Anti-Atom-Initiativen „entsetzt“
Abgereichertes UF6 geht schon seit 2016 wieder nach Russland

Gronau -

Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände reagieren entsetzt auf die Nachricht, dass die Gronauer Urananreicherungsfirma Urenco schon seit 2016 wieder abgereichertes Uranhexafluorid (UF6) nach Russland exportiert. Darüber hatte der WDR berichtet. Bislang waren nur Exporte ab Mai dieses Jahres bekannt. Es gebe starke Hinweise, dass hinter den jetzt bekannt gewordenen zusätzlichen Exporten aus Großbritannien in Wirklichkeit Kettenexporte aus Gronau stecken, so die Atomkraftgegner.

Montag, 11.11.2019, 19:28 Uhr aktualisiert: 11.11.2019, 19:30 Uhr
Erst vor zwei Wochen war ein Transport mit abgereichertem Uranhexafluorid an der Urananreicherungsanlage gestartet. Ziel: offenbar Russland.
Erst vor zwei Wochen war ein Transport mit abgereichertem Uranhexafluorid an der Urananreicherungsanlage gestartet. Ziel: offenbar Russland. Foto: Guido Kratzke

2017 hatte Urenco gegenüber den Westfälischen Nachrichten Gronau geäußert, dass insgesamt 12 700 Tonnen abgereichertes UF6 aus Gronau nach Südfrankreich zur Dekonversion in Uranoxid geliefert worden seien. Just in 2016 sei das Uranoxid aber von Frankreich zur britischen Urananreicherungsanlage Capenhurst „getauscht“ worden. Eine Erklärung dafür gab es nicht. Abgereichertes UF6 fällt bei der Urananreicherung als Abfallstoff an, in Gronau rund 5000 Tonnen pro Jahr. Zur sichereren Lagerung wird es in Uranoxid umgewandelt. Dafür wurde in Gronau 2014 eine Uranmüll-Lagerhalle eröffnet, die aber bislang leer steht.

Nun ergibt sich für die Atomkraftgegner eine völlig neue Sachlage: „Während die 12 700 Tonnen abgereichertes Uran aus Gronau 2016 effektiv nicht mehr zur Entsorgung zurückkamen, lagern in Russland nun 12 000 Tonnen mehr. Die britische Anlage Capenhurst wurde 2016 anscheinend als reine Mittlerstation genutzt, um den eigentlichen Export von Gronau zu verschleiern. Egal welche Uranfässer tatsächlich nach Russland gelangten, im Gesamtkonzern Urenco zählt nur die Gesamtbilanz“, heißt es.

„Besonders empört sind wir über das Verhalten von Urenco, den Urenco-Miteigentümern RWE und EON sowie des Bundesumweltministeriums. Trotz mehrfacher Nachfragen in Briefen, persönlichen Gesprächen und auf den Jahreshauptversammlungen wurden die neuen Exporte von Gronau via Capenhurst nach Russland und jetzt direkt nach Russland zwei Jahre lang verschwiegen. Das ist Vertuschung. Die Behauptung, es handele sich um „Wertstoff“, ist eine reine Schutzbehauptung, um einer strafrechtlichen Verfolgung in Deutschland und Russland zu entgehen,“ erklärte Peter Bastian vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Offensichtlich sei allen Beteiligten bei Urenco, bei RWE und im BMU die Brisanz der Russland-Verträge klar. Deshalb wurde versucht, diese so lange wie möglich geheim zu halten. Urenco und RWE seien nicht willens, ihren eigenen Atommüll in Deutschland sicher zu entsorgen und sie täuschen dafür die Öffentlichkeit.

Angesichts der neuen Sachlage weiten russische und deutsche Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände ihre Proteste gegen den Uranmüllexport aus. Eine russische Online-Petition von Greenpeace Russland an die Urenco-Miteigentümer RWE und EON sowie an den russischen Atomkonzern Rosatom und die Bundeskanzlerin wurde inzwischen mehr als 30 000 Mal unterzeichnet. Am Sonntag (17. November) findet um 13 Uhr eine Kundgebung vor der Urananreicherungsanlage in Gronau statt.

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