Integrationspreis für Team der Gronauer Tafel
Brücken gebaut, Zeichen gesetzt

Gronau -

Sie engagieren sich – quer durch alle Nationalitäten - für bedürftige Menschen in der Stadt. Und das nicht nur bei wenigen Gelegenheiten, sondern dauerhaft und verlässlich. Und sie erreichen mit ihrer Arbeit noch ein weiteres Ziel: Das gute Lebensmittel nicht vernichtet, sondern einem sinnvollen Zweck zugeführt werden. Für sein Engagement wurde das Team der Tafel jetzt geehrt.

Donnerstag, 23.01.2020, 18:15 Uhr aktualisiert: 23.01.2020, 18:20 Uhr
Freude über die Auszeichnung mit dem Integrationspreis: Das Team der Tafel um deren Vorsitzenden Georg Gartmann (2.v.r.) nahm die Auszeichnung von Bürgermeister Rainer Doetkotte (mit Amtskette) entgegen. Ahmed Sezer moderierte den Abend.
Freude über die Auszeichnung mit dem Integrationspreis: Das Team der Tafel um deren Vorsitzenden Georg Gartmann (2.v.r.) nahm die Auszeichnung von Bürgermeister Rainer Doetkotte (mit Amtskette) entgegen. Ahmed Sezer moderierte den Abend. Foto: Klaus Wiedau

„Gronau verbindet.“ Wenn dieser Leitgedanke des Integrationspreises der Stadt auf einen Verein besonders zutrifft, dann auf die Gronauer Tafel. Mehrfach in der Woche engagiert sich hier ein Team von rund 60 ehrenamtlichen Helfern des Vereins, um Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus ebenso vielen unterschiedlichen Nationen zu helfen. Für diese – seit den Anfängen im Jahre 2003 geleistete – Arbeit wurde das Tafel-Team am Mittwoch mit dem Integrationspreis der Stadt geehrt.

Vielfalt und Integration keine Schlagworte

Einstimmig sei die Entscheidung des Integrationsrates gefallen, „getragen von ganz viel Sympathie und geprägt von dem, was Sie, die Gronauer Tafel, vielen Menschen in dieser Stadt gegeben haben“, so Bürgermeister Rainer Doetkotte in seiner Laudatio. Zur Ehrung hatte sich im „ Haus der Begegnung “ am Jöbkesweg viele Gäste eingefunden.

Verleihung des Integrationspreises 2019

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Für das Team der Tafel seien Vielfalt und Integration keine bloßen Schlagworte, sondern gelebte und lebendiger Alltag, so Doetkotte: „Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten kommen hier zusammen; Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen; Menschen mit verschiedenen Sprachen und Hautfarben, Menschen aller Altersgruppen und Geschlechter.“

Die wöchentlichen Termine der Warenausgabe seien inzwischen für viele Menschen mehr als nur eine Versorgungsmöglichkeit. Nämlich „Anlaufstelle und Treffpunkt, Ort der Kommunikation, des Miteinanders und des Unterstützung.“ Für manche – insbesondere für ältere Menschen – sei die Tafel oftmals der einzige Ort für Kontakte im Alltag.

So steht die Tafel Gronau für eine offene Gesellschaft, für einen Ort des Miteinanders und eine im Alltag gelebte Integration.

Bürgermeister Rainer Doetkotte

Doetkotte stellte in seiner Ansprache auch die Bedeutung für das Miteinander in der Gesellschaft heraus: „Viele Menschen, die zur Tafel kommen, haben eine Zuwanderungsgeschichte. Viele engagieren sich inzwischen selbst als Ehrenamtliche bei den Tafeln. So steht die Tafel Gronau für eine offene Gesellschaft, für einen Ort des Miteinanders und eine im Alltag gelebte Integration. Ein respektvoller, wertschätzender Umgang untereinander ist für die Mitmachenden selbstverständlich.“ Getreu dem Motto „Gronau verbindet.“

Zeichen setzen gegen soziale Kälte und Entfremdung

Erfreulich sei auch die große Zahl derer, die bei der Arbeit mitanpacken, „die Zeit und Einsatzbereitschaft für andere einbringen“. Sie alle seien „Menschen, die Brücken bauen und damit Zeichen setzen gegen soziale Kälte und Entfremdung – nicht zuletzt mit beispielhaften Aktionen das ganze Jahr hindurch,“ so Doetkotte.

