Ina Alies stellt sich beim THW ständig neuen Herausforderungen
Die Frau, die es immer hinkriegt

Gronau -

Sie stehe nicht gern im Mittelpunkt, „aber sie ist immer dabei.“ Ralf Kosse ist anzumerken, dass er Ina Alies aus voller Überzeugung für die Auszeichnung zum „Helden des Alltags“ vorgeschlagen hat. Ina Alies habe diesen Standardsatz auf Lager, wenn sie um Hilfe gefragt wird: „Lass mich mal überlegen, aber das kriege ich irgendwie hin.“ Essensausgabe, den Einsatz-Lkw fahren, Atemschutzgeräteeinsatz – keine Herausforderung, der sich Ina Alies nicht stellen würde.

Samstag, 24.08.2019, 07:58 Uhr aktualisiert: 24.08.2019, 08:01 Uhr
Zuerst hatte Ina Alies Respekt vor den Anforderungen eines Lkw-Führerscheins. Heute macht ihr das Fahren Spaß. Dadurch hat sie auch die Aufsicht über die Geräte, die beim Einsatz ausgegeben und wieder eingesammelt werden müssen.
Zuerst hatte Ina Alies Respekt vor den Anforderungen eines Lkw-Führerscheins. Heute macht ihr das Fahren Spaß. Dadurch hat sie auch die Aufsicht über die Geräte, die beim Einsatz ausgegeben und wieder eingesammelt werden müssen. Foto: Christiane Nitsche

„Was mir am meisten imponiert hat: Ina hat einen Sohn bekommen und ein paar Monate später den Lkw-Führerschein gemacht“, erzählt der Vorsitzende der THW-Helfervereinigung Gronau.

Während das Technische Hilfswerk eine Bundesanstalt ist, die im Auftrag der Bundesregierung im Katastrophenfall technische Hilfestellungen leistet, arbeiten seine Angehörigen zu 99 Prozent auf ehrenamtlicher Basis. Zusätzlich organisieren sie sich außerdem meist vor Ort als eingetragener Verein, um das THW von außen zu unterstützen – so auch in Gronau. Im Gegensatz zum Bundesdurchschnitt, wo nur etwa 13 Prozent Frauen einer männlichen Domäne gegenüberstehen, sind es von insgesamt 72 Mitgliedern in Gronau ganze 15 Frauen, „also knapp 20 Prozent“, wie Ralf Kosse nicht ohne Stolz vorrechnet.

Eine von ihnen ist Ina Alies. Seit 22 Jahren ist die 38-Jährige nun schon beim THW. „Ich habe 1996 in der Jugendgruppe angefangen und bin dann kurz danach in die Ausbildungsgruppe gewechselt“, erzählt sie. Dazu gekommen sei sie durch ihre damalige Clique, gemeinsam mit einer Freundin. Die war irgendwann wieder weg, die junge Ina aber blieb. „Hier ist eigentlich immer Action“, sagt sie, „und man lernt viel dazu.“

Einer ihrer ersten echten Einsätze war dann in jeder Hinsicht prägend: Beim Feuerwerksunglück von Enschede im Mai 2000. Zum ersten Mal bekam sie vor Augen geführt, wie wichtig die Arbeit ist, die sie und ihre Helferkollegen verrichten. Damals mussten die Feuerwehren im Einsatz unterstützt werden, die selbst massiv in Bedrängnis gerieten. „Wenn einem die Leichenwagen entgegenkommen, das ist schon komisch“, erinnert sich Ina Alies heute.

Schwer schleppen gehört dazu beim THW.

Schwer schleppen gehört dazu beim THW. Foto: Christiane Nitsche

Der Einsatz in Enschede hat ihr Leben aber auch positiv verändert – sie lernte ihren späteren Mann kennen. „Er war bei der Feuerwehr “, sagt sie lachend.

Inzwischen ist das Paar seit vier Jahren verheiratet und hat zwei Kinder – eine neunjährige Tochter und den etwa eineinhalb Jahre alten Sohn, dessentwegen die Verkäuferin zurzeit noch im Erziehungsurlaub ist. Dass Mama und Papa an den Wochenenden oft ihre Einsätze koordinieren müssen – er bei der Feuerwehr, sie beim THW – stört die beiden offenbar nicht. Im Gegenteil: „Die Tochter will auf jeden Fall zum THW“, so die stolze Mama. Über die ehrenamtliche Zukunft des Sohnes müsse sie sich mit ihrem Mann noch auseinandersetzen. Aber wenn am 3. Oktober beim THW in Gronau der „Türöffner-Tag“ mit der originalen Maus aus der „Sendung mit der Maus“ stattfindet, wird der Kleine sicher dabei sein wollen.

Ob sie sich einen Einsatz im Ausland auch vorstellen könnte? Schließlich hilft das THW auch grenzüberschreitend im Katastrophenfall, wie etwa 2003 beim Hochwasser in Südfrankreich. „Mit Sicherheit gerne“, sagt sie spontan. „Aber das wird schwierig mit den Kindern.“

Ihr gefalle die Kameradschaft, die sich über die Jahre entwickelt hat, sagt Ina Alies, außerdem „die Tätigkeit an sich“. Also keine Angst vor schwerem Gerät und Technik? Wieder lacht sie. „Ich fand das immer interessant, damit umgehen zu lernen“, erzählt sie. „Man wird hier ja auch immer unterstützt von den Kameraden.“ Bloß Lkw-Fahren habe sie eigentlich zuerst nicht gewollt. Da hatte sich schon Respekt. Aber dann wurde Ina Alies gefragt. Daraufhin sagte sie sich, dass sie das irgendwie hinkriegt. Ihre heutige Antwort auf die Frage, was ihr am besten gefalle an der Arbeit beim THW: „Das Lkw-Fahren.“

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