Weitere Stolpersteine verlegt
Gegen das kollektive Vergessen

Gronau -

Nur wenige Wochen nachdem der Freundeskreis Alte Synagoge Epe eine Broschüre über die Stolpersteine in Gronau und Epe herausgegeben hat, ist eine erste Ergänzung erforderlich. Auf Einladung von Sahin Aydin vom kurdisch-deutschen Freundeskreis und der Gronauer SPD erinnert Gunter Demnig mit weiteren vier Stolpersteinen an Gronauer, die gegen die NS-Diktatur politischen Widerstand geleistet haben.

Montag, 16.12.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 16.12.2019, 11:48 Uhr
Rudolf Nacke überreichte Gunter Demnig (rechts) die Broschüre über die Stolpersteine in Gronau und Epe.
Rudolf Nacke überreichte Gunter Demnig (rechts) die Broschüre über die Stolpersteine in Gronau und Epe.

Die nach dem Zusammenschluss von Epe und Gronau 1975 erforderlich gewordene Straßenumbenennung der früheren Gronauer Oststraße hatte damals Ratsmitglied Heiner van den Bosch zum Anlass genommen, mit dem neuen Straßennamen Gudzentstraße an Albert Gudzent zu erinnern, der wegen seiner Widerstandsaktivitäten als SPD-Kurier zwischen den Niederlanden und dem Ruhrgebiet im KZ Flossenbürg ermordet wurde. Van den Bosch, der aus terminlichen Gründen an der Verlegung nicht teilnehmen konnte, ließ mitteilen, dass er die Stolperstein-Setzung sehr begrüße.

Neben Gudzent werden mit den neuen Stolpersteinen an Fritz Kunkel, Rudolf Gembkow und Georg Fischer erinnert, die als Widerstandskämpfer Verfolgung erleiden mussten (die WN berichteten).

Am Rande der Stolpersteinverlegung erwähnte Gunter Demnig , dessen Stolpersteine als größtes dezentrales Erinnerungsmal an die NS-Verbrechen gesehen werden kann, dass er noch in diesem Jahr in Memmingen den 75 000. Stolperstein verlegen werde. Von Gronau aus eilte Demnig nach Kalkar, wo er ebenfalls zur Verlegung von Stolpersteinen erwartet wurde.

Deshalb musste die nachmittägliche Veranstaltung im SPD-Büro an der Bahnhofstraße ohne ihn stattfinden. Dort dankte Aydin als Initiator der diesjährigen Aktion der SPD , vertreten durch Chris Breuer, für die gute Zusammenarbeit. Für die Stadt Gronau dankte Christian Post als stellvertretender Bürgermeister. Post berichtete vom kollektiven Vergessen, als er in seiner Schülerzeit versucht habe, Zeitzeugeninterviews zu machen. Das sei mittlerweile anders, die Perspektive habe sich geändert. Und dazu hätten auch die Stolpersteine beigetragen.

Chris Breuer führte an, dass die SPD in ihren Jubiläumsveröffentlichungen über Gudzent und Kunkel informiert hätten. Hans-Dieter Kunkel merkte dagegen an, dass das Interesse am Schicksal seines Vaters nicht immer besonders ausgeprägt gewesen sei.

Gerd Lippert, der sich als Stadtarchivar seit 2008 mit dem Stolperstein-Thema beschäftigt, als ein einstimmiger Ratsbeschluss den Anstoß gegeben hatte, ließ die bisherige Geschichte der Stolpersteine Revue passieren. Bislang erinnern 42 Stolpersteine an jüdische Gronauer und Eperaner, die in der NS-Zeit ermordet worden seien. Außerdem gebe es jetzt zehn Stolpersteine an Menschen, die wegen ihres politischen Widerstandes verfolgt wurden, zwei von diesen, Rudi Steffens und Gudzent wurden im KZ umgebracht. Gerd Lippert berichtete auch davon, dass Demnig in Greifswald die Erfahrung gemacht habe, dass Neonazis die dortigen zwölf Stolpersteine gestohlen und die Stadt zur stolpersteinfreien Zone erklärt hätten. Umgehend habe eine örtliche Initiative dafür gesorgt, dass schnellstmöglichst nicht nur diese entwendeten Steine ersetzt, sondern die doppelte Anzahl Steine verlegt werden konnte.

Die Veranstaltung im überfüllten Parteibüro fand ihren Abschluss durch einen Bericht von Steffen Smit, Lehrer der Gronauer Realschule, und den Schülern Lea Hackenberg, Soroush Saberi und Zain Shah über das Engagement der Schule als „Schule ohne Rassismus“. Sie berichteten von ihren Erfahrungen bei der Stolperstein-Putzaktion im Rahmen der Woche der Erinnerung und von den Fahrten zu den Emslandlagern, wo die Schüler bereits seit Jahrzehnten bei der Gräberpflege mithelfen. Und da schließe sich der Kreis, so Smit: An Georg Fischer, der im KZ Börgermoor inhaftiert war, erinnert jetzt ein Stolperstein.

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