Vor dem Hintergrund einer sicher verändernden Gesellschaft sei die Gronauer Tafel „auch ein Spiegel unserer Stadt“. Das zeige sich in der multikulturellen Besetzung des Teams: „Unter Ihren Ehrenamtlichen sind Leute, die russisch sprechen. Menschen aus dem Irak und Syrien. Oder der Türkei. Oder aus Polen Was zählt, ist das Engagement füreinander. Dass Sie alle, die sich in der Tafel einsetzen, nicht zuletzt auch gute Botschafter unserer Stadt Gronau sind, dafür sage ich Ihnen herzlichen Dank.“

Gronauer Tafel: „Team so bunt gemischt wie die Besucher“

In einer kurzen Präsentation stellte Gartmann dann Ziele, Entwicklung, Aufgaben und Aktionen der Gronauer Tafel heraus. Von den Anfängen im Jahre 2003 unter Volker Grabkowsky über den Umzug in die neuen Räume an der Zollstraße, die die Stenau-Stiftung bereitgestellt habe. „Es gibt kaum eine Tafel im Münsterland, die so tolle Räume hat, wie wir“, merkte Gartmann dankbar an. „Lebensmittel retten, Menschen helfen“, diese beiden Ziele werden nach seinen Worten mit der Arbeit der Tafel erreicht. Dass die Arbeit nicht nur an den beiden Warenausgabe-Tagen, sondern darüber hinaus funktionieren, dafür sorge das rund 60-köpfige Team (Gartmann: „So bunt gemischt wie die Besucher“). Logistik, Warenvorbereitung, Ausgabe, Verwaltung sowie um Hygiene und Reinigung, nannte Gartmann als Aufgabenbereiche. Das sich dahinter viel Aufwand verberge, machter er mit einer Zahl deutlich. So fährt die Tafel wöchentlich 85 Stationen an, um Waren abzuholen. Der Kreis der Berechtigten, die zur Tafel kommen setzte sich aus Hartz-IV-Empfängern (52 Prozent), Rentnern (23 Prozent), Personen mit Bescheinigung einer Beratungsstelle (13 Prozent) und Asylbewerbern (9 Prozent) zusammen. Die Hilfe erfolge - gerade bei den von Beratungsstellen vermittelten Besuchern - „unorthodox und ohne große Bürokratie“, so Gartmann. Und auch wenn jemand komme und sage: „Ich habe Hunger“, werde direkt geholfen.

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Angemerkt: Dotierung überdenken

Glückwunsch dem Tafel-Team zur verdienten Ehrung und Glückwunsch dem Integrationsrat zu seiner Entscheidung. Überdenken sollte die Stadt indes, ob 900 Euro ein angemessener Betrag für die Ehrung von engagierten Machern sind, die sich ehrenamtlich für das Miteinander von Menschen in der Stadt einsetzen. Bei einem 130-Millionen-Etat und angesichts manch anderer Ausgabe sollte die Anhebung dieses Betrages eigentlich kein Problem darstellen. Klaus Wiedau

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Neben den wöchentlichen Warenausgaben engagiert sich die Tafel zudem bei Aktionen. Zu Weihnachten etwa wurden jetzt an 240 Menschen Päckchen, teils von Dritten, teils von der Tafel gepackt, abgegeben. Zusammen mit Kirchengemeinden und kirlichlichen Gruppen werden Lebensmittel aus Erntedanksammlungen weitergegeben. Und gemeinsam mit Caritas und Diakonie – statte die Tafel bedürfte Familien mit Tornistern für den Schulstart aus. Fast 1000 spendenfinanzierte Schultaschen seien so bisher verteilt worden. Aktuell arbeitet die Tafel an der Umsetzung eines Tafel-Treffs. Hier soll Menschen vor der Warenausgabe die Möglichkeit zur Begegnung gegeben werden – weil der Tafelbesuch für viele oft der einzige soziale Kontakt in der Woche sei. kw

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Stellvertretend nahm der Vorsitzende der Tafel, Georg Gartmann , dann die mit 900 Euro dotierte Auszeichnung entgegen. Er dankte dem Team für die engagierte Arbeit und Familie Stenau für die Unterstützung. Musikalische Vorträge von Kamil Gürbüz und Schülern auf der Saz umrahmten den Festakt. Das Buffet wurde von der kurdisch-jesidischen Gemeinde zubereitet.

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