Eperaner bei Vorleseaktion in Westerbork
102 000 Namen – 102 000 einzelne Schicksale

Epe -

Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar werden die Namen all dieser 102 000 Menschen, Juden sowie Sinti und Roma, vorgelesen.

Dienstag, 21.01.2020, 08:10 Uhr aktualisiert: 21.01.2020, 08:20 Uhr
Rudolf Nacke mit der Liste der Namen von 102 000 aus dem Lager Westerbork Deportierten. Darunter waren auch Menschen, die aus Gronau, Epe, Nienborg und anderen Orten des Münsterlands stammten.
Rudolf Nacke mit der Liste der Namen von 102 000 aus dem Lager Westerbork Deportierten. Darunter waren auch Menschen, die aus Gronau, Epe, Nienborg und anderen Orten des Münsterlands stammten. Foto: Martin Borck

Für 102 000 Menschen war das Lager Westerbork in der niederländischen Provinz Drenthe eine Zwischenstation auf dem Weg in Konzentrationslager. Die meisten von ihnen kehrten nicht zurück. Ihre Leben wurden ausgelöscht. Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar werden die Namen all dieser 102 000 Menschen, Juden sowie Sinti und Roma, vorgelesen. Vom morgigen Mittwoch an werden über 800 Ehrenamtliche diese Aufgabe übernehmen. Ununterbrochen etwa 118 Stunden lang. Unter ihnen sind zwei Eperaner: Rudolf Nacke und Heinz Krabbe , Vorstandsmitglieder im Förderkreis Alte Synagoge Epe . „Wir sind in der Nacht zu Freitag um 3.30 bzw. 3.40 Uhr dran“, sagt Nacke. „Ich hatte mich schon vor drei Monaten erkundigt, ob ich mitmachen kann. damals hieß es, es sei zu früh. Als ich dann nach sechs Wochen nachhakte, waren alle Plätze vergeben. Doch vor gut zehn Tagen bekam ich eine Mail, dass einige abgesagt haben.“ Diese Aktion findet alle paar Jahre statt. „Auch König Willem-Alexander hat schon daran teilgenommen.“

Aber warum das Ganze? Für die Organisatoren in Westerbork ist es wichtig, dass die Opfer nicht vergessen werden. Die enorme Zahl von sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden ist nicht fassbar. Wenn man sich aber klar macht, dass es um sechs Millionen Einzelschicksale geht, sechs Millionen individuelle Leben, die zerstört wurden, sechs Millionen, die Vater oder Mutter, Tochter oder Sohn, Schwester oder Bruder, Nichte Neffe waren, wird das Entsetzliche greifbarer.

Die 102 000 Namen der aus Westerbork Deportierten sind in einem dicken Verzeichnis aufgelistet. Eines davon hat der Förderkreis erworben. Nacke wird bei den Mitgliedern der Familie Godschalk anfangen. Vorname, Name, Alter. „Die Familie Gottschalk aus Nienborg ist auch aufgeführt, aber bis dahin komme ich nicht.“

Anne Frank ist der bekannteste Name. Die Forscher in Westerbork versuchen, allen Deportierten Namen und Gesicht zu geben und ihr Schicksal zu eruieren. Bei vielen ist das bereits geglückt.

Auf die Arbeitsergebnisse des Erinnerungszentrums in Westerbork greifen auch die Mitglieder des Eper Förderkreises zurück. Auch sie wollen wissen, was mit den Menschen passiert ist, die aus Gronau und Epe stammen, in die Niederlande flohen und von dort über Westerbork in die Vernichtungslager verfrachtet wurden. Das waren immerhin drei Viertel der jüdischen Bevölkerung aus Gronau und Epe. „Auch wir wollen diesen Menschen ein Gesicht geben. Die ungesühnten Opfer wollen wir nicht vergessen. Erst recht nicht, wenn wir an die Kinder denken.“ Kinder wie Liesel Eichenwald, die ihre Kindheit dort verbrachte.

Für Rudolf Nacke stellt die Verbundenheit mit diesen Menschen einerseits und die Wertschätzung der Forschungsarbeit andererseits eine besondere Verpflichtung dar, an der Vorleseaktion mitzumachen. „Es ist für mich eine Ehrensache.“

Die Forschungsarbeit hat auch zu neuen Erkenntnissen geführt. So ist Nacke derzeit auf der Spur von zwei Eperanern, die als vermisst galten, den Holocaust aber wohl überlebt haben. Der Wissenstand ändert sich immer wieder.

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Die Verlesung der Namen ist öffentlich. Besucher sind willkommen (Adresse: Oosthalen 8, 9414TG Hooghalen, Niederlande) Die Aktion wird im Internet live übertragen 102000namenlezen.nl https://102000namenlezen.nl/

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