Feuerwerkskatastrophe Enschede
Whistleblower zeigt niederländischen Staat an

Enschede -

Die Aufarbeitung der Ursachen für die Feuerwerkskatastrophe von Enschede findet noch kein Ende: Whistleblower Paul van Buitenen hat am Montag Anzeige gegen den niederländischen Staat und die Stadt Enschede erstattet. Sein Vorwurf lautet: Unterminierung des Rechtsstaats.

Montag, 28.10.2019, 19:15 Uhr aktualisiert: 28.10.2019, 19:18 Uhr
Die Explosion am 13. Mai 2000 hinterließ einen Krater, der heute noch zu sehen ist.
Die Explosion am 13. Mai 2000 hinterließ einen Krater, der heute noch zu sehen ist. Foto: dpa

In seinen Augen tragen die Behörden nicht nur Schuld an der Katastrophe; vielmehr sollen sie danach auch das eigene Versagen vertuscht haben. Dadurch seien die Falschen bestraft worden. Das berichtet der Twentsche Courant Tubantia. Van Buitenen erstattet die Anzeigen gemeinsam mit dem ehemaligen Direktor der explodierten Feuerwerksfabrik S.E Fireworks, Rudi Bakker , dem ehemaligen Kriminalpolizisten Jan Paalman sowie Mathilde van der Molen. Ihr Ehemann war einer der vier Feuerwehrleute, die bei der Katastrophe ums Leben kamen. Insgesamt starben 23 Menschen.

Van Buitenen wirft den Behörden und einer großen Zahl Beamter unter anderem Totschlag, Meineid, Falschaussage und Irreführung der Justiz vor. „Das Ganze ist so umfangreich, dass ich es als Unterminierung des Rechtsstaats umschreibe“, so Van Buitenen. Er nennt in der Anzeige rund 100 Personen, die ihm zufolge vor, während und nach der Katastrophe eine negative Rolle gespielt haben, an erster Stelle den damaligen Justizminister Piet Hein Donner, aber auch den damaligen Bürgermeister von Enschede, Polizisten und Mitarbeiter der staatlichen Ermittlungsbehörden sowie der (General-) Staatsanwaltschaft.

Der Niederländer Paul van Buitenen ist einer der bekanntesten Whistleblower in Europa. Er hatte in mehrjähriger Arbeit einen Bericht über die Katastrophe zusammengestellt. Darin zweifelt er die offiziellen Untersuchungsergebnisse zu der Katastrophe vom 13. Mai 2000 an. Ziel der damaligen Untersuchungen sei es gewesen, die Behörden aus der Schusslinie zu bringen und die Schuld auf die Chefs der explodierten Feuerwerksfirma und/oder einen Brandstifter abzuwälzen. Der niederländische Untersuchungsrat für Sicherheit lehnte es aber im Mai dieses Jahres ab, sich erneut mit der Katastrophe zu befassen. Die Ereignisse seien zu lange her, als dass Van Buitenens Bericht noch adäquat beurteilt werden könne. 

Nach dem Unglück waren die beiden Direktoren von S.E. Fireworks zu einem Jahr Haft und einer Geldstrafe verurteilt worden. In erster Instanz wurde ein junger Mann zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er soll das Feuer gelegt haben, das zu den gigantischen Explosionen führte. André de V. wurde aber im Berufungsverfahren freigesprochen.

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