Haftbefehl gegen 33-Jährigen erst nach fünf Jahren vollstreckt
Von vielen Anklagepunkten bleibt wenig übrig

GronaU/Ahaus -

Viel heiße Luft um wenig. So stellte sich jetzt die Anklage gegen einen 33-jährigen Gronauer vor dem Schöffengericht in Ahaus heraus.

Freitag, 18.10.2019, 07:29 Uhr
In Handschellen wurde der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt.
In Handschellen wurde der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt. Foto: Boris Roessler/ dpa

Der Mann war für vier Taten zwischen April und Juni 2013 angeklagt. Dabei ging es um Freiheitsberaubung, Raub, vorsätzliche Körperverletzung und Einbruch. Am Ende blieb nicht mehr viel, sodass das Verfahren eingestellt wurde.

Der Vorsitzende Richter strich gleich zu Beginn die Freiheitsberaubung und die vorsätzliche Körperverletzung. Es sei davon auszugehen, dass die Taten verjährt seien dürften, so der Richter.

Zweimal waren Verhandlungen 2014 geplatzt, weil der Angeklagte und die Hauptzeugin, seine mittlerweile geschiedene Frau, nicht erschienen. Ein 2014 verhängter Haftbefehl gegen den 33-Jährigen konnte erst am 4. September 2019 vollstreckt werden.

Im Vorfeld gab es Zustellungsprobleme bei der Ladung. Der Angeklagte, der die niederländische und türkische Staatsangehörigkeit besitzt, war weder in den Niederlanden noch in Deutschland gemeldet. „Sie sollen bei Ihrer Mutter in Almelo gewohnt haben“, sagte der vorsitzende Richter. Deshalb sei eine Ladung auch an deren Adresse geschickt worden. Er habe dort aber nicht gewohnt, so der Gronauer, der direkt aus der Untersuchungshaft mit Handschellen in den Gerichtssaal geführt worden war.

Die angeklagten Taten erfolgten alle in der Trennungsphase mit seiner Frau. Die war jetzt bereits zum dritten Mal nicht vor Gericht erschienen. „Die Frau scheint kein Interesse an der Aufklärung zu haben“, sagte der Staatsanwalt. Für ihn ein weiteres Argument, das Verfahren einzustellen.

Auch die Anklage der möglicherweise noch strafbaren Taten stand aus Sicht aller Beteiligten auf wackeligen Füßen. Ob der Gronauer wirklich in die Wohnung eingebrochen war, um ein Lan-Kabel zu stehlen, oder die Haustür eingetreten hatte, um einen Laptop und zwei Jacken mitzunehmen, sei schon aufgrund der Aussage der Ehefrau bei der Polizei zumindest fraglich. Zu viele Fragezeichen für den Richter, die es aus seiner Sicht nicht rechtfertigten, das Verfahren weiter in die Länge zu ziehen.

Trotz der Einstellung des Verfahrens und dem Aufheben des Haftbefehls musste der 33-Jährige zunächst zurück ins Gefängnis. Denn gegen ihn lag ein zweiter Haftbefehl vor, weil er Geld aus einem anderen Verfahren noch nicht bezahlt hatte. „Erst wenn Sie das beglichen haben, können Sie wieder raus“, erklärte der vorsitzende Richter.

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