Lauschsalon zur Semestereröffnung
Aus Gedanken wird Wirklichkeit

Gronau -

Gedanken – Worte – Wirklichkeit: Anja Bilabel schafft es, aus dem von Schriftstellern und Dichtern in Sprache gefassten Denken eine Welt zu erschaffen, in die man als Zuhörer regelrecht eingesogen wird. Die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen. Der Klang ihrer Stimme nimmt ein, spricht an, veranschaulicht, was eigentlich doch gar nicht da ist – nur in den Köpfen der Autoren, der Interpretin und des intensiv lauschenden Publikums im Studio der „Brücke“. Flötistin Marchela Margaritova-Duhneva setzt dazu die Interpunktion und verabreicht musikalisch dezente Gedankenschubser.

Mittwoch, 11.09.2019, 19:00 Uhr
Anja Bilabel und Marchela Margaritova-Duhneva.
Anja Bilabel und Marchela Margaritova-Duhneva. Foto: Martin Borck

„Auf zu neuen Ufern“ lautet der Titel des „Lauschsalon“-Programms. „Die Welt unser Traum!“ Die Auswahl der Gedichte und Prosastücke ist gut gewählt. Fantasiereiche, sprachliche Delikatessen, vorgetragen von Anja Bilabel , die stimmlich mühelos in verschiedene Rollen schlüpft. Sie betont, verzögert, verdichtet – auf das sich das Gesagte in den Köpfen manifestiert. Sie schmeckt dem Klang der Worte nach. Ihre Stimme sirrt und singt, säuselt spinnwebenfein, hebt und senkt sich, sie faucht und haucht, schnieft und klingt verächtlich. Bilabel beherrscht ein riesiges Panoptikum an stimmlichen Ausrücken, mit dessen Hilfe sie die Sinne der gebannt Lauschenden anspricht.

Dabei sind die vorgetragenen Werke nicht mal ausgesprochen klangmalerisch. Doch gelingt es der Schauspielerin und Sprecherin zum Beispiel, die Stimmung des „Ersten Ferientags“ von Mascha Kalenko wachzurufen.

Die ausgewählten Texte geben ein breites Spektrum des „Aufbrechens“ wieder. Voller Witz und Esprit das kurze, für Joachim Ringelnatz‘ Humor so typische Gedicht vom „Rosshaar“, das aufbricht, um die Glatze eines Herrn zu besiedeln. Annette von Droste-Hülshoffs „Knabe im Moor“, der sich über den unheimlichen, glucksenden Untergrund durch gespenstische Fauna den Weg nach Hause bahnt. „Der Europäer – die Arche“ von Hermann Hesse, eine erschreckend aktuelle Erzählung. Ein blinkendes Kaleidoskop von Werken deutschsprachiger Dichter und Denker.

Nach zwei Stunden endete eine Semestereröffnungsveranstaltung von Volkshochschule und FBS, die anspruchs- und genussvoll zugleich war.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6919611?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Debatte um unzufriedene Mitarbeiter: Bewohner-Angehörige schalten sich ein
In der DKV-Residenz am Tibusplatz gibt es Ärger. Die Leitung lädt ihre Bewohner am Montag zum Austausch ein.
Nachrichten-Ticker