der Biologe arbeitet für die Biologische Station Zwillbrock und ist seit Jahrzehnten für die Naturschutzgebiete in Gronau zuständig. Trotzdem freut er sich immer noch, wenn er zum Beispiel nach wenigen Schritten ins Graeser Venn mitten in einem Erlenbruchwald steht. Zwischen den wasserliebenden Bäumen stehen die typischen Seggen – Sauergrasgewächse, die auf Bodenerhebungen wachsen, den sogenannten Bulten. Was fehlt, ist das Wasser, denn ein Bruch wird von Niederschlägen gespeist, aber die gibt es zurzeit kaum, der Sommer ist zu trocken.

Das Venn hat nicht nur den Effekt einer Mond-, sondern auch den einer Zeitreise zu bieten. Zwischen einigen Gewässern sieht die Landschaft ansatzweise so aus, wie sie auf weiten Flächen nach der letzten Eiszeit ausgesehen haben könnte. Damals – vor rund 10 000 Jahren – wuchsen die Hochmoore (s. Info-Kasten), von denen heute nur noch Reste übrig sind. Doch hier im Naturschutzgebiet Graeser Venn hat die Moorbildung wieder eingesetzt: Kleine Gewässer werden nach und nach überwachsen, der sogenannte Schwingrasen entsteht. Torfmoose bedecken den Boden. Aber ach, die Wachstumsgeschwindigkeit liegt bei einem Millimeter – pro Jahr!

  Foto: Frank Zimmermann

Doch der Boden federt, und wenn man länger an einer Stelle stehen bleibt, bildet sich im Fußabdruck eine kleine Pfütze. Auch die Pflanzen, die Christoph Rückriem hier entdeckt, zum Beispiel die blühende Moosbeere, stimmen ihn zuversichtlich. „Der Wasserhaushalt ist in Ordnung, und die Hochmoorspezialisten, die hier wachsen, zeigen, dass es nur wenig Nährstoffeintrag gibt.“

Das Eper Venn, das deutlich kleiner ist als das Graeser Venn, ist aber aus Sicht des Biologen nicht weniger wichtig. „80 Prozent der schützenswerten Arten, die in oder an nährstoffarmen Gewässern leben, kommen dort in einem Gewässer vor“, sagt er und kommt zu folgendem Schluss: „Wir müssen die letzten Schutzgebiete mit Zähnen und Klauen verteidigen, sonst verlieren wir Hunderte Arten auf einen Schlag.“

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