Prozessauftakt zum Millionen-Coup bei K+K
„Das war fast hollywoodreif“

Gronau/Essen -

Nach einem spektakulären Coup, bei dem Täter rund 1,8 Millionen Euro aus der Zentrale einer Gronauer Supermarktkette erbeuteten, hat am Dienstag der Prozess gegen vier Angeklagte vor dem Essener Landgericht begonnen. Einer legte gleich zu Beginn ein kurzes Geständnis ab.

Dienstag, 15.10.2019, 15:47 Uhr aktualisiert: 16.10.2019, 08:38 Uhr
Bilder einer Überwachungskamera zeigen das Tatfahrzeug: Laut Anklage hatten die Täter einen weißen VW-Transporter umlackiert und mit Magnetfolien in einen vermeintlichen Geldtransporter verwandelt.
Bilder einer Überwachungskamera zeigen das Tatfahrzeug: Laut Anklage hatten die Täter einen weißen VW-Transporter umlackiert und mit Magnetfolien in einen vermeintlichen Geldtransporter verwandelt. Foto: Polizei

Die Täter waren als Geldboten verkleidet, ihr Fahrzeug war die perfekte Nachbildung eines Geldtransporters: Zwei Jahre nach einem spektakulären Millionen-Coup in Gronau hat in Essen der Prozess um einen trickreichen Raubzug begonnen. Dabei wurden in der Gronauer Zentrale der Supermarkt-Kette K+K 1,8 Millionen Euro erbeutet.

Zum Prozessauftakt hat einer der Angeklagten bereits ein kurzes Geständnis abgelegt. Der 45-Jährige war zur Tatzeit Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes und soll seine Komplizen mit Insiderwissen versorgt haben. „Die Vorwürfe treffen zu“, sagte sein Verteidiger Hans Reinhardt .

Täter tarnten sich als Geldboten

Laut Anklage hatten die Täter einen weißen VW-Transporter umlackiert und mit Magnetfolien in einen vermeintlichen Geldtransporter verwandelt. Die Nummernschilder waren Dubletten eines tatsächlich existierenden Kennzeichens. Die Täter trugen die typische Kleidung des Geldtransport-Unternehmens. Die Mitarbeiter der beraubten Supermarkt-Kette witterte keinen Verdacht. Erst nachdem die Täter mit ihrer Beute abgefahren waren, stellte sich heraus, dass der „richtige“ Geldtransporter noch auf der Anfahrt zur Firmenzentrale der Supermarktkette war. Eine sofort eingeleitete Fahndung blieb ohne Erfolg. K+K setzte in der Folge eine Belohnung von 50 000 Euro für Hinweise zur Ergreifung der Täter aus.

„Das war schon fast hollywoodreif“, so Reinhardt am Rande des Prozesses. „Fast so wie im Film ‚Die Gentlemen bitten zur Kasse‘ über den Postzugraub in England.“ Ziel sei es gewesen, mit „Cleverness hohe Beute“ zu machen. „Alles war minuziös geplant und durchdacht.“

In weitere Taten verwickelt

Die sechs weiteren Angeklagten aus Recklinghausen, Marl, Köln und Wachtberg bei Bonn haben sich noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sie sollen in wechselnder Beteiligung auch für weitere Taten verantwortlich sein.

In Dortmund wurde Ende 2016 aus einem geparkten Geldtransporter rund eine halbe Million Euro entwendet. Laut Anklage hatten die Täter einen Originalschlüssel. In Werne im Kreis Unna wurde im Juni 2017 ein Geldautomat der Postbank geleert – kurz nachdem er befüllt worden war. Auch hier sollen die Täter einen Schlüssel gehabt haben.

Beute auf den Kopf gehauen?

Doch es geht auch um Verstöße gegen das Waffengesetz, um Betäubungsmittel und Gewalt: In Mönchengladbach ist im Frühjahr 2016 eine Schmuckhändlerin vor ihrer Haustür überfallen und ausgeraubt worden. Der Wert der Beute soll sich auf rund 300 000 Euro belaufen. Außerdem sollen die Angeklagten weitere Überfälle auf Banken und Geldtransporter geplant haben.

Die Beute wurde angeblich für Luxusgüter ausgegeben – für Schmuck, Autos, Urlaube und Bordellbesuche. „Vielleicht wurde da ein bisschen übertrieben“, sagte Verteidiger Andreas Kabut, der den mutmaßlichen Kopf der Bande vertritt, vor Prozessbeginn. Sein Mandant war übrigens der einzige, der den Gerichtssaal trotz Handschellen mit einem breiten Lächeln betrat. Das Essener Landgericht hat für den Prozess noch 19 weitere Verhandlungstage bis zum 19. Dezember vorgesehen.

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