Prozess in Almelo gegen Bruderpaar
Angeklagter bestreitet, Friseur in Brand gesteckt zu haben

Almelo -

Der unter anderem wegen Mordversuchs angeklagte Henri W. (38) bestreitet, im Februar 2017 in Enschede einen Mann mit brennbarer Flüssigkeit besprüht und angezündet zu haben. Das sagte W. am Montag während des zweiten Tages der Hauptverhandlung in Almelo. Dort stehen W. und dessen Bruder Maurits R. (25) vor Gericht.

Dienstag, 05.11.2019, 10:46 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 10:50 Uhr
Prozess in Almelo gegen Bruderpaar: Angeklagter bestreitet, Friseur in Brand gesteckt zu haben
Im Gerichtsgebäude in Almelo findet der Prozess statt. Foto: Martin Borck

Das Opfer des Anschlags, ein Friseur, erlitt bei dem Überfall Brandverletzungen ersten bis dritten Grades. Zwölf Prozent seiner Haut waren betroffen, berichtet der Twentsche Courant Tubantia. W. wird zudem vorgeworfen, eine AK 47, ein Sturmgewehr, beschafft zu haben, mit dem ein Anschlag auf einen Treffpunkt des Outlaw-Motorradclubs Satudarah in Enschede verübt werden sollte. Grund: Satudarah-Mitglieder sollen belastende Informationen gegen zwei Auftragskiller haben, die für den in Deutschland inhaftierten „Paten von Twente“ Simo D. arbeiteten.

Außerdem soll W. einen Mann niedergeschossen haben. Das Opfer wurde von mehreren Schüssen getroffen und lebensgefährlich verletzt, überlebte den Anschlag aber.

Der Friseur U. arbeitete am 2. Februar 2017 gegen 18.30 Uhr in seinem Salon, als jemand in seinen Laden stürmte, ihn aus einer Flasche mit Benzin besprühte und in Brand steckte. Einem anwesenden Freund U.s gelang es, die Flammen zu löschen. Glücklicherweise stand ein Eimer Wasser in der Nähe. Der Freund half U. auch dabei, seinen brennenden Pullover auszuziehen.

Zeugen bemerkten zum Tatzeitpunkt einen in Moordrecht gestohlenen Seat Ibiza Cupra, der später in Hengelo ausgebrannt sichergestellt wurde. Erkenntnissen der Kriminalpolizei zufolge hatte ein gewisser Cor P. diesen Wagen besorgt. Der Staatsanwaltschaft zufolge ist dieser Cor P. einer der Auftragskiller von Simo D..

Besonders tragisch: Der in Brand gesteckte U. war der Falsche. Eigentlich – so die Erkenntnisse der Ermittler – war der Friseur S. das Ziel des Anschlags, der Vorbesitzer des Salons, den U. sechs Wochen zuvor übernommen hatte. S. hatte offenbar den Zorn des „Paten“ Simo D. auf sich gezogen, weil er ein sexuelles Verhältnis mit D.s Frau gehabt haben soll. Darum habe S. leiden sollen.

Der Angeklagte W. bestritt vor Gericht, den Friseur angezündet zu haben. Ansonsten berief er sich auf sein Recht zu schweigen. Er sagte auch nichts über eine eventuelle sonstige Beteiligung an dem Vorfall. W. wird aber durch Aussagen eines Kronzeugen belastet.

Der Anwalt des schwer verletzten Friseurs sagte, dass die Zukunft seines Mandanten durch das Attentat zerstört worden sei. Gesicht, Arme und ein großer Teil des Rückens sind verletzt. U. sei traumatisiert. Der Anwalt forderte Schmerzensgeld in Höhe von 30 000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Simo D. auch den Auftrag gegeben hat, den Bruder des Friseurs S. zu ermorden, des eigentlichen Anschlagopfers. Der wurde im Mai 2017 in Gronau unter Beschuss genommen. Maurits R., der wegen dieser Tat angeklagt ist, bestritt das in der vergangenen Woche (wir berichteten). Der Prozess wird fortgesetzt.

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