Aktion „Kreis Borken sieht gelb“
„Morgen achte ich drauf“

Epe -

Für die kleine Merle und ihre Mama fängt der Tag gut an: „Das ist ein gutes Mama-Taxi“, lobt Verkehrssicherheitsberater Josef Rickers die Art und Weise, wie Merle zur Schule begleitet wird: Sie kommt am Donnerstagmorgen mit ihrer Mutter zu Fuß zur Hermann-Löns-Schule – und bekommt dafür einen Dankzettel.

Freitag, 06.09.2019, 09:28 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 09:30 Uhr
Dank- und Denkzettel verteilen Lutz Kremer und die Schüler der Klasse 4a der Hermann-Löns-Schule am Donnerstagmorgen.
Dank- und Denkzettel verteilen Lutz Kremer und die Schüler der Klasse 4a der Hermann-Löns-Schule am Donnerstagmorgen. Foto: Klaus Wiedau

Für die kleine Merle und ihre Mama fängt der Tag gut an: „Das ist ein gutes Mama-Taxi“, lobt Verkehrssicherheitsberater Josef Rickers die Art und Weise, wie Merle zur Schule begleitet wird: Sie kommt am Donnerstagmorgen mit ihrer Mutter zu Fuß zur Hermann-Löns-Schule – und bekommt dafür einen Dankzettel. Dort, wo sonst meist die Mama-Taxis mit vier Rädern anhalten, steht Rickers an diesem Morgen gemeinsam mit Schülern der Klasse 4b und Konrektorin Helga Hilge direkt vor der Löns-Schule. Zum 14. Mal läuft in diesem Jahr kreisweit die von Radio WMW mit Partnern initiierte Aktion „Kreis Borken sieht gelb“. Das Ziel: Mit Dank- und Denkzetteln aufmerksam zu machen auf richtiges und falsches Verhalten im Verkehr, an dem seit wenigen Tagen auch die neu eingeschulten Grundschüler – erkennbar an ihren gelben Käppis – teilnehmen.

Weniger gut läuft es um 7.38 Uhr rund 100 Meter entfernt an der Fußgängerampel vor dem Amtshaus für eine andere Mutter und zwei Kinder: Sie sind gerade auf dem Bürgersteig mit dem Rad weitergefahren, obwohl die Ampel rot zeigte. Lutz Kremer , Kollege von Josef Rickers, stoppt sie freundlich aber bestimmt, obwohl die Frau „eigentlich keine Zeit hat“. „Die müssen Sie aber jetzt haben“, sagt Kremer und weist die Frau auf ihr rücksichtsloses Verhalten hin: „Die Autos stoppen bei der roten Ampel, aber dann werden die Fußgänger, die die Straße queren, durch Radfahrer von den Beinen geholt“, so Kremer. Die Frau bekommt einen Denkzettel, zeigt sich aber einsichtig: „Morgen früh achte ich drauf“, verspricht sie Kremer und den Kindern der Klasse 4a, die mit dem Polizeibeamten und Lehrerin Maria Rörick-Sprakel hier im Einsatz sind.

Danach geht es bis 8 Uhr Schlag auf Schlag – meist allerdings gibt es Dankzettel. Denn: Die Fahrer und Fahrerinnen der Eltern-Taxis stellen sich fix auf die neue Situation ein, als sie Rickers in Uniform und mit seinen Schüler-Hilfspolizisten sehen. Viele fahren weiter zum Parkplatz vor dem Amtshaus, obwohl sie sonst sicher vor der Schule im Halteverbot gestoppt hätten. Rickers kann damit leben: „Positiv begleiten“ sieht er auch als Aufgabe im Rahmen der Aktion. „Ich bin auch nicht darauf aus, Verkehrsteilnehmer hier vor den Schülern zur Räson bringen zu müssen.“ Wenn nötig, hat er aber auch damit keine Probleme. Donnerstagmorgen gibt es dafür wenig Anlass: Viele Eltern kommen mit den Kindern zu Fuß, bekommen Lob und Dankzettel. Aber auch für Kinder, die beim Überqueren der Straße alles richtig machen, gibt es den Dankzettel. Polizist Rickers: „Da fängt der Tag doch gut an.“

Das gezeigte faire Verhalten finden auch die mitwirkenden Schüler richtig. David etwa: „Ich finde es gut, wenn die Autofahrer nicht auf den Bürgersteig fahren. Kinder können auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule gebracht werden“, sagt er.

Dass nicht all Eltern immer einsichtig sind, berichtet Rickers über einen Vorfall, der ihm geschildert wurde: Da bringt ein Vater sein Kind zur Schule und hält im Halteverbot. Auf dieses Fehlverhalten angesprochen, kommt er so in Rage, dass er beim Anfahren fast das eigene Kind überfahren hätte – und bei anschließenden Zurücksetzen fast einen Radfahrer . . .

Solche Situationen bleiben Rickers, Kremer, den Lehrerinnen und den Schülern am Donnerstagmorgen erspart. Im Gegenteil: Viele Verkehrsteilnehmer verhalten sich vorbildlich. Der Lkw-Fahrer etwa, der – trotz Grün – langsam an die Ampel heranfährt, an der die Kinder stehen. „Das wäre eigentlich ein Fall für Daumen hoch“, sagt Kremer. Stoppen will er den Brummi wegen des Verkehrsaufkommens an der Ampel aber nicht. Das Ziel der Aktion sehen die Polizeibeamten auch ohne viele Denkzettel an diesem Morgen erreicht: „Aufmerksamkeit erregen“, umschreibt das Lutz Kremer und meint damit, Verkehrsteilnehmer für den rücksichts- und respektvollen Umgang miteinander zu sensibilisieren. Dass das angesichts von 3700 neuen i-Dötzchen im Kreis nötig ist, zeigen Zahlen: 37 Schulwegunfälle hat es in diesem Jahr bisher gegeben (2018 waren es insgesamt 60).

Vor der Löns-Schule wird diese Statistik am Donnerstagmorgen nicht verändert. Um zwei Minuten nach Acht beenden Rickers und Kremer mit ihren „Hilfssheriffs“ den Einsatz. „Hier läuft nix mehr“, sagt Kremer. Auf die Schüler wartet jetzt der Schulgottesdienst. „Dann geht mit Gott“, ruft der Polizist ihnen zu – wohl wissend, dass sie auf dem Schulweg künftig ihren Schutzengel oft brauchen werden.

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