Eper Architekt koordiniert Projekt
Champion der Champignons

Epe -

Ein professioneller Pilzzüchter aus den Niederlanden will eine große Pilzzuchtanlage im ostdeutschen Bundesland Brandenburg errichten. Was das mit Epe zu tun hat? Nun: Das Architektenbüro von Martin Dust koordiniert das Projekt. „Der Unternehmer brauchte jemanden, der einerseits Niederländisch spricht und sich andererseits mit dem deutschen Baurecht auskennt“, sagt Dust. Über ein paar Ecken fanden die beiden zueinander. „In ein Netzwerk eingebunden zu sein, ist dabei sehr hilfreich“, sagt Dust schmunzelnd. Es verhalf ihm also zu dem Kontakt mit Ser Huibers aus Beringe in der Nähe von Venlo. Der ist ein Großer in der Welt der Pilzzüchter, der Champion der Champignons sozusagen, hat mehrere Betriebe in den Niederlanden und Deutschland, in denen Pilze unterschiedlicher Sorten gezüchtet werden. Und was führt ihn um alles in der Welt in den kleinen Ort Raddusch, etwa 80 Kilometer südöstlich von Berlin? Nun: Raddusch liegt in der Spreewald-Region, und mit der Dachmarke Spreewald für seine Bio-Champignons will Huibers (in Kooperation mit einer Partnerfirma) punkten. Die Marke Spreewald hat einen guten Ruf. Abnehmer für die Ware sollen Discounter und Supermärkte sein.

Freitag, 30.08.2019, 07:32 Uhr aktualisiert: 30.08.2019, 07:40 Uhr
Martin Dust vor einem Plan der Pilzzuchtanlage. Der Epe Architekt betreut das Projekt, das in Brandenburg entseht, für einen niederländischen Auftraggeber.,
Martin Dust vor einem Plan der Pilzzuchtanlage. Der Epe Architekt betreut das Projekt, das in Brandenburg entseht, für einen niederländischen Auftraggeber., Foto: Martin Borck

Für Martin Dust ein nicht alltäglicher Auftrag – auch wenn sei Büro schon lange nicht nur in Epe und Umgebung aktiv ist. Der ganze Papierkram für die Pilzzuchtanlage geht über seinen Schreibtisch. Dazu muss er sich mit den Besonderheiten des brandenburgischen Baurechts vertiefen, das in einigen Punkten von dem in NRW abweicht. „Zum Beispiel müssen wir den ökologischen Ausgleich auf dem Grundstück selbst realisieren.“ Was bedeutet, dass auf dem Areal im Gewerbegebiet von Raddusch 17 Bäume und 860 Sträucher gepflanzt werden müssen.

„Bei dem Projekt haben wir es mit 42 Behörden zu tun“, sagt Dust. Mit Gutachten beauftragt er wo möglich hiesige Büros. Mit dem dortigen Bürgermeister und dem Kreisbauamt hat er positive Erfahrungen gemacht.

Allerdings gibt es noch ein Problem: Der gültige Bebauungsplan sieht nur Gebäude bis 50 Meter Länge vor. Die Anlage soll aber 70 Meter lang und 55 Meter breit werden. „Die Stadtverordnetenversammlung muss noch zustimmen. Ich habe aber schon positive Signale erhalten.“

Die Anlage selbst soll fast automatisch laufen. Ein ausgeklügeltes System bereitet die Pilzkisten mit Kompost und Deckschicht kommen in videoüberwachte Hallen, in der die Champignons ideale Wachstumsbedingungen vorfinden. Temperatur und Kohlendioxidgehalt sind auf die Champignon-Bedürfnisse abgestimmt. Der Transport in der Halle erfolgt über Bänder bzw. elektrische Gabelstapler. Der Inhalt von 2720 Kisten pro Reihe (bei elf reihen) kann in den Zuchträumen zwei Wochen reifen. Kurz vor der Ernte wird die CO-Zufuhr so geregelt, dass der Pilz seine Sporen abwirft – die Grundlage für die nächste Generation ist gelegt. Vieles läuft automatisch, die Ernte jedoch händisch - -allerdings mit maschineller Hilfe. Insgesamt ist der Betrieb allerdings nicht besonders personalintensiv. Gut 20 Leute reichen, um die Produktion aufrechtzuerhalten.

Bio wird großgeschrieben. So gut wie alles wird recycelet – auch die Pilzwurzeln, die vorm Verpacken abgeschnitten werden – immerhin eine Tonne pro Woche. „Die gehen an die Lebensindustrie. Daraus wird Champignoncremesuppe gemacht“, sagt Dust. Substrat und Deckerde werden als Dünger in der Landwirtschaft verwendet.

Zwei Jahre stecken ind er Vorbereitung, im Herbst soll mit dem Bau begonnen werden. Und wenn künftig Spreewald-Bio-Pilze im Supermarkt-Regal auftauchen – dann haben die einen gewissen Anteil Münsterland intus.

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