PCB-Belastung trotz Schadstoffsanierung
„Wir sind selbst überrascht, dass es so ist“

Gronau -

Über Monate haben Experten die ehemalige Sophie-Scholl-Schule von Schadstoffen befreit. Vom Gebäude steht inzwischen nur noch der Rohbau-Torso mit den nackten Betonwänden. Und das Ergebnis? Die PCB-Belastung der Raumluft liegt mit 400 bis 1000 Nanogramm PCB/Kubikmeter über dem Grenzwert von 300 Nanogramm PCB/Kubikmeter und zudem höher als vor der Sanierung. Die Schule ist damit ein Fall für die Abrissbirne.

Donnerstag, 12.09.2019, 17:56 Uhr aktualisiert: 12.09.2019, 21:42 Uhr
Ingenieur Kai Reddig (r.) von der Wessling GmbH nahm vor den Ausschuss-Mitgliedern Stellung.
Ingenieur Kai Reddig (r.) von der Wessling GmbH nahm vor den Ausschuss-Mitgliedern Stellung. Foto: kw

„Wie kann das sein?“, fragen sich Fachleute und Laien, zumal vor Beginn der Arbeiten ein Musterraum an der Schule saniert wurde und anschließend schadstofffrei war. „Wir sind selbst überrascht, dass es so ist“, zeigte sich Ingenieur Kai Reddig von der Wessling GmbH, die die Schadstoffsanierung als anerkanntes Beratungs-, Laboranalytik- und Prüfunternehmen begleitet, am Mittwoch vor Bauausschuss und Schulausschuss ratlos. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nichts weiter tun, um die Raumluftbelastung zu senken“, musste Reddig eingestehen – mit der Folge, „dass der Abbruch wohl die Konsequenz daraus ist“. Ursache dafür sind nach Angaben des Experten Ausgasungen aus den Betonflächen.

Nicht alle Ausschussmitglieder ließen diese Aussagen einfach so im Raum stehen. Reddig musste sich auch Fragen und deutliche Kritik gefallen lassen. Markus Busen (FDP) zeigte sich von der ruhigen Debatte überrascht. „Ich fühle mich verar . . “, machte er deutlich. Dezidiert habe er vor der Schadstoff-Sanierung gefragt, ob eine Entkernung des Gebäudes ausreiche, um die PCB-Belastung zu entfernen. Das sei bejaht worden. Jetzt stehe der komplette Abbruch der Schule an. Busen: „Ich finde es wahnsinnig, worüber wir hier reden müssen!“ Er wollte wissen: „Ist das hier in Gronau die Ausnahme oder der Regelfall?“

Kritische Töne schlug auch Bernhard Greitenevert (CDU) an. Er wollte wissen, wie es trotz Sanierung von Musterräumen zum jetzigen Dilemma habe kommen können. Und er zweifelte die Aussage an, dass auch bei einem Abbruch der Schule alle jetzt durchgeführten – 1,3 Millionen Euro teuren – Schritte zur Entfernung der Schadstoffe hätten durchgeführt werden müssen, wie Reddig betonte. Greitenevert: „Wir haben die 1,3 Millionen weggeworfen!“

„Hier lügt keiner jemanden an“, trat Stadtbaurat Ralf Groß-Holtick der Kritik entgegen und nahm die Firma Wessling („eines der renommiertesten Büros“) in Schutz. Auch für die Verwaltung sei die aktuelle Situation alles andere als eine „vergnügungssteuerpflichtige Veranstaltung“.

Der Fall Scholl-Schule sei im Übrigen kein Einzelfall. „Es gibt Schulen, die drei Mal ab- und wieder aufgebaut wurden“, so Groß-Holtick. Er plädierte dafür in der Sache nach vorn zu schauen – „das sind wir Eltern und Schülern schuldig“.

Noch unklar ist derzeit, dies wurde auf Fragen der Politiker im Ausschuss deutlich, ob auch der Boden am Standort der Sophie-Scholl-Schule belastet ist. Und: Untersuchungen von inzwischen genommenen Bohrkernen aus den Betonteilen sollen Aufschluss darüber geben, ob auch der beim Abbruch entstehende Staub möglicherweise belastet sein könnte.

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