Bert Woudstra berichtete vom Überleben während der deutschen Besatzung
Die Kindheit endete jäh

Epe -

Viele verschiedene Stimmen verschaffen der „Woche der Erinnerung“ in diesem Jahr besonderes Gehör. Nach dem Konzert „Anne Frank: A Living Voice“ am Samstag sprach am Dienstag Bert Woudstra mit überaus lebendiger Stimme. Er erzählte davon, wie er während der deutschen Besatzung der Niederlande in den unterschiedlichsten Verstecken überlebte.

Donnerstag, 07.11.2019, 07:30 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 07:40 Uhr
Gebannt verfolgten die Besucher im Pfarrhof St. Agatha den Worten von Bert Woudstra. Er zeigte auch sein Buch „De Baard van Daantje“, das einzige, das er in seinen Verstecken immer dabei hatte.         
Gebannt verfolgten die Besucher im Pfarrhof St. Agatha den Worten von Bert Woudstra. Er zeigte auch sein Buch „De Baard van Daantje“, das einzige, das er in seinen Verstecken immer dabei hatte.          Foto: Sigrid Winkler-Borck

Geboren worden ist Woudstra 1932 als Kind vollständig integrierter jüdischer Geschäftsleute in Enschede. Seine schöne Kindheit endete jedoch mit der Besatzung 1940. „Überall war alles nun für Juden verboten. Wir mussten den Judenstern tragen, durften nicht mehr in den Park, ins Schwimmbad oder ins Kino. Und dann musste ich auch mein schönes, neues Fahrrad abgeben und dazu noch 50 Cent bezahlen, weil das Rücklicht kaputt war“, spricht er über für ihn als Kind Unbegreifliches.

  Foto: Sigrid Winkler-Borck

Als im September 1941 über 100 Männer aus Twente als Vergeltungsaktion für durchgeschnittene Telefonkabel nach Mauthausen gebracht wurden, war auch Woudstras Vater darunter. Kurze Zeit später erreichte die Nachricht vom Tod des Vaters die Familie. Die Mutter beschloss unterzutauchen. Pastor Leendert Overduin half dabei, ein erstes Versteck zu finden.

Viele weitere Verstecke – insgesamt 13 – mussten im Laufe der Zeit gefunden und teilweise ganz plötzlich wieder verlassen werden. Ob Sommerhaus in Buurse, Hof in Boekelo oder Verstecke in der Nähe von Deventer, Zutphen oder Zwolle – immer war er auf die Hilfe von Menschen angewiesen, die sich selbst damit in Lebensgefahr brachten, wie er betonte. „Es waren immer sehr liebe Menschen, bei denen ich unterkommen konnte. Aber häufig war ich auch sehr allein“, so Woudstra, dessen Mutter zeitweise woanders Unterschlupf gefunden hatte. Bei einem wieder einmal ganz schnellen Aufbruch legte ihm der Arzt, der ihm immer wieder geholfen hat, einen jodgetränkten Kopfverband an, um ihn als angeblich schwer verletztes Kind durch Kontrollen zu bringen.

Angst war Bert Woudstras ständiger Begleiter. Einige Tage musste er zusammen mit seiner Mutter sogar in einem im Gebüsch versteckten Auto verbringen, weil die Lage auch für die Helfer so gefährlich war.

Allen, die zu seinem Überleben beigetragen haben, kann er nicht genug danken und hält zu deren Nachkommen noch Kontakt. Viele seiner Angehörigen sind jedoch im Holocaust gestorben. Nach dem Krieg, so Woud­stra, habe er wieder Pfadfinder sein können und das habe ihm das Leben gerettet. Wirklich aufarbeiten konnte er sein Trauma aber erst viele Jahre später in einer Therapie. „Jetzt kann ich gut über die Zeit in den Verstecken sprechen“, sagt er. Es ist ihm sogar ein wichtiges Anliegen über diese Zeit zu reden. Darum besucht er auch immer wieder Schulen im weiten Umkreis, um von seinem schwierigen Überleben zu erzählen und für Toleranz zu plädieren. „Jeder Mensch ist gleich“, ist seine feste Überzeugung, „und seine Mitmenschen muss man akzeptieren und respektieren.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7047181?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Mehr Glanz für die Promenade
Münsters grünes Glanzstück, die Promenade, soll nach einer umfassenden Bestandsaufnahme komplett saniert werden. Dafür will die Stadtverwaltung im kommenden Jahr ein Gesamtkonzept vorstellen.
Nachrichten-Ticker