Gottesdienst und Podiumsdiskussion
„Näher als du glaubst !“

Gronau -

Jung und Alt zusammenzubringen, war eines der erfolgreich umgesetzten Ziele des Festes. Sonst zeigt sich bei den sonntäglichen Gottesdienstbesuchern ein anderes Bild. In erster Linie Ältere sind dann in der Kirche zu finden. „Glauben lässt sich nicht vererben“, sagte Superintendent Joachim Anicker angesichts dieser Tatsache während der Podiumsdiskussion „Gott, Kirche, Glaube näher als du glaubst!“

Montag, 09.09.2019, 17:54 Uhr
Pfarrer Willy Bartkowski und sein katholischer Amtskollege Edward Pawolka.
Pfarrer Willy Bartkowski und sein katholischer Amtskollege Edward Pawolka. Foto: Sigrid Winkler-Borck

In der von Pfarrer Willy Bartkowski moderierten Diskussion in der Stadtkirche wurde betont, dass die Kirche vor vielfältigen Herausforderungen stehe, die über die aktuelle Gemeindekonzeption mit der Schaffung gesamtgemeindlicher Schwerpunkte weit hinausgehe. Anicker sprach gar von „Freiwilligkeitskirche“, sollte in Zukunft die Kirchensteuer fallen. Junge Leute, so Anicker weiter, würden immer neu überzeugt werden und auch mitgestalten wollen. So forderte der mit 21 Jahren jüngste Presbyter, Jendrik-Ben von Eicken, die Kirche müsse mit der Zeit gehen. Sie müsse auch dort präsent sein, wo junge Leute unterwegs sind, etwa bei Snapchat, um sie erreichen zu können.

Annette Braune, bei der Diakonie mit dem Beratungsschwerpunkt „Familie und Ehe“ tätig, beobachtet ebenfalls einen Wandel bei den Themen und auch der Art der Kontaktaufnahme. So werde häufiger Hilfe bei Mobbing gesucht und die geschützte Onlineberatung nehme zu.

Von der katholischen Antonius-Gemeinde nahm Pfarrer Edward Pawolka an der Diskussion teil. Der aus Polen stammende Geistliche sieht das Problem für Glauben und Kirche darin, dass die Menschen in Westeuropa im Überfluss leben und einfach nur satt seien. Selbst junge Leute sieht er kritisch: „Sie suchen zwar viel, aber die Antwort muss aus einem Satz bestehen.“

Joachim Anicker betonte abschließend vor dem Hintergrund, dass es immer weniger Gläubige gibt, nicht mehr alles selbst gemacht werden könne. Es gelte, stärker eng im Team zu arbeiten, entsprechend dem neuen Leitbild „Näher als du glaubst!“ der Evangelischen Kirchengemeinde Gronau.

Auf das Leitbild wurde bereits in drei Impulspredigten während des Gottesdienstes am Vormittag eingegangen. Menschen würden sich nach Nähe sehnen und sie auch brauchen. Gott sei uns stets nahe, so der Tenor aller drei Predigten, aber der Mensch spüre eher eine Gottesferne. Das würde aber auch an der Erwartungshaltung liegen: Gott habe unsere Krisen zu managen und unsere Welt in Ordnung zu bringen. „Aber Gott lässt nicht über sich verfügen“, so Prädikant Dr. Dieter Schwarze. Er vergleicht die Beziehung zwischen Gott und Mensch mit der Ehe zwischen zwei Menschen. In einer guten Ehe, so Schwarze, wird man durch die Nähe „getröstet, gestärkt, ermutigt und beglückt“, und zwar ohne gegenseitige Erwartungen. So solle es auch mit Gott sein, man suche die Nähe, weil sie einfach gut tue. Begleitung auf diesem Weg, finde man in der Kirchengemeinde, so Schwarze. Einer lebendigen Gronauer Kirchengemeinde, die bereit ist, Herausforderungen anzunehmen und gemeinsam im Austausch mit den Menschen neue Wege zu beschreiten.

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