Mordkommission ermittelt nach Schüssen auf der Losserstraße
Anschlag auf Anwalt

Gronau -

Auf der Losserstraße ist am frühen Mittwochmorgen ein 43-jähriger Mann durch einen oder mehrere Schüsse verletzt worden. Das Opfer wurde nach der notärztlichen Behandlung am Tatort in ein Krankenhaus gebracht. Die Täter sind auf der Flucht.

Mittwoch, 06.11.2019, 09:32 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 18:26 Uhr
Der angeschossene Mann wird am Tatort versorgt und anschließend mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht.
Der angeschossene Mann wird am Tatort versorgt und anschließend mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. Foto: Klaus Wiedau

„Die Hintergründe des Angriffs sind zurzeit noch unbekannt, uns liegen aber Anhaltspunkte dafür vor, dass auf den Gronauer gezielt geschossen wurde“, erklärte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Mittag. Beim Polizeipräsidium Münster wurde eine Mordkommission unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Thomas Götze eingerichtet. „Die Fahndungsmaßnahmen laufen auf Hochtouren. Zurzeit werden Zeugen befragt und Spuren gesichert“, erläuterte Götze die weitere polizeiliche Vorgehensweise.

Bei dem Opfer soll es sich niederländischen Medienangaben zufolge um einen niederländischen Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter. Der Twentsche Courant Tubantia beruft sich auf glaubwürdige Quellen (siehe unten). Der Anwalt soll eine Zeit lang Personenschutz erhalten haben. Diese Angaben wollte Botzenhardt gegenüber den WN nicht bestätigen.

Die intensiven Fahndungsmaßnahmen der Polizei laufen, eingebunden sind auch die umliegenden deutschen und niederländischen Polizeibehörden. Vom Tatort flüchtig ist ein weißer Kleinwagen mit niederländischen Kennzeichen. In dem Pkw saßen mehrere Personen, möglicherweise zumindest teilweise südländischer Herkunft. Wer Hinweise zu dem Pkw geben oder sonstige Angaben machen kann, wird gebeten, sich sofort über den Polizeiruf 110 zu melden.

„Es war kurz nach acht, da hat es laut geknallt – und wie“, sagt eine Frau, die unweit des Tatortes wohnt. Ob sie einen oder mehrere Schüsse gehört hat, kann die 81-Jährige nicht sagen: „Ich hab gedacht, die sind hier auf der Jagd“, fügt sie hinzu. Die Aufregung ist ihr anzumerken, obwohl sie nicht selbst betroffen ist. „Mein Herz!“, sagt sie. Dann geht sie weiter.

Das Opfer liegt zu diesem Zeitpunkt – es ist 8.25 Uhr – auf einem Grünstreifen an der anderen Straßenseite vor einem Haus. Ein Notarzt und vier Rettungskräfte kümmern sich um den Mann, dessen linkes Bein blutet. Immer wieder sind Schmerzensschreie zu hören. Direkt daneben stehen mehrere Menschen, sprechen mit Polizeibeamten. Ein Mann hält einen großen Hund an dessen Halsband fest. Das Tier reagiert auf die Schmerzensschreie des Opfers. Später kommen Polizeibeamte mit einer Leine, bringen das Tier weg.

Im Einmündungsbereich Losserstraße/Kurfürstenstraße stehen mehrere Bauarbeiter. Haben sie etwas gesehen? Gesehen nicht, aber gehört. „Mehrere Schüsse“, sagt einer der Männer. Und Schreie von einem Mann haben sie gehört. Ein Kollege erinnert sich genau: „Es waren vier Schüsse.“ Danach hat er einen weißen Wagen in Richtung Innenstadt fahren sehen. Schnell? „Nee, ganz normal.“ Ob eine oder mehrere Personen im Wagen saßen, kann er nicht sagen.

20 Minuten später ist der Tatort an der Losserstraße weiträumig abgesperrt. Zwischen Königstraße und Dr.-Jan-Straße ruht der Verkehr. Mehr als sieben Polizeiwagen sind inzwischen vor Ort, auch ein erstes Team der Kriminalpolizei macht sich ein Bild von der Lage. Minuten später wird der eigentliche Tatort mit Flatterband abgesperrt.

Die Bauarbeiter wollen wissen, ob sie ihre Transportfahrten über die Losser­straße wieder aufnehmen können. Ein Polizeibeamter erklärt, dass sie das mit einem Kollegen an der Absperrung regeln sollen. Denn: Am Tatort wird in den nächsten Stunden das große Rad gedreht, so der Polizei: „Wenn nicht in einem solchen Fall, wann dann?“

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