Studierende des Driland-Kollegs im Fußballmuseum und im Dortmunder Zoo
Können wir von Tieren Toleranz lernen?

Gronau -

Eher spielerisch ist das Programm, mit dem die Studierenden aus Ahaus und Gronau in der Kooperation zwischen dem Driland-Kolleg und der Aidshilfe Westmünsterland eine neue Perspektive vermittelt bekommen sollen:

Dienstag, 15.10.2019, 11:06 Uhr aktualisiert: 15.10.2019, 11:10 Uhr

„Wir haben eigentlich gar keine Vorurteile“, sagt der 18–jährige Markus Böhinger, der sich derzeit in der Abendrealschule des Gronauer Weiterbildungskollegs auf seinen Mittleren Schulabschluss vorbereitet. „Aber dann sollten wir Bilder malen über andere Nationalitäten, und die waren dann doch typisch.“ Eher spielerisch ist das Programm, mit dem die Studierenden aus Ahaus und Gronau in der Kooperation zwischen dem Driland-Kolleg und der Aidshilfe Westmünsterland eine neue Perspektive vermittelt bekommen sollen: Sexuelle Vielfalt im Fußball und im Tierreich.

Thomas Leuker vom Driland-Kolleg hat sich dieses Programm gemeinsam mit der Sozialarbeiterin Manuela Brandt ausgedacht und jetzt erstmals umgesetzt: Doch was haben ein Zoo-Besuch und der deutsche Fußball mit Sexualität zu tun? Nach der Welle der Homophobie und den Skandalen im Fußball hat man im DFB hinzugelernt und definiert die sexuelle Orientierung im Lieblingssport der Deutschen weniger einseitig als in den vergangenen Jahrzehnten. Seit kurzem bietet der DFB den Workshop „Vielfalt“ für Schulen an, um Toleranz, Respekt und Integration zu fördern und Vorurteile und diskriminierendes Verhalten abzubauen. So soll eine Sensibilisierung im Umgang mit Vielfalt entstehen.

Im Dortmunder Zoo stand die tierische Sexualität im Vordergrund. Im Rahmen der Führung unter sexuellen Vorzeichen konnten viele noch Überraschendes hinzulernen: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele homosexuelle Tiere gibt“, gibt der Studierende Jan Brandt zu bedenken. „Nur an den Fußbändchen“, schaltet sich sein Gronauer Mitschüler Arian Göcke ein, „konnte man erkennen, dass die beiden Pinguine schwul waren; die waren aber ansonsten voll in die Gruppe integriert und haben sogar Eier von anderen ausgebrütet“ war das erstaunte Resümee.

Homosexualität ist im Tierreich nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel, erfuhren die Studierenden von dem angehenden Erzieher, der sie durch den Zoo führte. Dass viele Tierarten Homosexualität als normales Verhalten hinnehmen, hat die Abendrealschüler aus Ahaus und Gronau dann schon erstaunt. Egal, ob Fische, Vögel oder Säugetiere – wie Studien zeigen – praktizieren etwa 1500 Tierarten gleichgeschlechtliche Paarungen. Die meisten Tiere sind dabei nicht wirklich homo-, sondern eher bisexuell. Sie paaren sich auch mit dem anderen Geschlecht, etwa um Nachwuchs zu zeugen. Aber es gibt auch Beispiele von stabilen ausschließlich schwulen oder lesbischen Partnerschaften, die manchmal sogar zur Bildung von Familien führen.

„Können wir Menschen von den Tieren etwa eine Toleranz erlernen, die unsere Gesellschaft noch nicht als selbstverständlich erachtet?“, fragten sich die Studierenden des Kollegs am Ende eines Tages, der durch Spenden der Stadtwerke Ahaus und des Förderverein des Kollegs ermöglicht wurde.

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