Heimatkundliche Vereine für Erhalt und Ergänzung historischer Substan
Künftig stadtgeschichtliches Zentrum am Rathausturm?

Gronau -

Der Heimatverein Gronau, der Heimatverein Epe und der Bürgerverein Dinkelaue befürworten Vorschläge von Bürgern, in Anlehnung an das historische Rathaus in der Bahnhofstraße dort die kulturgeschichtlichen Einrichtungen zu bündeln und baulich zu ergänzen. Das geht aus einer gemeinsam verfassten Pressemitteilung hervor.

Dienstag, 26.11.2019, 10:18 Uhr aktualisiert: 26.11.2019, 11:01 Uhr
Das Foto zeigt das ehemalige Gronauer Rathaus an der Bahnhofstraße. Das Bild entstand um 1910.
Das Foto zeigt das ehemalige Gronauer Rathaus an der Bahnhofstraße. Das Bild entstand um 1910. Foto: Sammlung Bohn

Der Heimatverein Gronau, der Heimatverein Epe und der Bürgerverein Dinkelaue befürworten Vorschläge von Bürgern, in Anlehnung an das historische Rathaus in der Bahnhofstraße dort die kulturgeschichtlichen Einrichtungen zu bündeln und baulich zu ergänzen. Das geht aus einer gemeinsam verfassten Pressemitteilung hervor. Die Grundlage für diese Forderung bildet ein Grundsatzbeschluss des Gronauer Rates vom November 2017. Der sieht die Prüfung der Möglichkeit vor, am Standort des historischen Rathauses einen Baukörper zu errichten, dessen Fassade sich am 1945 zerstörten Original orientieren soll.

Die heimatkundlich tätigen Vereine betonen die historische und die kulturelle Bedeutung dieses zentralen Standorts, von dem aus die Stadtwerdung Gronaus vor 120 Jahren realisiert wurde. Rat und Verwaltung hatten dort am Rathausturm im heute nur noch in Teilen vorhandenen Rathaus ihren Ursprung. Die derzeitige Nutzung des Gebäudes beinhaltet die Darstellung der Stadtgeschichte im Drilandmuseum , die Lagerung und Pflege des Archivguts aus der mittlerweile historischen Textilindustrie und die kulturelle Vermittlung der Gronauer Geschichte durch den Heimatverein.

Auch das Umfeld des ehemaligen Rathauses wurde in den vergangenen Jahrzehnten durch mehrere Projekte des Heimatvereins Gronau und des Bürgervereins Dinkelaue geprägt. Der früher als „Klein-Venedig“ bezeichnete Stauwinkel der Dinkel zwischen Kirche und Rathausturm beherbergt heute historische Mahlsteine, das Eingangsportal der alten evangelischen Kirche Teile des historischen Schlosstors und die auf die ehemalige Wolbers‘sche Wassermühle verweisende Bronzestatue eines Müllers.

Zusammen mit dem Heimatverein Epe hat sich ein vereinsübergreifender Arbeitskreis gebildet, der gemeinsam die Denkmal- und die Ortsbildpflege in beiden Stadtteilen fördern will. Aktuelle Arbeitsfelder sind die Gestaltungssatzung und das dazugehörige Handbuch für Epe, die Vorbereitung eines vergleichbaren Projektes für das Gronauer Zentrum sowie die Mitwirkung an der Standortgestaltung des historischen Rathauses an der Bahnhofstraße, heißt es in der Mitteilung weiter.

Für Letzteres entwickelte der Arbeitskreis mittlerweile konkrete Vorstellungen und Nutzungsperspektiven. Zudem verweist er auf finanzielle Fördermöglichkeiten, die bei einer entsprechenden kulturhistorischen Nutzung abgerufen werden können. Die Forderung: Die dort bereits vorhandenen Einrichtungen Drilandmuseum, das Archiv zur Geschichte der Gronauer Textilindustrie und Heimatverein Gronau durch das Stadtarchiv zu ergänzen.

Anstatt die gut erhaltenen Teilgebäude des historischen Rathauses zu beseitigen, soll ein sinnvoller baulicher „Lückenschluss“ zum Rathausturm, ergänzt durch die seit langem geforderte historische bzw. historisierende Fassade, den Raum für die Begegnung von Stadtgeschichte und moderner Verwaltung schaffen. Das verbindende Glied dazu ist ohnehin das Stadtarchiv, welches das aktuelle Archivgut der Verwaltung mit dem historischen vereint und so die Fortschreibung der städtischen Überlieferung, die ständige Erforschung und Ergänzung der Stadtgeschichte sichert.

Die Mitglieder des Arbeitskreises verweisen auf die unbefriedigende Unterbringung des Stadtarchivs, das derzeit nur über lange Treppenaufstiege erreichbar ist. Zudem befindet sich das Stadtarchiv in einem nicht mehr der Stadt gehörenden Gebäude, die Kommune muss daher erhebliche Mittel für seine Unterbringung bereitstellen. Ein Lückenschluss zum Rathausturm böte neuen Raum für Magazinräume. Über eine simultane Mitnutzung der vorhandenen Museumsräume könnten alle dortigen Bereiche sinnvoll ausgelastet werden, bei gleichzeitiger Einsparung von Mietkosten.

Ein erstes Gespräch zwischen Vertretern des Arbeitskreises und der Leitung der Gronauer Stadtverwaltung wurde bereits geführt, blieb aber ohne Ergebnisse. Insbesondere dem Wunsch nach Beteiligung und Einbindung der in den Vereinen vorhandenen Kompetenzen an der Gestaltung des historischen Standortes wurde bisher nicht entsprochen. Diese Beteiligung wird hingegen von den Fraktionsspitzen der im Gronauer Rat vorhandenen Parteien begrüßt, wie in einem Gespräch mit den Vereinsvertretern im Drilandmuseum festgestellt wurde.

Alle Vorschläge des Arbeitskreises würden nach Auffassung der Mitglieder dazu beitragen, dass das Quartier im vorderen Bereich der Bahnhofstraße durch eine authentische Gestaltung des alten Rathausviertels erheblich aufgewertet werden könnte. Die Vermittlung von Gronauer Geschichte und Identität sollte, wie es in Epe durch die Heimatstube an einem vergleichbaren Ort geleistet wird, an dieser Stelle stattfinden. Für die Heimatvereine Gronau und Epe wurden vor wenigen Jahren neue Nutzungsverträge in Kraft gesetzt, welche ausdrücklich eine langfristige und zukunftsorientierte Förderung der Angebote dieser Vereine an den entsprechenden Örtlichkeiten in der Keppel- und Bahnhofstraße beinhalten, heißt es in der Mitteilung abschließend.

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