Prozess gegen Enscheder wegen schwerer Brandstiftung
Unterbringung in Psychiatrie zur Bewährung ausgesetzt

Gronau/Münster -

In die geschlossene Psychiatrie soll jener Mann aus Enschede eingewiesen werden, der – wie berichtet – am 22. Juni 2016 Feuer in einem sechsstöckigen Wohnhaus an der Enscheder Straße gelegt hatte. Das Landgericht Münster setzte die Unterbringung bei seiner Entscheidung am Mittwoch allerdings zur Bewährung aus.

Mittwoch, 21.08.2019, 14:59 Uhr aktualisiert: 21.08.2019, 17:22 Uhr

In dem Sicherungsverfahren hatten die Richter darüber zu entscheiden, ob der mittlerweile 32-Jährige dauerhaft eine Gefahr für die Bevölkerung darstelle. Die Gefahr weiterer Taten bestünde zwar. Aber nur dann, wenn er seine Psychopharmaka erneut nicht ein- und seine ärztliche Behandlung nicht wahrnehme, hieß es.

Am Morgen der schweren Brandstiftung war der Mann mit dem Fahrrad von Enschede nach Gronau gefahren.

Unterwegs besorgte er sich Benzin und Grillanzünder. Ziel war die Wohnung einer Prostituierten in dem Wohnblock. Mit ihr hatte er sich zwischen März und Mai 2015 etwa 15 Mal getroffen, zeichneten der Staatsanwalt in seinem Plädoyer und später der Vorsitzende Richter in der Entscheidung nach. Abseits der Bezahlung ihrer Dienste habe der Enscheder der Frau mehrmals finanziell geholfen. Sie habe sich, so hatte es der Beschuldigte erklärt, bei einem Besuch am Geldschalter wohl seine Pin-Nummer gemerkt und ohne sein Wissen im Nachhinein 2500 Euro abgehoben. Er habe ihr ebenfalls Schaden zufügen wollen.

„Warum er ein Jahr später darauf kam, das zu tun, ist nicht verständlich und mag mit seiner Krankheit zusammenhängen“, sagte der Staatsanwalt. Vor der Wohnungstür der Prostituierten im sechsten Stockwerk entzündete er das Feuer und verschwand darauf. Zwei Wohnungen nahmen Schaden und außerdem zwei Bewohner. 37 Personen hätten sich zu der Zeit im Haus befunden, erklärte am Mittwoch ein Brandermittler als Zeuge.

Der Enscheder hatte offenbar versucht, sicherzugehen, dass die Frau nicht in der Wohnung war, indem er an der Tür lauschte und keine Geräusche hörte.

Was er nicht wusste, ist, dass sich ihr Ehemann zusammen mit einem Bekannten darin aufhielt. Beide wurden von der Feuerwehr über eine Drehleiter gerettet, zwei weitere Männer im Haus erlitten Rauchvergiftungen.

Der 32-Jährige leidet, so die Gutachterin, an einer autistischen Störung und an einer schizophrenen Psychose. Vor der Tat habe er längere Zeit seine Medikamente nicht eingenommen, die Behandlung beim Arzt nicht wahrgenommen.

Das Gericht setzte die Unterbringung mit der Auflage aus, dass er die Behandlung fortführen müsse. Seitdem er sie vor zwei Jahren wieder aufgenommen habe, seien keine neuen Taten passiert. In den Niederlanden bestehe bereits eine Anordnung zur Unterbringung auf Bewährung. „Wir meinen, dass das weiter abgesichert werden muss“, so der Richter.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6864029?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
SPD sieht Probleme bei Verkehr und Lärm
Die stillgelegte Baustelle des Hafencenters am Hansaring.
Nachrichten-Ticker