Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertags
Frieden ist ein hohes Privileg

Gronau -

Gleichermaßen im Zeichen des Erinnerns und des Blicks auf Gegenwart und Zukunft stand der Volkstrauertag am Sonntag. So sah Bürgermeister Rainer Doetkotte in seiner Ansprache Volkstrauertage „im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft.“ Sie erinnerten daran, so Doetkotte, „wie kostbar und verletzlich der Frieden in Europa ist“.

Sonntag, 17.11.2019, 20:00 Uhr
Bürgermeister Rainer Doetkotte legte gemeinsam mit Feuerwehrleuten einen Kranz nieder.
Bürgermeister Rainer Doetkotte legte gemeinsam mit Feuerwehrleuten einen Kranz nieder. Foto: Sigrid Winkler-Borck

Europa war auch das Thema von Luisa Tietz, Lara Biebrach und Maik Rehorst von der Jahrgangsstufe Q 2 des Werner-von-Siemens-Gymnasiums. In ihrem Vortrag „Die Antwort auf Krieg heißt Europa“ betonten sie, dass Europa und die EU mehr als eine Zweckgemeinschaft seien, sie gäben Ordnung und Halt.

Heute sei es in Europa normal, in Frieden und Freiheit zu leben, aber „Frieden ist ein hohes Privileg“, so die drei. Die Schülerinnen sehen, dass es in Europa bröckelt. Sie sehen nach wie vor den Krieg des Hasses, der Diskriminierung und der Ausgrenzung. Dabei habe die Geschichte gezeigt, dass Antisemitismus nicht die Lösung für Probleme sei. „Es liegt an uns, die Zukunft zu gestalten“, sagten sie und sprachen sich dafür aus, ohne Waffen für den Frieden zu kämpfen.

Pastoralreferentin Anne Grothe stellte ein Einzelschicksal in den Mittelpunkt ihrer Ansprache: Anne Frank, die in ihrem Tagebuch neben tiefer Verzweiflung auch immer wieder Optimismus äußerte. Grothe fragte: „Was hätte aus ihr werden können ohne Herrschsucht, Rassenwahn und Herrenmenschenansprüchen?“

Die Pastoralreferentin stellte aber auch mit Erschrecken fest: „Annes Vision von Ruhe und Frieden ist bis heute nicht wahr geworden“, und sie fragte weiter: „Wie soll da, wenn jeder nur sich selbst traut, wenn das Friedensprojekt Europa so gering geachtet wird, wenn nur die eigenen Vorteile zählen, wenn alles, was fremd ist, weniger wert sein soll, Frieden sein?“

Anhand seiner Familiengeschichte zeigte Harry Nijhuis , Beigeordneter der Gemeinde Losser, auf, dass die Grenze nicht nur Trennlinie, sondern auch Brücke sein kann. Nijhuis, mit Vorfahren aus der Schweiz und Deutschland, bezeichnete sich selbst als „Kind der Grenze“.

Auch wenn es früher eine physische Grenze gegeben habe, „für viele Menschen im Grenzraum war diese Trennlinie unsichtbar. In unserem Kopf gab es keine Grenze.“ Er wies aber auch darauf hin, dass es an beiden Seiten der Grenze durch den Krieg verursachtes Leid und Trauer gab. Und damit ein Denken in „Wir und Sie, in Gut und Böse“. Heute jedoch sei es gut, „dass wir auf beiden Seiten der Grenze Freude und Leid teilen.“

Auf das Leben in Gemeinschaft ging auch Abdulselam Gürbüz, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Gronau, ein. Er wies in seiner Rede darauf hin, dass wir im Hier und Heute alle gewissermaßen im selben Boot sitzen. „Wir müssen zusammenhalten, um den Untergang dieses Bootes zu verhindern. Wir sind dazu verpflichtet, in Frieden zu leben und ihn zu verbreiten.“ In seinem abschließenden sowohl an Allah als auch an Gott gerichteten Gebet sagte er: „Du hast uns als unterschiedliche Völker mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Herkünften erschaffen. Lasse uns trotz aller Unterschiede in Frieden miteinander weiterleben.“

Die Gedenkfeier zum Volkstrauertag wurde musikalisch vom fünfköpfigen Bläserensemble „Just Brass“ und dem Männerchor von 1877 umrahmt. Den Gang zum Ehrenmal und die Kranzniederlegung begleitete der Evangelische Posaunenchor von 1886.

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