Bürgerbus-Treffen an der Bürgerhalle
Motto: „Ich bin ein Pkw“

Gronau -

Vertreter von 139 Bürgerbus-Vereinen aus ganz NRW kamen zu einem Treffen nach Gronau. Dort diskutierten sie unter anderem darüber, warum ihr Engagement noch leichter wäre, wenn ihre Busse Autos wären.

Montag, 11.11.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 11.11.2019, 18:32 Uhr
Dutzende Bürgerbusse standen vor der Bürgerhalle, während Bürgermeister Rainer Doetkotte die Delegierten nebenan im Wirtschaftszentrum begrüßte.
Dutzende Bürgerbusse standen vor der Bürgerhalle, während Bürgermeister Rainer Doetkotte die Delegierten nebenan im Wirtschaftszentrum begrüßte. Foto: Norbert Diekmann

Mehr als drei Dutzend Bürgerbusse aus ganz NRW standen auf dem Parkplatz an der Bürgerhalle. Am Rande ein Vorführfahrzeug eines Herstellers. Statt der farbigen Beschriftung mit Hinweisen auf örtliche Trägervereine und Sponsoren ein dezenter Aufdruck am barrierefreien Einstieg für die Fahrgäste: „Ich bin ein Pkw“. Mit diesem Werbespruch wurde auf das Hauptthema hingewiesen, das die Vertreter der 139 Bürgerbusvereine in NRW umtreibt und das deshalb auch ein Schwerpunkt der Jahreshauptversammlung von „Pro Bürgerbus NRW“ war.

Gastgebern war der Bürgerbusverein Gronau mit seinem Vorsitzenden Herbert Krause. Letzterer war nach der Begrüßung der 260 Gäste schon wieder als Gästeführer unterwegs, sodass er den Dank der folgenden Redner, nämlich Bürgermeister Rainer Doetkotte, Dr. Elisabeth Schwenzow vom Kreis Borken, die den Landrat vertrat, und des Vorsitzenden des Landesverbandes der Bürgerbusvereine, Franz Heckens aus Kevelaer, schon nicht mehr hören konnte.

In ihrer Rede erinnerte Dr. Schwenzow daran, dass die erste Bürgerbuslinie in Deutschland die 1985 zischen Heek und Legden nach niederländischem Vorbild eingerichtete Strecke war. Sie betonte die Förderung der Bürgerbusvereine durch den Kreis Borken. Von Delegierten war später zu erfahren, dass die örtliche Unterstützung durch Kommunen und Kreise durchaus unterschiedlich sein konnte, bis hin zur Ablehnung der Projekte als Arbeitsplatzvernichter bei den kommerziellen Unternehmen.

Was es mit dem Hinweis „Ich bin ein Pkw“ an dem erwähnten Fahrzeugmuster auf sich hat, thematisierte der Vorsitzende. Die ehrenamtlichen Fahrer der Bürgerbusse verfügen im Regelfall über den Pkw-Führerschein B. Der erlaubt nur, Autos mit einem Gewicht bis zu 3,5 Tonnen zu fahren. „Die neuen Fahrzeuge werden aber immer schwerer“, sei es durch Einbauten für die Barrierefreiheit für Gehbehinderte oder durch den Aufbau als Niederflurfahrzeuge. Der wünschenswerte Umstieg auf E-Mobiliät werde wegen der Batterien die Fahrzeuge noch schwerer machen, sodass die 3,5-Tonnen-Grenze nicht mehr einzuhalten sei. Gemeinsam mit den Schwesterorganisationen aus den anderen Bundesländern, die durch Gäste aus Baden-Württemberg vertreten waren, sei man bemüht, einen Ausweg zu finden. Es gehe um Ausnahmegenehmigungen für die einzelnen Fahrer oder um Regelungen für die Fahrzeuge. In der Politik sei das Problem noch nicht richtig angekommen. Auf eine Anfrage im NRW-Landtag sei die Antwort gegeben worden, dass es kein Problem gäbe, da nur eines der am Markt angebotenen Fahrzeugmodelle zu schwer sei. Demgegenüber stünden aber die zunehmenden Anforderungen an Barrierefreiheit und die wünschenswerte Umstellung auf E-Mobilität, betonte der Vorsitzende. Der Bürgerbusverein Spenge habe sich bereits an den Petitionsausschuss des Bundestages gewandt. Aus dem Kreis der Delegierten regte ein Teilnehmer an, über die gerade neu gewählten Europa-Abgeordneten einen Vorstoß zu unternehmen, da das EU-Recht die Grundlage für die 3,5-Tonnen-Grenze sei. Franz Heckens machte abschließend deutlich, dass es durchaus die Möglichkeit gäbe, mit einer gesetzlichen Regelung eine allgemeine Ausnahme für Bürgerbusse zu finden, ähnlich, wie sie im deutschen Verkehrsrecht für die Fahrer von Rettungsfahrzeugen gefunden worden sei, deren Fahrzeuge bis zu 4,25 t schwer sein dürfen.

Eine rege Diskussion gab es dann auch zu der von Johann Steinicke, Vorsitzender des Bürgerbus-Vereins Schüttorf-Ohne-Wettringen, vorgestellte App für die Bürgerbusse.

Eine Serie von Fragen zum Schluss der Veranstaltung an den Vorstand machte deutlich, wie wichtig der Dachverband für die örtlichen Initiativen sein kann, wenn es zum Beispiel in der Zusammenarbeit mit Behörden „hakt“. Und als Franz Heckens sich in seinem Schlußwort beim Gronauer Bürgerbus-Verein für die Organisation der Veranstaltung bedankte, war auch Herbert Krause von der Gästeführung zurück. So erreichte der Applaus der Gäste ihn und seine Mitstreiter doch noch.

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