Drio: Pressekonferenz und Ratsdebatte
„Ich habe mit vielem gerechnet, aber damit nicht“

Gronau -

Auch 24 Stunden nach der Nachricht vom „Aus“ der Drio-Planungen liegt das unerwartete Ende dieses Projektes bleiern über Politik und Verwaltung. Im Rat ist die Stimmung am Mittwochabend gedämpft. „Das ist für die Stadt ein bitterer Tag“, so Bürgermeister Rainer Doetkotte zu Beginn der Sitzung.

Mittwoch, 30.10.2019, 20:33 Uhr aktualisiert: 31.10.2019, 09:38 Uhr
In einer Pressekonferenz vor der Ratssitzung gingen die Investoren noch einmal auf Gründe für das Drio-Scheitern ein.
In einer Pressekonferenz vor der Ratssitzung gingen die Investoren noch einmal auf Gründe für das Drio-Scheitern ein. Foto: Klaus Wiedau

Auch 24 Stunden nach der Nachricht vom „Aus“ der Drio-Planungen liegt das unerwartete Ende dieses Projektes bleiern über Politik und Verwaltung. Im Rat ist die Stimmung am Abend gedämpft. „Das ist für die Stadt ein bitterer Tag“, so so Bürgermeister Rainer Doetkotte zu Beginn der Sitzung. „Ich habe mit vielem gerechnet, aber damit nicht“, macht er zuvor in einer Pressekonferenz deutlich, in der die Investoren der Hoff & List Objekt Drio GmbH – wie auch eine Stunde später im Rat – noch einmal darlegen, was zum scheitern geführt hat.

„Wir haben lange geglaubt, die Mieter binden zu können“, sagt Sebastian Grochowiak (List), dann aber sei der Punkt gekommen, an dem man die Reißleine habe ziehen müssen. Geschuldet sei das der allgemein schwierigen und in Gronau besonders schwierigen Marktlage. Das Projekt sei „mit mehr Herzblut angegangen worden, als andere Projekte und Vorhaben in anderen Städten“. Grochowiak: „Wir sind sogar noch Angeboten nachgegangen, die man anderswo längst verworfen hätte.“

Bis in den Oktober hinein seien intensive Gespräch geführt mit Mietern geführt worden, betont auch Ingo Hoff (Hoff und Partner). Bis dahin habe es immer noch Hoffnung gegeben. Obwohl den Investoren von potenziellen Mietern auch teilweise „unanständige Angebote“ gemacht worden seien. Vor diesem Hintergrund sei am Ende der Ausstieg die „einzig sinnige Entscheidung“ gewesen.

Auf Nachfrage in der Pressekonferenz räumen Stadt und Investoren auch mit dem Gerücht auf, dass die bisherigen Kosten für das Projekt im wesentlichen bei der Stadt hängenbleiben. „Den Löwenanteil hat bisher der Investor getragen“, so Stadtbaurat Ralf Groß-Holtick. Hoff spricht in diesem Zusammenhang von Beträgen, die „locker im sechsstelligen Bereich und nicht mit einer Eins vorne“ liegen. Das sei aber, ebenso wie ein mögliches Scheitern, „das Risiko einer Projektentwicklung.“

Der Bürgermeister richtet im Rat wie in der Pressekonferenz den Blick auch in die Zukunft. „Wir nehmen die veränderten Rahmenbedingungen an“, so Doetkotte. Er sieht die Innenstadtentwicklung nach dem Drio-Aus „nicht am Nullpunkt“. Viele andere – inzwischen auf den Weg gebrachte – Entwicklungen in der Innenstadt gelte es jetzt weiter voranzutreiben. Etwa die Erneuerung der Freiflächen, mit deren ersten Bauabschnitt kurzfristig begonnen werde. „Wir müssen jetzt einen Magneten der neuen Art kreieren“, so Doetkotte, der Stichworte wie Dienstleistung, Wohnen oder Ansiedlung von StartUps nennt.

Im Rat sind später am Abend die Reaktionen der Fraktionen unterschiedlich – die Bandbreite reicht von Kritik an den Investoren (Udo Buchholz, GAL) bis hin zu Schelte für die Gestaltungsmehrheit und ihr Festhalten an Drio (Norbert Ricking, SPD) bis hin zu konkreten Handlungsempfehlungen für die nächsten Schritte (Erich Schwartze, FDP). Auch Herbert Krause (Pro Bürgerschaft/Piraten) kritisiert die Gestaltungsmehrheit, die nicht auf Vorschläge aus den anderen Fraktionen gehört habe.

Nach knapp zweistündiger Debatte beschließt der Rat am Ende, das Thema in einer der November-Ratssitzungen weiter zu diskutieren. Die Verwaltung soll bis dahin Vorschläge für eine rasche Revitalisierung des Hertie-Areals machen. Dabei dürfe es keine Denkverbote geben, eingebunden werden in den Prozess sollen neben der Stadt auch Töchtergesellschaften und die Bürger. Auch Ideen für eine kurzfristige Zwischennutzung sollen, so der Antrag von Stephan Strestik (Piraten), einbezogen werden.

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