Eheleute Fritz sind seit 50 Jahren (und 44 Tagen) verheiratet
Eine Goldhochzeit mit Verspätung

Gronau -

Den offiziellen Urkunden nach sind Galina und Alexander Fritz heute seit 50 Jahren verheiratet. Aber amtliche Mühlen mahlen ja manchmal langsam. So ließ seinerzeit die Beurkundung der standesamtlichen und kirchlichen Eheschließung auf sich warten und wurde, der Einfachheit halber, mit dem dann aktuellen Datum versehen. „Geheiratet haben wir aber schon am 7. Dezember 1969“, erzählt Galina Fritz, geborene Richter, und fügt hinzu: „Deshalb haben wir auch schon im letzten Dezember gefeiert.“ Familie, Verwandte, Freunde, Trauzeugen, Brautjungfern und auch die Kochfrauen, die damals in Kasachstan das Hochzeitsessen zubereitet hatten, waren teils von weither gekommen. „Das hatten wir schließlich vor langer Zeit versprochen, dass wir alle wieder einladen, wenn wir Goldhochzeit feiern sollten“, sagt Galina Fritz mit verschmitztem Lächeln.

Sonntag, 19.01.2020, 16:54 Uhr
Galina und Alexander Fritz heirateten von 50 Jahren in Kasachstan.
Galina und Alexander Fritz heirateten von 50 Jahren in Kasachstan. Foto: Sigrid Winkler-Borck

Kennengelernt haben die beiden Eheleute sich beim Tanzen. Alexander Fritz arbeitete auf dem Bau. Im Winter allerdings, wenn es zu kalt war, war er in einem Werk beschäftigt, in dem Betonplatten für den Häuserbau gefertigt wurden. Seine Frau arbeitete in der Landwirtschaft. Selbst hatten sie auch Land, eigene Tiere und lebten weitgehend als Selbstversorger. Ihre beiden Kinder, ein Sohn und eine Tochter, mussten schon früh zu Hause mithelfen, damit die ganze Arbeit zu bewältigen war.

„1993 sind wir nach Deutschland gekommen und zwar direkt nach Gronau“, gibt Galina Fritz Auskunft. Schnell hat sie sich hier zurechtgefunden und gearbeitet. Galina Fritz war lange Jahre als Reinigungskraft bei der Stadt beschäftigt. Ihr Mann Alexander arbeitete eine Zeit lang bei den Zentralen Bau- und Umweltdiensten der Stadt.

Gemeinsam mit Tochter, Schwiegersohn und Enkeltochter hat das Paar seit Jahren einen Schrebergarten, in dem sie Obst und Gemüse anbauen und Blumen natürlich auch nicht fehlen dürfen. „Unsere Pflanzen ziehen wir alle selbst. Wir haben auch Tomatensorten aus Kasachstan und Moldawien. Wichtig ist es aber, die jeweils richtige Sorte für den Boden und das Wetter zu haben, sonst gedeihen die Pflanzen nicht richtig“, kennt Galina Fritz sich gut aus und profitiert von ihrer lebenslangen Erfahrung. Einen Großteil ihrer Gemüseernte kocht sie ein, Beeren werden eingefroren. „Künstlicher Dünger kommt uns nicht in den Garten. Bei uns ist alles bio“, betont sie stolz.

Für Galina Fritz, deren Vorfahren aus dem Württembergischen ins Wolga­gebiet gezogen waren, ist Deutsch Muttersprache. Andere Deutschrussen in Gronau tun sich dagegen etwas schwerer mit dem Deutschen und damit auch mit offiziellen Stellen. Da Galina Fritz ein sehr hilfsbereiter Mensch ist, unterstützt sie sie regelmäßig beim Ausfüllen von Formularen und telefoniert für sie mit Ämtern und Behörden. Im Mehrfamilienhaus im Stadtzentrum, in dem das Paar wohnt, übernimmt sie zudem einige Hausmeisteraufgaben.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7204141?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Gedenken an die Morde von Hanau
Rassistischer Anschlag: Gedenken an die Morde von Hanau
Nachrichten-Ticker