Bischof Genn besucht Gemeinde der arabisch-sprechenden Christen
Menschlichkeit in den Vordergrund stellen

Münster/Gronau -

„Ob Sie aus dem Irak, dem Libanon oder aus Syrien kommen: Wir sind durch den Glauben miteinander verbunden. Wir möchten Ihnen in der Fremde eine Heimat bieten.“ Diese Zusage hat Bischof Dr. Felix Genn den Mitgliedern der Gemeinde der arabisch-sprechenden Christen im Bistum Münster gemacht. Bei seinem Besuch am Samstag be-tonte er ausdrücklich die enge Verbundenheit: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie erfahren dürfen: Sie gehören zu uns.“ Begleitet wurde Genn von Weihbischof em. Dieter Geer­lings, Bischöflicher Beauftragter für Katholiken anderer Muttersprache.

Montag, 21.10.2019, 06:56 Uhr aktualisiert: 21.10.2019, 07:01 Uhr
Rund 350 arabisch-sprechenden Christen aus Münster, Gronau und Delmenhorst kamen in die St.-Pius-Kirche nach Münster.                        
Rund 350 arabisch-sprechenden Christen aus Münster, Gronau und Delmenhorst kamen in die St.-Pius-Kirche nach Münster.                         Foto: Ann-Christin Ladermann, Bischöfliche Pressestelle

Beim Gottesdienst in der St.-Pius-Kirche, der von Pfarrer Dr. Miled Abboud im maronitischen Ritus gefeiert wurde und an dem rund 350 Christen teilnahmen, sicherte Bischof Genn den arabisch-sprechenden Christen in seiner Predigt die Unterstützung durch das Bistum Münster bei allen pastoralen Aktivitäten und räumlichen Fragen zu: „Es ist sicher schwer, was Sie durch Ihre Flucht erlitten haben und was Sie durch die Schwierigkeiten der Integration noch immer belastet. Deshalb sollen Sie hier bei uns die Erfahrung machen, dass wir nicht Fremde, sondern Schwestern und Brüder sind.“

Die katholische Kirche im Bistum Münster nehme Anteil an dem, was in den Heimatländern der arabisch-sprechenden Christen geschehe. „An den Unruhen im Libanon, dem furchtbaren Krieg in Nordsyrien, wo Sie als Familien betroffen sind und wo Menschen aus machtpolitischen Gründen vertrieben werden, die wir im Westen kaum durchschauen können“, verdeutlichte der Bischof. In Bezug auf die Aussage des Apostels Paulus „Einer trage des anderen Last“ appellierte Genn an die Politik: „Es müssen Wege gefunden werden, die immer zuerst die Menschlichkeit in den Vordergrund stellen und alle anderen Interessen dieser unterordnen.“

Der Bischof äußerte außerdem einen Wunsch: „Tragen Sie unsere Sorge mit, dass der Glaube in unserem Land weiter wächst, so wie Sie ihn in Ihren Familien und Ihren Gemeinden lebendig halten.“ Er bete dafür, dass das Christentum in den Heimatländern der arabisch-sprechenden Christen erhalten bleibe. „Die Gefahr, dass es dort verschwindet, bleibt groß.“

Bei einem Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinden, in denen Pfarrer Dr. Miled Abboud regelmäßig Gottesdienste feiert – Münster, Gronau, Delmenhorst und Enschede –, erkundigte sich Bischof Genn nach der Lebenssituation der arabisch-sprechenden Christen. Vom Engagement in der Gemeinde über die derzeitigen wirt-schaftlichen Umstände der Familien bis zur Fluchtgeschichte: Die Frauen und Männer, die teils seit 20, teils erst seit zwei Jahren in Deutschland leben und aus Ländern wie dem Irak, dem Libanon oder Syrien geflohen sind, berichteten dem Bischof ausführlich.

Gegründet im Jahr 2010 mit etwa 20 Personen, gehören heute rund 70 Familien mit durchschnittlich fünf Personen zur Gemeinde. „Wir sind eine heterogene Gemeinde, die sich aus 90 Prozent Katholiken, aber auch aus armenischen, orthodoxen und maronitischen Christen zusammensetzt“, sagte Pfarrer Abboud. Ein Miteinander, das nicht selbstverständlich sei. Zum Abschluss traf sich die Gemeinde zur Begegnung im Pfarrheim. Bei landestypischen Spezialitäten kam Genn mit den arabisch-sprechenden Christen ins Gespräch.

Im Bistum Münster werden in 22 Gemeinden an mehr als 70 Orten Gottesdienste in 17 Sprachen gefeiert. In zwölf Sprachen wird die Liturgie im lateinischen Ritus gehalten, wie es in Deutschland üblich ist, in fünf Sprachen in einem anderen katholischen oder unierten Ritus. Die Mitglieder der Gemeinden anderer Muttersprache kommen aus 40 unterschiedlichen Herkunftsländern.

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