Verfolgungsjagd auf B 54
Nach Flucht vor Zoll: Anklage wegen versuchten Mordes

Gronau -

Der Mann war wie ein Aal: Erst entwischte er bei einer Zollkontrolle. Bei seiner Flucht gefährdete er unter anderem eine ihn verfolgende Zollbeamtin. Schließlich wurde er festgenommen. In der folgenden Nacht gelang ihm die Flucht aus der Gronauer Polizeiwache. Erst im Mai wurde er in Polen gefasst. Nun wirft ihm die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vor.

Freitag, 08.11.2019, 12:27 Uhr aktualisiert: 08.11.2019, 18:54 Uhr
Verfolgungsjagd auf B 54: Nach Flucht vor Zoll: Anklage wegen versuchten Mordes
Der gestohlene Kleinwagen, in dem der 49-Jährige flüchtete. Letztendlich fuhr er sich zwischen Leitplanken und einem Kleintransporter fest. Der Mann wurde festgenommen. Foto: Polizei

Die Staatsanwaltschaft Münster hat beim Landgericht Münster gegen einen 49-jährigen Mann Anklage unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Mordes erhoben. Der Mann war am 22. Januar dieses Jahres mit einem Pkw abgehauen, als ihn der Zoll auf der Bundesstraße 54 in Gronau kontrollieren wollte. Bei seiner Flucht drängte er den Wagen einer ihn verfolgenden Zollbeamtin ab. Nur durch ein scharfes Bremsmanöver war es ihr gelungen, einen Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Lastwagen zu verhindern. Nach Bewertung der Staatsanwaltschaft soll der Angeschuldigte in Kauf genommen haben, dass die Zollbeamtin bei einem Abdrängen in den Gegenverkehr hätte geraten und es dadurch zu einem Unfall mit möglicherweise tödlichen Folgen für die Beamtin hätte kommen können.

Der Mann wurde letztendlich festgenommen. Ihm gelang aber am frühen Morgen des Folgetages die Flucht aus der Gronauer Polizeiwache. Im Mai war der polnische Staatsbürger in Polen festgenommen und im September ausgeliefert worden.

Halsbrecherische Verfolgungsjagd 

Das Fahrzeug, in dem der Mann am 22. Januar unterwegs war, war nach den Ermittlungen zufolge in den Niederlanden kurz zuvor gestohlen worden. Der Angeschuldigte soll Kennzeichen der Stadt Frankfurt (Oder) angebracht haben. Mit dem Pkw fuhr er über die Grenze nach Gronau. Dort geriet er am ersten Parkplatz in die Zollkontrolle. Zunächst erweckte er den Eindruck, mitwirken zu wollen. Dann aber habe er sein Fahrzeug unvermittelt beschleunigt und sei wieder Richtung Münster auf die B 54 aufgefahren. Dabei soll er deutlich schneller als 100 km/h gefahren sein und zeitweise auch die Gegenspur benutzt haben, so dass ihm entgegenkommende Fahrzeuge ausweichen mussten, um eine Kollision zu vermeiden.

Der verfolgenden Zollbeamtin gelang es zweimal, sich mit ihrem Dienstwagen links neben das Auto des Angeschuldigten zu setzen. In diesen Situationen soll der Mann bei einer Geschwindigkeit von vermutlich 120 km/h versucht haben, mit seinem Fahrzeug den Wagen der Beamtin zu rammen. Die Frau konnte einen Zusammenstoß nur dadurch vermeiden, dass sie ihr Fahrzeug stark abbremste; wäre ihr dies bei der letzten dieser Situationen nicht gelungen, wäre sie – so der Vorwurf in der Anklageschrift – von dem Angeschuldigten auf die Gegenfahrbahn gedrängt worden, auf der in diesem Moment ein Lastkraftwagen entgegenkam.

Auf Flucht festgefahren

Die Zollbeamtin ließ sich daraufhin zurückfallen, während der Angeschuldigte von der Bundesstraße 54 an einer Ausfahrt entgegen der zugelassenen Fahrtrichtung zunächst ab- und dann an derselben Auffahrt wieder Richtung Niederlande auffuhr, so die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. An einem vom Zoll zwischenzeitlich veranlassten Verkehrsstau an der Anschlussstelle Gronau-Epe versuchte der Angeschuldigte sodann, über den Standstreifen an einem stehenden Kleintransporter vorbeizufahren. Das scheiterte – der Wagen fuhr sich fest. Der Mann wurde festgenommen. Der Fahrer des Kleintransporters erlitt durch den Anstoß mit dem Pkw eine Gehirnerschütterung und eine Brustwirbelprellung.

Bei seiner Festnahme soll der Angeschuldigte in einem Rucksack einen Joint mit Marihuana mit sich geführt haben.

Nach Bewertung der Staatsanwaltschaft soll der Angeschuldigte bei seinem Fluchtversuch beabsichtigt haben, den Diebstahl des geführten Pkw, die Urkundenfälschung (Anbringen der Kennzeichen an dem Fahrzeug) und die unerlaubte Einfuhr der Betäubungsmittel zu verbergen.

So lautet die Anklage

Neben dem versuchten Mord wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeschuldigten versuchte gefährliche Körperverletzung (zum Nachteil der Zollbeamtin und des unbekannt gebliebenen Führers des entgegenkommenden Lkw), Urkundenfälschung, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Sachbeschädigung (an dem Kleintransporter), fahrlässige Körperverletzung (zum Nachteil des Fahrers des Kleintransporters) und unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln vor.

Der Angeschuldigte hat sich zu diesen Vorwürfen bislang nicht geäußert. Das Landgericht Münster hat über die Zulassung der Anklage zu entscheiden.

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