Prozess gegen Brandstifter aus Gronau
Stimmen forderten zum Zündeln auf

Gronau -

Für sechs Brandstiftungen musste sich ein 23-jähriger Gronauer am Donnerstag vor dem Ahauser Schöffengericht verantworten. Diese datieren aus dem Zeitraum zwischen Januar 2015 und September vergangenen Jahres. Der Angeklagte war voll geständig. Er begründete seine Taten mit Stimmen in seinem Kopf, die ihn zum Zündeln gedrängt hätten, und frustrierenden Erlebnissen.

Donnerstag, 21.11.2019, 18:30 Uhr aktualisiert: 22.11.2019, 16:08 Uhr
Die letzte durch den 23-jährigen Gronauer verursachte Brandstiftung war am 16. September 2018. Damals brannte ein massiver Schuppen an der Enscheder Straße ab.
Die letzte durch den 23-jährigen Gronauer verursachte Brandstiftung war am 16. September 2018. Damals brannte ein massiver Schuppen an der Enscheder Straße ab. Foto: Klaus Wiedau

Fünf der Fälle ereigneten sich an der Enscheder Straße, einer an der Bränd­strömstraße. Der 23-Jährige hatte eine Hecke, einen Motorroller, eine Doppelstegplatte, eine Gartenbank aus Kunststoff, einen elektrischen Rasenmäher und einen Karton innerhalb eines nicht verschlossenen Schuppens angezündet. Beim letzten Brand wurde das Gebäude vollkommen zerstört. Die Polizei schätzte den Schaden im September 2018 auf etwa 50 000 Euro.

Die Stimmen haben immer wieder zu mir gesprochen: ‚Du musst was anzünden!‘

Der Angeklagte

Auf die Frage des Vorsitzenden nach dem Grund der gelegten Feuer erwiderte der Angeklagte: „Die Stimmen haben immer wieder zu mir gesprochen: ‚Du musst was anzünden!‘“ Er habe versucht, sich abzulenken, indem er beispielsweise um den Block lief. Doch irgendwann musste er dem Druck nachgeben. Nachdem das Feuer brannte, habe der 23-Jährige sich vom Tatort entfern und die Stimmen seien dann verstummt. Es blieb ein schlechtes und beschämendes Gefühl. Meist habe er sich dann ins Bett gelegt und sei eingeschlafen. Der Drang sei größer als das Unrechtsbewusstsein gewesen.

Mutter sagt als Zeugin aus

Die als Zeugin geladene Mutter sagte aus, dass die Kindheit, Jugend und Heranwachsendenzeit ihres Sohnes nicht einfach und er leicht reizbar gewesen sei. Der Gronauer werde seitdem psychiatrisch und psychologisch betreut sowie seit etwa einem Jahr wieder medikamentös behandelt. Es gab danach keine Vorfälle mehr.

Eine psychologische Gutachterin legte sein Verhaltensmuster vor dem Gericht dar. Sie bescheinigte ihm eine Besserung und Stabilisierung seines Verhaltens. Mit 18 habe der Angeklagte aus eigenem Willen eine medikamentöse Behandlung abgebrochen, in dessen Folge sich die vernommenen Stimmen verstärkt hätten.

Aufgrund Ihrer Krankheit sind sie ein Risiko für unsere Gesellschaft.

Der Vorsitzende Richter

Nach den „nachvollziehbaren und plastischen Ausführungen der Gutachterin“, so der Vorsitzende, lägen eine schizophrene Psychose und eine Persönlichkeitsstörung vor. Die Taten basierten auf psychischen und zum Teil motorischen Entwicklungsstörungen aus jungen Lebensjahren. Daher sei auch das Jugendstrafgesetz anzuwenden, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Er beantragte demnach einen Freispruch mit einer Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus auf Bewährung über vier Jahre.

Dem folgte das Schöffengericht. „Aufgrund Ihrer Krankheit sind Sie ein Risiko für unsere Gesellschaft und es sind weitere Taten erwartbar. Diese Gefahr ist aber momentan eingedämmt“, sagte der Vorsitzende. Er unterstrich daher die Wichtigkeit der Einhaltung der Auflagen – unter anderem das Fortführen der Therapien und der Medikation.

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