Stationäre Jugendhilfe: SPD will mehr Mitsprache für Sozialpädagogen bei Finanzen
Wenn Pflegekinder eigenes Geld verdienen

Gronau -

Zu einem Ergebnis kam der Jugendhilfeausschuss in seiner jüngsten Sitzung zu diesem Thema nicht, aber diskutiert wurde ausgiebig darüber, inwieweit die Sozialpädagogen, die in der Jugendhilfe mit Kindern in der so genannten stationären Jugendhilfe arbeiten, ein Mitspracherecht bei Entscheidungen über deren finanzielle Situation haben sollten.

Mittwoch, 02.10.2019, 09:00 Uhr

Der Hintergrund: Kinder und Jugendliche, die in der Obhut eines Heimes oder einer Pflegefamilie aufwachsen, brauchen finanzielle Unterstützung nicht nur für Lebenshaltungskosten und Kleidung – auch Vereinsbeiträge, Taschengeld und ähnliches werden durch die gewährten Pflegegelder oder Heimbeiträge abgegolten.

Soweit so einfach. Was aber, wenn die Jugendlichen durch Ferienjobs oder ähnliches etwas dazuverdienen? Laut Sozialgesetzbuch müssen derlei Einkünfte bei der Berechnung der Kosten für die stationäre Jugendhilfe herangezogen werden. Sprich: Die Jugendlichen müssen den Großteil dessen, was sie verdienen, abgeben – in der Regel 75 Prozent. In Einzelfällen können sie per Antrag von davon befreit werden. Die Entscheidung darüber liegt beim Jugendamt.

Für Daniel Speer ( SPD ) ist das ein zu großes Hindernis, denn mitunter jobben und sparen die Jugendlichen mit einem konkreten Ziel, etwa für einen Führerschein. Nimmt man ihnen den Lohn für ihre Arbeit, nimmt man ihnen die Motivation, so seine Sorge. „Mir ist wichtig, dass die Pädagogen mehr Mitsprache bekommen“, erklärte er, „die, die mit den Jugendlichen in den Wohngruppen arbeiten, oder wo auch immer.“

Der Antrag seiner Fraktion sah vor, dass die Entscheidung, ob auf die Heranziehung der Kosten verzichtet wird, „auf die Pädagogen übertragen wird, um dann mit Wohngruppe oder Pflegeeltern einen Plan zu erstellen, wie das Geld verwendet wird. Er wolle zudem, dass diese Option jeweils im Jugendhilfeplan erfasst werde. Die wirtschaftliche Jugendhilfe kenne die konkrete Situation zu wenig, so seine Argumentation. Die Pädagogen bräuchten mehr Freiheit, um selbstständig entscheiden zu können – „natürlich gemeinsam mit den Eltern und mit dem Jugendamt.“

Bereits in einer früheren Sitzung hatte Speer das Thema unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen“ zur Diskussion gebracht. Nun kam der Punkt als Kenntnisnahme auf die Tagesordnung, weshalb sich ein Teil der Diskussion darüber entspann, ob die Geschäftsordnung einen Antrag möglich mache oder nicht.

Rainer Hülskötter und Doris Ströing vom Jugendamt versicherten mehrfach, dass man inhaltlich nicht so weit auseinander liege. „Die Möglichkeit der Pädagogen wird beim Jugendamt nicht eingeschränkt, solche Ideen zu entwickeln“, beteuerte Sachgebietsleiter Rainer Hülskötter. Aber die Pädagogen müssten auf die wirtschaftliche Jugendhilfe zugehen. „Wir müssen schon auch auf die Finanzen schauen“, betonte er. Bislang sei das gängige Praxis, bei der man sich an den Empfehlungen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter orientiere. Es gebe eine einheitliche Herangehensweise. „Daran halten wir uns.“

„Wir waren uns intern einig, dass die wirtschaftliche Jugendhilfe, das Ermessen nicht hat und nicht allein entscheiden kann“, erklärte Fachdienstleiterin Doris Ströing. „Wir müssen aber sagen, grundsätzlich sind die Einnahmen heranzuziehen.“ Ausnahmen seien möglich, aber immer ein Sonderfall. Ströing: „Es ist ja doch eine begrenzte Zahl von Jugendlichen, um die es da geht.“

Ihre Abteilung arbeite an einem Konzept dazu, versicherte Doris Ströing, das auch die Einbindung der Sozialpädagogen vorsehe. Es gehe um ein „Modell, das wir freiwillig implementieren wollen“, so Doris Ströing. „Mir ist wichtig, dass ich eine Form der Abstimmung finde zwischen wirtschaftlicher Jugendhilfe und Pädagogen.“

Auch Burkhard John (CDU) signalisierte Zustimmung zu Speers Vorschlägen, wollte aber nicht sofort abstimmen lassen.

Der Ausschuss einigte sich schließlich darauf, die Vorlage des angekündigten Konzepts der Verwaltung abzuwarten. Das fand auch Speers Einverständnis. „Damit kann ich leben“, sagte er. „Wir entscheiden beim nächsten Mal.“

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