Otto Lohle sieht Chancen
Gronaus Zukunft als Musikstadt

Gronau -

Eine Zukunft als Einkaufsstadt wird Gronau wohl nicht haben. Wie könnten die Alternativen aussehen, um die Stadt voranzubringen? Otto Lohle, seit wenigen Wochen pensionierter Mitarbeiter des Kulturbüros, hat da so einige Ideen.

Freitag, 03.01.2020, 09:57 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 17:09 Uhr
Die Einweihung der Udo-Statue auf dem Kreisel (r.) an der Ochtruper Straße – zu der auch die Nachtigall selbst gekommen war – lockte 2015 viele Fans nach Gronau. Jüngst setzte Helga Kock am Brink mit ihrer Gitarren-Skulptur auf dem Kreisel an der Enscheder Straße ein Zeichen in Sachen Musikstadt. Und der Rotary-Club Gronau-Euregio sponserte die Jazz-Skulptur, die auf dem Kreisverkehr Pfarrer-Reukes-/Zollstraße steht.
Die Einweihung der Udo-Statue auf dem Kreisel (r.) an der Ochtruper Straße – zu der auch die Nachtigall selbst gekommen war – lockte 2015 viele Fans nach Gronau. Jüngst setzte Helga Kock am Brink mit ihrer Gitarren-Skulptur auf dem Kreisel an der Enscheder Straße ein Zeichen in Sachen Musikstadt. Und der Rotary-Club Gronau-Euregio sponserte die Jazz-Skulptur, die auf dem Kreisverkehr Pfarrer-Reukes-/Zollstraße steht. Foto: dpa/Privat

Ein Einkaufsparadies wird aus Gronau wohl nicht mehr. Wie soll sich die Stadt nun aufstellen? Wie Profil gewinnen? Für Otto Lohle , der neben vielen anderen jahrzehntelang das kulturelle Leben in Gronau mit beeinflusst hat, liegt die Antwort auf der Hand: als Musikstadt. Und zwar als eine, die die Bezeichnung nicht nur im Namen trägt, sondern auch mit Leben erfüllt. „Ich sehe darin große Chancen.“

Wie stellt er sich das vor? „Die Basis für eine Musikstadt ist mit dem Jazzfest und dem Rock’n’Popmuseum längst gelegt.“ Gronau ist deutschlandweit zudem als Geburtsstadt von Udo Lindenberg bekannt, dessen Karriere vielleicht im Sande verlaufen wäre, hätte es nicht schon in den 1950er-Jahren eine schillernde Musikszene in der Stadt mit Bands und Combos gegeben, in der Udo seine ersten Schritte als Schlagzeuger unternahm.

  Foto: privat

Musik hat Gronaus Image aufpoliert. „Vor 20 oder 30 Jahren war das Bild der Stadt durch den Niedergang der Textilindustrie, durch Arbeitslosigkeit und Kriminalität negativ geprägt.“ Und heute? „Gronau wird von außen wesentlich positiver wahrgenommen als früher“, sagt Lohle. Auch die Gronauer selbst – sogar die, die mit Musik eigentlich gar nichts am Hut haben – strichen gerne stolz heraus, dass sie aus der Stadt des Jazzfests, des Rockmuseums und von Udo Lindenberg kommen.

Das, so findet der gerade in Rente gegangene Mitarbeiter des Gronauer Kulturbüros, ist der Humus, auf dem Ideen für eine pulsierende Musikstadt sprießen könnten. Gronau als Silicon Valley für Musiktreibende? Warum denn nicht? Musik ist ein Wirtschaftsfaktor. Warum sollten sich in Gronau nicht Musikstudios oder -agenturen ansiedeln können? Oder Konzertveranstalter, Clubbetreiber, Verleger und Kreative? Die Wohn- und Lebenshaltungskosten sind relativ gesehen gering – was in Kombination mit einem kreativitätsfördernden Branchenumfeld durchaus die Grundlage zu einer Belebung Gronaus als Musikstadt führen könnte. Viele vorher darbende Städte haben durch Kreative einen regelrechten Boom erlebt, so wie in Gronau ansatzweise schon geschehen. Eine Musikstadt – das wäre auch ein Anreiz für junge Gronauer, sich hier eine Zukunft aufzubauen.

  Foto: Martin Borck

Allerdings müssen die Rahmenbedingungen stimmen. „Wir brauchen Leute, die für die Idee Musikstadt brennen“, sagt Lohle. Dass es diese Menschen in Gronau und Epe gibt, davon ist er überzeugt – ohne sie wäre die Stadt nicht da, wo sie jetzt schon ist. Doch auch in der öffentlichen Diskussion wäre ein einschneidender Paradigmenwechsel erforderlich – von der „Einkaufs- und Dienstleistungsstadt“ hin zur „Musikstadt im Grünen“.

Das Grüne und damit der Tourismus ist ein weiterer Stein im Mosaik Musikstadt. Das Stichwort heißt „kulturelles Stadtmarketing“. Museum, Jazzfest und die Udo-Lindenberg-Stadttouren erweisen sich schon heute als Magneten, die Touristen in die Stadt locken. „60 Prozent der Jazzfest-Besucher kommen von außerhalb.“ Auf dieser Grundlage lässt sich aufbauen. „Gronau stellt sein Licht immer noch unter den Scheffel“, findet Otto Lohle. Dabei gebe es so viele Pfunde, mit denen die Stadt wuchern kann: eine intakte Umwelt, Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. „Man ist mit dem Fahrrad in ein paar Minuten in der Natur.“ Dazu komme „der immer noch bestehende Zauber der Grenznähe“. Das alles löse „good vibrations“ aus.

Als konkreten ersten Schritt könnte sich Lohle die Verwirklichung einer Erholungs- und Event-Meile im Bereich vom Bahnhof über das Museum bis zur Pyramide auf dem Laga-Gelände vorstellen. Die würde das Bamboo, eine künftige Gastronomie im ehemaligen Dinkellager als weiteren Anziehungspunkt und ein noch zu errichtendes Hotel einschließen.

Ein wesentlicher Grundpfeiler einer Musikstadt ist für Lohle die Musik, die im öffentlichen Raum wahrgenommen wird. „Eine pulsierende Musikstadt lebt von kreativen Musikerinnen und Musiker, aber auch von Veranstaltern, Clubbetreibern, Journalisten und nicht zuletzt Konzertbesuchern, deren Herz für die Musik schlägt.“

Musikstadt Gronau bedeute daher auch, Musik ganz bewusst in den Fokus des städtischen Lebens und seiner Bewohner zu setzen. Lohle sprudelt vor Ideen. Sie reichen von kostenlos zu nutzenden Angeboten der Musikschule über eine intensivere Förderung von Chören, Kapellen und Orchestern zu einer Erweiterung des Konzertangebots. Warum nicht Musik auf den Grachten des Laga-Geländes oder auf der Pyramide? „Und wenn Barrieren weggenommen werden, kann eine ganz neue Saat aufgehen.“ Auch die Bildungsangebote rund ums Rock’n’Popmuseum könnten intensiviert werden. Zu den Installationen auf drei Kreisverkehren könnten weitere Skulpturen hinzukommen, die sich thematisch mit Musik befassen.

Ideen satt also, die Grundlage eines innovativen, zukunftsträchtigen Konzepts sein könnten. Für dessen Umsetzung Geld in die Hand genommen werden müsste. Aber das hätte man für die Drio-Realisierung ja auch getan.

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