30 Jahre Landesmusikakademie
Netzwerk wird immer größer

Nienborg -

Zwar liegt Nienborg am Rande Nordrhein-Westfalens, in der Musikszene spielt der Ort dank der Landesmusikakademie NRW (LMA) seit nunmehr 30 Jahren aber mit die erste Geige.

Freitag, 06.09.2019, 12:30 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 12:40 Uhr
Über seit Jahren gute Anmeldezahlen freut sich LMA-Direktorin Antje Valentin.
Über seit Jahren gute Anmeldezahlen freut sich LMA-Direktorin Antje Valentin. Foto: Rupert Joemann

Und das ist nicht nur auf die Aktivitäten im Musikzentrum, dem Langen Haus und der Alten Schule beschränkt. Im Gegenteil: Die Tätigkeiten der LMA strahlen ins gesamte Bundesland.

„Wir durchmischen die Netzwerke gerne“, sagt Antje Valentin , seit 2011 Direktorin der Landesmusikakademie. Augenscheinlich sehr erfolgreich. So kooperiert die LMA unter anderem landesweit mit allen fünf Musikhochschulen. Wer die Liste der Partner auf der Internetseite der Landesmusikakademie durchlesen will, benötigt schon einige Zeit.

Das Netzwerk wird immer größer, ein Verdienst von Antje Valentin. Für die Direktorin ist es auch eine Form von Zukunftssicherung. Ein kleiner Baustein ist auch, dass Ende des Jahres die Qualitätstestierung abgeschlossen ist. Dann können die Gäste Bildungsurlaub für ihren Aufenthalt in der Landesmusikakademie nehmen. Das dürfte einen weiteren Anreiz bieten, für einige Tage nach Nienborg zu kommen.

Der Trägerverein

Mitglieder des Trägervereins der Landesmusikakademie NRW sind der Landesmusikrat NRW, der Kreis Borken und die Gemeinde Heek.

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An über 70 Standorten ist die Landesmusikakademie in Nordrhein-Westfalen aktiv. „Nicht permanent“, wie die 55-Jährige betont. Vielmehr veranstaltet die LMA an den jeweiligen Standorten verschiedene Bildungsangebote. Organisiert werden diese von Nienborg aus. Für die Lehrgangsarbeit sind zwei Bildungsreferenten verantwortlich. Zusammengearbeitet wird dann mit freien Dozenten.

Wichtig ist, „was für Themen die Leute bewegen“, so Antje Valentin. Nur mit diesem Wissen können entsprechende Angebote entwickelt werden.

Angefangen hat es 1988, einige Monate bevor die Landesmusikakademie offiziell eröffnet wurde, mit Lehrgängen für Blasmusik, Chorleitung und Zupforchester. Drei Jahrzehnte später ist die Palette deutlich breiter geworden. So gibt es unter anderem auch Fortbildungen für Erzieher, Musikvereine, Chöre, Musikschulen und zur Integration.

Letztere wird aus Sicht der Direktion immer wichtiger. So gebe es Großstädte im Ruhrgebiet mit einem Anteil von rund 50 Prozent an Einwohnern, die einen Migrationshintergrund hätten. Musik könne eine Möglichkeit der Integration bieten. „Musik ist eines der wichtigsten Hobbys“, findet Antje Valentin. Doch es gebe einen Mangel an ausgebildeten Musiklehrern. Die LMA versucht, dem mit Schulungen entgegenzuwirken.

Das Programm

Die Landesmusikakademie NRW und das Künstlerdorf Schöppingen laden gemeinsam zum Jubiläumswochenende anlässlich ihres jeweils 30-jährigen Bestehens ein. Am Samstag (7. September) gibt es um 16 Uhr einen offiziellen Festakt auf der Burg Nienborg. Es spielt das Jugendjazzorchester NRW. Mit dabei ist die nordrhein-westfälische Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Die Ministerin ist auch um 18 Uhr Gast beim Festakt in der Schöppinger Kulturhalle Kraftwerk.

Nach Einbruch der Dunkelheit wird in der Schöppinger Innenstadt die Licht-Klangkunstnacht eröffnet. Den Auftakt bildet um 19 Uhr auf dem Parkplatz am Künstlerdorf eine allerdings eher haarige Kunstaktion: Die Berliner Künstlerin und Stipendiatin Barbara Caveng wird aus einem 30 Meter langen Haarteppich einen Ballen pressen. Am Sonntag (8. September) findet von 11 bis 18 Uhr das Jubiläumsfest der Landesmusikakademie auf der Burg Nienborg mit zahlreichen Jugendensembles statt.

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Die Nienborger gehen sogar noch einen Schritt weiter. In Zusammenarbeit mit dem Schulministerium will die Landesmusikakademie Schüler-Mentoren ausbilden. So sollen 15-, 16-Jährige ihr Wissen und ihre Begeisterung für Musik an jüngere Mädchen und Jungen weitergeben.

Demnächst wollen Valentin und ihr Team einen weiteren Trend aufgreifen. Am 30. November gibt es eine Auftaktveranstaltung zum Thema „Digitalisierung und Musik“. Im kommenden Jahr soll dieses Thema ins Programm aufgenommen werden. Dadurch, so erhofft sich Valentin, erreicht die LMA neue Schichten von Musikfans. An zwei Wochenenden sollen Lehrgänge zu Games-Kompositionen stattfinden. „Es geht dabei nicht um klassisches Notenlesen, sondern das Hören und Wahrnehmen von Tönen. Beim Soundmischen werde mit Klängen gearbeitet, so die studierte Instrumentalpädagogin.

Kinder sollen auch mit dem Jekits-Programm begeistert werden. Die landesweiten Fortbildungen dafür übernimmt die LMA – wie so oft im Hintergrund. Doch auch sie sind ein Teil des großen Netzwerks.

Kommentar

Die Landesmusikakademie NRW in Nienborg und das Künstlerdorf in Schöppingen sind zwei kulturelle Leuchttürme in der Region, die nicht ständig im Mittelpunkt stehen. Während in der LMA noch relativ häufig öffentliche Konzerte stattfinden, arbeiten die Stipendiaten im Künstlerdorf eher verborgen in ihren Ateliers. Die Schöppinger bekommen davon kaum etwas mit. Schon dass beide Einrichtungen gemeinsam ihr 30-jähriges Bestehen feiern, ist ein Indiz dafür, dass beide Institutionen (und deren Leitungen) eher bodenständig sind und nicht den großen glanzvollen Auftritt suchen. Verdient hätten es beide sicherlich.

„Aus den Augen, aus dem Sinn“ heißt es im Volksmund. Das ist – Gott sei Dank – bei der LMA und dem Künstlerdorf nicht der Fall. Beide werden vom Land gefördert. Die Ausgaben sind im Landeshaushalt mit eigenen Haushaltsstellen klar definiert. Das ist aber kein Selbstläufer für die Zukunft. Deshalb sind die Festlichkeiten ein guter Anlass, Künstlerdorf und Landesmusikakademie mal wieder aufs öffentliche Schild zu heben. 

von Rupert Joemann

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