Jakobsweg
Bis ans Ende der Welt

Epe -

Zu einem spannenden und informativen Abend hatte der Heimatverein Epe geladen: Felix Büter, der ehemalige Bürgermeister der Stadt Ahaus, berichtete in seinem fast dreistündigen Bildervortrag von seiner Reise mit weiteren fünf Herren mit dem Rat von Ahaus nach Santiago den Compostela. Sie hatten sich vorgenommen, diesen Pilgerweg komplett zu fahren und Ahaus als Ausgangspunkt der abenteuerlichen Reise zu nehmen.

Sonntag, 15.09.2019, 18:45 Uhr aktualisiert: 15.09.2019, 18:50 Uhr
Felix Büter, der ehemalige Bürgermeister der Stadt Ahaus, berichtete in seinem Bildervortrag von seiner Reise mit weiteren fünf Herren mit dem Rat von Ahaus nach Santiago den Compostela
Felix Büter, der ehemalige Bürgermeister der Stadt Ahaus, berichtete in seinem Bildervortrag von seiner Reise mit weiteren fünf Herren mit dem Rat von Ahaus nach Santiago den Compostela Foto: Josef Pieper

Sie waren im April und Mai 2018 auf der 2 500 Kilometer langen Reise mit etwa 17 Kilogramm Gepäck beladen, ausgestattet mit einem modernen Navigationssystem und – für Pilger ganz wichtig – mit dem pastoralen Segen des örtlichen Diakons. Schließlich war die Strecke in 24 Reisetagen zurückzulegen.

Die ersten 1600 Kilometer führten die passionierten Radfahrer durch die Niederlande, Belgien, und Frankreich bis nach St. Jean-Pied-de-Port, dem Startort des Camino Frances, dem bekanntesten der vielen Jakobswege. Schon diese ersten zwei Wochen hinterließen bleibende Spuren, so Felix Büter : „Wunderschöne Landschaftsbilder in Frühjahrsgrün und -blüte, Paris, rauschender Atlantik hinter meterhohen Dünen, fünf Adler, die fast in Reichweite majestätisch an uns vorbeisegelten. Glatte Radwege wechselten sich ab mit extremen Schotterpisten und Straßen mit nur wenige Zentimeter entfernt vorbeirasenden Autos. Ständiger Begleiter war der mehr oder weniger heftige Gegenwind. Auch nötige Umwege sorgten für Überraschungen, so z.B. durch Wege, die plötzlich im Nichts endeten bzw. gesperrt waren, weil in der Nähe militärische Schießübungen stattfanden.

Und es sollte auf den folgenden 900 Kilometer noch spannender werden. Die Pilger, das Baskenland, Städte wie Pamplona, Burgos oder Leon, viele Spuren der Römer, insbesondere die zahlreichen historischen Brücken, beeindruckende Gotteshäuser. Großen Respekt riefen die Fußpilger hervor, die sich in der kargen und unendlichen Weite der Meseta – einer Ebene auf 800 Meter über dem Meeresspiegel – teils in einem Trancezustand Schritt für Schritt vorwärtsbewegten, ohne zu erkennen, dass sie ihrem Ziel näher kamen. Heftig waren die Steigungen, oft kurz und sehr steil, teils lang und stetig über insgesamt fünf Pässe von bis zu 1500 Meter Höhe. Am Ende sollten es insgesamt rund 20 000 Höhenmeter werden.

Nach gut 24 Tagen erreichten alle sechs Männer Santiago de Compostela, in dessen Kathedrale sich die Gebeine des Apostels Jakobus des Älteren befinden sollen. Der Pilgergottesdienst war natürlich ebenso Pflicht, wie das geduldige Warten auf das Ausstellen der Pilgerurkunde.

Welche Erleichterung es ist, ohne Gepäck zu fahren, konnte ein Teil der Gruppe spüren, als sie die 93 Kilometer von Santiago bis zum Kap Finisterra („Ende der Welt“) trotz weiterer 1400 Meter Anstiege nahezu entspannt in weniger als fünf Stunden bewältigten.

Das Fazit von Felix Büter: „Es war eine sehr anstrengende Reise, auf der es gemeinsam gemeisterte Grenzerfahrungen gab. Es war eine sehenswerte und erlebnisreiche Reise. Es war aber viel mehr: Tränen hervorrufende emotionale Momente, Begegnungen mit Menschen, die bewegen, Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben. Der Jakobsweg hat mich verändert. Es ist einfacher geworden, gelassen zu sein, nicht alles immer unter Kontrolle haben zu wollen, Kleinigkeiten weniger Bedeutung zu schenken. Eine Erfahrung, die er im Leben nicht missen möchte. „Ich bin nicht in erster Linie als Pilger losgefahren, aber sicher als einer angekommen“.

Einige der Zuhörer, die am Ende des Vortrages kräftigen Applaus spendeten, waren ebenfalls schon einmal mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs nach Santiago gewesen. So kam es am Ende auch noch zu einem angeregten Gespräch über die unterschiedlichen Erfahrungen von Pilgern.

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