SEK-Einsatz in Gronau
Versuchter Mord als Tatvorwurf

Gronau -

Spezialkräfte der Polizei haben sich am frühen Montagmorgen an der Anne-Frank-Straße gewaltsam Zugang zu einem Wohnhaus verschafft. Die Aktion soll im Wege der Amtshilfe für die niederländische Polizei erfolgt sein, heißt es.

Montag, 28.10.2019, 11:02 Uhr aktualisiert: 28.10.2019, 19:10 Uhr
Das Wohnhaus ander Anne-Frank-Straße. Handwerker begannen am Montagvormittag, die bei der Sprengung zerstörte Haustür zu reparieren.
Das Wohnhaus ander Anne-Frank-Straße. Handwerker begannen am Montagvormittag, die bei der Sprengung zerstörte Haustür zu reparieren. Foto: Martin Borck

Spezialkräfte der Polizei Münster haben sich gegen 6.30 Uhr am Montagmorgen an der Anne-Frank-Straße gewaltsam Zugang zu einem Wohnhaus verschafft. Wie die Generalstaatsanwaltschaft Hamm auf Anfrage mitteilte, wurde im Zuge der Polizeiaktion ein 25-jähriger Niederländer widerstandslos festgenommen. Zudem wurde die Wohnung nach Beweismitteln und Vermögenswerten durchsucht. Hintergrund des Einsatzes und der Festnahme sei ein Auslieferungsersuchen niederländischer Ermittler. Für solche Verfahren sei grundsätzlich die Generalstaatsanwaltschaft zuständig, wie Oberstaatsanwalt Tim Engel , Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft Hamm, im Gespräch mit der WN-Redaktion erläuterte. Das Festnahmeersuchen der niederländischen Behörden – ein sogenannter „Europäischer Haftbefehl“ – ist datiert auf den 24. Oktober. Dem 25-jährigen Verdächtigen wird versuchter Mord in zwei Fällen und Anstiftung zum Totschlag vorgeworfen, so Engel weiter.

Gemeinsam mit seinem Bruder soll er am 9. April 2016 zwei Männer in einem Pkw verfolgt und im Rahmen einer „Rache-Aktion“ mit einer Schusswaffe auf diese geschossen haben. Dabei wurden die beiden niederländischen Angaben zufolge verletzt. Die beiden sollen, so Engel weiter, zuvor den jetzt Festgenommenen und seinen Bruder schwer misshandelt haben. Darüber hinaus werfen die niederländischen Behörden dem 25-Jährigen vor, gemeinsam mit seinem Bruder einem Dritten den Auftrag erteilt zu haben, eine weitere Person zu töten und diesem dafür eine Schusswaffe übergeben zu haben.

Oberstaatsanwalt Engel bestätigte im Gespräch, dass in der Wohnung am Montagmorgen weitere Personen angetroffen worden seien. „Die sind aber nicht Gegenstand des Verfahrens“, so Engel. Insofern habe es keine Gründe für ihre Festnahme gegeben. Auf einen islamistischen Hintergrund gebe es in dem Europäischen Haftbefehl gegen den 25-Jährigen keine Hinweise, so Engel.

Hintergrund der Festnahmen

Neben der Festnahme eines 25-jährigen Niederländers in Gronau gab es am Montag auch im niederländischen Zwolle Verhaftungen. Unter anderem klickten dort bei dem 26-jährigen Bruder des in Gronau Inhaftierten die Handschellen. Die niederländische Polizei macht die Brüder nicht nur für versuchten zweifachen Mord und versuchten Totschlag im Jahr 2016 verantwortlich, sondern auch für aktuelle Gewalttaten in Zwolle. Vor diesem Hintergrund wurde eine weitere Eskalation der Gewalt in der Stadt befürchtet, berichtet der Twentsche Courant Tubantia.Zwei der jüngsten Zwischenfälle fanden in einem Wohngebiet in Zwolle statt, einer davon am 22. September. Dabei wurde der jetzt festgenommene 26-Jährige mit einer automatischen Waffe beschossen und leicht verletzt. Diese Vorgänge sorgten für große Unruhe in dem Quartier.Die Brüder sind laut Tubantia in Zwolle keine Unbekannten. Vor einigen Jahren soll der 26-Jährige verdächtigt worden sein, seinen eigenen Imbiss in die Luft gesprengt zu haben.Bei einem weiteren Polizeieinsatz in Zwolle sollen laut Tubantia am Montag ein Mann (50) und eine Frau (48) festgenommen worden sein. Bei ihnen wurden Waffen sichergestellt. Jetzt soll untersucht werden, ob die vorgefundenen Waffen bei einer der Gewalttaten eingesetzt worden sind.

...

Auch zu möglicherweise am Montagmorgen gleichzeitig mit dem Polizeieinsatz in Gronau erfolgten Festnahmen in den Niederlanden habe er keine „unmittelbaren Informationen“. Engel schloss Polizeiaktionen in den Niederlanden aber nicht aus, weil es mit den zuständigen Stellen dort zeitliche Abstimmungen über den Zugriff in Gronau gegeben habe.

Der 25-Jährige Tatverdächtige wurde nach der Festnahme am frühen Morgen dem Amtsgericht Gronau vorgeführt, das eine sogenannte Festhalteanordnung nach dem Gesetz über die Internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRG) erlassen hat.

Oberstaatsanwalt Engel: „Im weiteren Verfahren werden die Generalstaatsanwaltschaft Hamm und der zuständige Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm die Voraussetzungen für den Erlass eines Auslieferungs-haftbefehls und die Zulässigkeit der Auslieferung des Verdächtigen an die Niederlande prüfen. Zur voraussichtlichen Dauer dieses Verfahrens können derzeit noch keine Angaben gemacht werden.“

An der Anne-Frank-Straße sorgte der Vorgang am frühen Morgen derweil für Gesprächsstoff: „In der Straße ist alles in heller Aufregung“, so eine Nachbarin, die durch den enormen Knall geweckt wurde. Ihren Worten zufolge waren vier Menschen – aus den Niederlanden kommend – in das Haus gezogen: „Zwei Männer, eine Frau, die mit einer Burka herumlief, und ein Kind. Ich hatte immer schon ein komisches Gefühl bei den Leuten.“ So hätte ein Gärtner, den die Bewohner beschäftigt hätten, nicht in deren Wohnhaus auf die Toilette gedurft. „Er hat bei Nachbarn klingeln müssen.“

Die Anliegerin berichtet von einer Aktion, bei der Männer in Windeseile die Reifen an einem Auto gewechselt hätte. Seit die vier dort wohnten, seien häufiger Polizeistreifen an dem Haus am Ende der Sackgasse vorbeigefahren.

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