Mitternachtsmagier Dr. Knut Knackstedt lotet Grenzen des Lebens aus
Empathie weit über den Tod hinaus

Gronau -

Am Ende geht es der letzten weißen Rose an den Kragen: Mit einem Scherenschnitt köpft Dr. Knut Knackstedt um Mitternacht die Blume, die in einer Vase neben dem Porträt einer verflossenen Freundin steht. „Hier auf der Bühne hab ich das Sagen“, erklärt er. „Und ich weiß, was ich tue.“‘

Samstag, 02.11.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 02.11.2019, 12:00 Uhr
Kleiner Exkurs zum Thema Handlesen: Dr. Knut Knackstedt mit Bühnengast „Sascha“.
Kleiner Exkurs zum Thema Handlesen: Dr. Knut Knackstedt mit Bühnengast „Sascha“. Foto: Christiane Nitsche

Der markige Abgang verfehlt seine Wirkung nicht. Schließlich ging es während der letzten beiden Stunden um Empathie – ein zutiefst menschliches Gefühl. „Das Alleinstellungsmerkmal des Homo Sapiens“, wie der „Mitternachtsmagier“ zu Beginn erklärt.

Die meisten im Saal des Studios in der Brücke kennen das stets mit dem Okkulten mal spielende, mal verhandelnde Konzept, mit dem der Gronauer alljährlich an Halloween das Staunen und Gruseln lehrt. Es ist die 15. Show, „ein kleines Jubiläum“, meint Knackstedt .

Dabei gehen ihm die Ideen offenbar nicht aus. Mal lässt er zwei Kandidaten aus dem Publikum aus der Intuition heraus die Reihenfolge der Kugeln eines historischen Duells in St. Petersburg erahnen. Mal ist es das Publikum, das den Charakter eines Bühnengastes spontan benennen darf – nur um die Charakterisierung von Markus als „gelassen, bodenständig und bescheiden“ durch die von ihm selbst gezogene Tarot-Karte zu bestätigen.

Dass die Magie nicht ohne erklärbare Tricks auskommt – man ahnt es. Aber die Frage aller Fragen bei Könnern ihres Faches bleibt: „Wie macht er das bloß?“ Eine der wenigen Zuschauerinnen, die zum ersten Mal da ist, mag nicht glauben, dass das alles ohne den Hauch von Magie auskommt. „Ich glaube ja, dass es das gibt: Schwingungen“, sagt sie in der Pause nachdenklich.

Der Magier selbst lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass es hier um mehr geht. „Ihr strahlt“, sagt er. „Ihr merkt es nur nicht.“ Und so, wie Markus seine unsichtbare Kraft dem Publikum vermittelte, gebe es auch die Schattenseite der Empathie – „die kalte Empathie“.

Der „scheinbaren Nettigkeit“ von Serienmördern, den zahllosen Ängsten, die Menschen besetzen können, aber auch den Grenzen des Lebens gilt die letzte Stunde „Samhains“, des keltischen Ursprungs von Halloweens. Mittels einer riesenhaften Stimmgabel aus Kristall lässt Knackstedt eine Kandidatin den Urton des Lebens, die „Om“-Frequenz 136,10 Herz spüren und somit unter vier Rosen die eine finden, die tot – und rot – ist. Die drei weißen mögen stellvertretend stehen für die drei Verstorbenen, denen er den Abend widmet. Knackstedt: „Wenn ein Leben wie ein Funke oder eine Flamme ist, wird es doch leuchten, auch wenn es vergangen ist.“ So wie die weiße Rose, deren Blüte um Mitternacht am Boden liegt.

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