Prozess um Vierfachmord in Enschede
Patronenhülse im Auto passt zu Mordwaffe

Enschede/Almelo -

Am Ende der Sitzung rastet einer der Angehörigen von Mordopfer Maijkel aus: Er schlägt und tritt mehrfach heftig gegen die Scheibe, die den Publikumsbereich im Obergeschoss des Gerichtsgebäudes vom Gerichtssaal trennt. „Das sind Mörder!“, schreit er.

Donnerstag, 15.08.2019, 11:37 Uhr aktualisiert: 15.08.2019, 15:40 Uhr
Im Gerichtsgebäude in Almelo findet der Prozess wegen des Vierfachmordes in Enschede statt.
Im Gerichtsgebäude in Almelo findet der Prozess wegen des Vierfachmordes in Enschede statt. Foto: Martin Borck

„Und die werden hier in Watte gelegt. Die müssten auf den elektrischen Stuhl!“ Er versucht im Erdgeschoss, in die Nähe der Angeklagten zu kommen. Andere Angehörige reden beruhigend auf ihn ein, schließlich komplementieren mehrere Wachtmeister den erregten Mann durch einen Seiteneingang des Almeloer Gerichtsgebäudes.

Dem Mann mahlen die Mühlen der Justiz viel zu langsam. Für ihn steht bereits fest, dass es die drei Angeklagten waren, die im November 2018 seinen Verwandten Maijkel und drei weitere Männer in einem Growshop in Enschede ermordet haben: Vater Camil A. und seine Söhne Denis und Dajan.

Auch dem Staatsanwalt zufolge zieht sich die Schlinge um den Hals der drei Angeklagten immer weiter zu, wie er am Donnerstag bei einer Sitzung des Gerichts deutlich macht. Zu den bereits vorliegenden Indizien kommt ein weiterer belastender Beweis: eine Patronenhülse, die im VW-Golf der drei Beschuldigten gefunden wurde und die zu einer der Waffen passt, die bei dem vierfachen Mord benutzt wurden.

Glaubwürdige Quellen gefragt

In dem Fahrzeug wurden zudem Blutspuren eines der Opfer gefunden. Und auf einem herausgerissenen Kabel einer Überwachungskamera am Tatort sind DNA-Spuren von Denis A. sichergestellt worden, des Weiteren Abdrücke zweier Schuhe im Blut am Tatort.

Dagegen sieht der Staatsanwalt keinerlei Belege für ein anderes Szenario: dass die Morde im Auftrag einer Mexikanerin verübt worden sind. Aus Rache für den Mord an ihrem Zwillingsbruder und dessen Tochter am Twentekanal in Hengelo. „Wir haben in dieser Sache ermittelt. Doch es fehlen glaubwürdige Quellen.“

Angeklagte schweigen

Befragte Zeugen hätten sie betreffende Darstellungen des Journalisten, der die Geschichte veröffentlicht hatte, von sich gewiesen. Es gebe zudem keinerlei Hinweis darauf, dass es überhaupt einen Mord an einem Mann und seiner Tochter gegeben habe, geschweige denn sterbliche Überreste. Für den Staatsanwalt ist diese Geschichte daher keine ernstzunehmende Alternative zu dem Szenario, das er aus den Beweisen zusammenstellt.

Die drei Angeklagten schweigen bislang zu den Vorwürfen. Zwei der drei wollen allerdings in der Hauptverhandlung aussagen, kündigten die Anwälte an. Die wird voraussichtlich Anfang 2020 eröffnet. Am 7. November soll eine weitere vorbereitende Sitzung stattfinden.

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