Flörbach und Eiler Mark: Grün- und Weideland
Hier können alle entspannen

Gronau -

In Gronau und Epe gibt es acht Naturschutzgebiete. Das kleinste ist mit 9,8 Hektar die Ammerter Mark, das Amtsvenn-Hündfelder Moor ist fast 100 Mal so groß – 947,3 Hektar. Wichtig sind sie allerdings beide, unabhängig von ihrer Größe. Aber wie funktioniert eigentlich die Unterschutzstellung? Was genau und wie wird da geschützt? Und wo und warum erreicht der Naturschutz seine Grenzen? Die WN stellen die Naturschutzgebiete vor und gehen diesen und weiteren Fragen auf den Grund.

Donnerstag, 15.08.2019, 08:35 Uhr aktualisiert: 15.08.2019, 08:50 Uhr
Die Eiler Mark: Zwischen Baumreihen und Gehölzen stehen Rinder auf der Weide. Am südöstlichen Zipfel des Naturschutzgebiets überwuchern Disteln und Brombeerranken ein altes, hölzernes Zaunelement (r.). Dort wimmelt es von Insekten wie dem Großen Ochsenauge. Die Natur überwuchert sogar das Schild, das sie doch eigentlich schützen soll . . .
Die Eiler Mark: Zwischen Baumreihen und Gehölzen stehen Rinder auf der Weide. Am südöstlichen Zipfel des Naturschutzgebiets überwuchern Disteln und Brombeerranken ein altes, hölzernes Zaunelement (r.). Dort wimmelt es von Insekten wie dem Großen Ochsenauge. Die Natur überwuchert sogar das Schild, das sie doch eigentlich schützen soll . . . Foto: Frank Zimmermann

Es ist eine archaische Form der Viehhaltung: Areal aussuchen, Zaun drum, Vieh drauf – fertig. Insofern gewähren uns Naturschutzgebiete ( NSG ) wie die Eiler Mark oder Flörbach auch Einblicke in die Vergangenheit der vielzitierten Münsterländischen Parklandschaft. Wer an der Kaiserstiege steht und gen Süden auf die Eiler Mark schaut, der sieht auf den ersten Blick eine Weide, die von ein paar Baumreihen durchzogen wird.

Doch wer länger verweilt und die Landschaft auf sich wirken lässt, kann noch viel mehr entdecken. Die Fraßkante an den Bäumen zum Beispiel, die erkennen lässt, dass die Rinder nicht nur die Gräser und Kräuter auf der Wiese, sondern auch die Blätter der Bäume abfressen, so weit sie drankommen. Weil die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Fläche extensiv ist, wachsen hier Gräser, Blumen und Kräuter durcheinander. Darin und darüber tummeln sich allerlei Insekten wie Heuschrecken, Libellen und Schmetterlinge.

  Foto: Frank Zimmermann

Am südöstlichen Zipfel des Areals ist ein altes, hölzernes Zaunelement von Disteln und Brombeerranken überwuchert. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge summen, brummen und flattern von einer lilafarbenen Distelblüte zur nächsten. Sogar das unweit entfernt aufgestellte Naturschutzgebietsschild wird schon von Pflanzen überwuchert.

Das der Naturschutz hier vor allem dadurch funktioniert, dass man die Natur vor allem in Ruhe lässt und von Beeinträchtigungen von außen schütz – zum Beispiel Nährstoffeintrag durch Düngung – macht Christoph Rückriem an einem Beispiel deutlich: „Würde man diese Fläche umbrechen und wieder für zwei Jahre Mais anbauen, wären wir um 25 Jahre zurückgeworfen.“ Rückriem ist Biologe, arbeitet für die Biologische Station Zwillbrock und betreut die Naturschutzgebiete Flörbach und Eiler Mark.

  Foto: Frank Zimmermann

Diese kleinen und zum Teil auch zerstückelten Flächen, wie beim Flörbach, haben aber über die bereits festgelegten Schutzzwecke noch eine weitere wichtige Funktion, erklärt Rückriem. Er bezeichnet sie als Potenzialflächen. Denn einerseits verbessert sich ihr Zustand, je länger sie geschützt werden, andererseits dienen sie schon jetzt solchen Arten als Rückzugsraum, die aktuell noch nicht als gefährdet eingestuft werden, es aber bald vielleicht doch sind. Zurzeit, so Rückriem, sei der Artenrückgang in Feld- und Flur nämlich besorgniserregend. Und so könnten die Naturschutzgebiete von heute auch zur Arche Noah von morgen werden.

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