Heinz Krabbe und Rudolf Nacke berichteten über die Reise nach Auschwitz
Den Opfern ein Gesicht geben

Epe -

Auschwitz – Ort unvorstellbaren Leids und industrialisierter Vernichtung von über einer Million Menschen. Auschwitz – Ort des Gedenkens an die dort ermordeten Juden, Sinti, Roma und polnischen Intellektuellen. Auschwitz – Unesco-Weltkulturerbe und damit ein Magnet für den Massentourismus mit zwei Millionen Besuchern allein in diesem Jahr und langen Warteschlangen. In diese merkwürdig widersprüchliche Gemengelage waren kürzlich fünf Mitglieder des Förderkreises Alte Synagoge Epe gereist. Am Donnerstagabend berichteten Heinz Krabbe und Rudi Nacke im Eper Heimathaus vor zahlreichen Interessierten über ihre Reise, die mit einem Flug nach Krakau begann.

Samstag, 17.08.2019, 11:00 Uhr
Auf großes Interesse stieß der Vortrag über Auschwitz.
Auf großes Interesse stieß der Vortrag über Auschwitz. Foto: Sigrid Winkler-Borck

Fotos aus Auschwitz zeigen riesige Mengen konfiszierten Kochgeschirrs. Sie zeigen Stapel von Prothesen Körperbehinderter, die gleich an der Rampe aussortiert worden waren. Sie zeigen Hungerbunker und die primitiven Behausungen, in denen die als Arbeitssklaven gehaltenen Gefangenen untergebracht waren. Diese Dokumente zeichnen ein bedrückendes Bild – das dennoch etwas Abstraktes hat. Darum ist es ein wichtiges Anliegen des Förderkreises, den Opfern des Holocausts aus Epe und Gronau ein Gesicht zu geben. So zeigten sie am Donnerstag ein Foto von Hermine Pagener mit ihren in Epe geborenen Kindern Bernhard (Jahrgang 1934) und Gretel (Jahrgang 1938). 1939 sind sie zwar noch von Epe in die Niederlande geflüchtet, wurden 1944 aber doch in Auschwitz ermordet.

Auch die Eper Schwestern Liesel (Jahrgang 1936) und Hannelore Eichenwald (Jahrgang 1931) wurden in Auschwitz vergast. „Was hätten die Eperaner wann wissen können?“, fragte Rudi Nacke . Er nannte den Pogrom 1938 als die Synagoge geschändet wurde. Er wies aber auch auf etwas so Profanes wie das örtliche Adressbuch hin: In der Ausgabe von 1925 hätten die Namen der jüdischen Mitbewohner noch gestanden. „In der im Februar 1939 erschienen Neuauflage stand kein jüdischer Name mehr“, sagte Nacke und zeigte ein Exemplar. Er nannte es ein deutliches Zeichen dafür, dass die Juden ausgemerzt werden sollten, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch eine ganze Reihe in Epe lebte.

Die beiden Vortragenden kamen auch auf die Täter zu sprechen. Allein in Auschwitz geht man von über 10 000 Tätern aus, von denen später kaum einer belangt worden sei. Norbert Diekmann nannte die Wachtätigkeit dort „eine gemütliche Alternative zum Dienst an der Front“. Nur wenige dieser Soldaten hätten sich an die Front versetzten lassen. In diesem Zusammenhang prangerte er auch das Versagen der deutschen Justiz an, die viele Täter später mit der Begründung des Befehlsnotstands davonkommen ließ.

Im nächsten Jahr plant der Förderkreis eine Reise nach Riga, wohin viele Eper Juden über Westerbork transportiert wurden, bevor sie in den Vernichtungslagern ermordet wurden. Bereits am 14. September (Samstag) bietet der Förderkreis eine Fahrt nach Westerbork an. Das Durchgangslager im niederländischen Drenthe diente den Nazis dazu, über 100 000 Menschen in die Konzentrationslager zu bringen. Das Museumsdorf Orvelte soll an diesem Tag ebenfalls besucht werden. Abfahrt ist um 9 Uhr in Epe. Anmeldungen unter: info@alte-synagoge-epe.de, die Teilnahme kostet 30 Euro.

Hermine Pagener und ihre Kinder Bernhard und Gretel gehörten zu den Opfern, die in Auschwitz umgebracht wurden.

Hermine Pagener und ihre Kinder Bernhard und Gretel gehörten zu den Opfern, die in Auschwitz umgebracht wurden.

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