Schüler des Driland-Kollegs erreichen Mittlere Reife
Beeindruckt von den Möglichkeiten

Gronau -

Es ist vor allem Dankbarkeit, die bei den Absolventen der Abendrealschule dominiert. Seit Freitag halten sie nach ein bis zwei Jahren Schulzeit am Kolleg für Erwachsenenbildung ihren Mittleren Schulabschluss in den Händen. Immer wieder betonen sie, wie dankbar sie sind für die Lernatmosphäre und die Betreuung durch die Lehrer und das übrige Personal am Driland-Kolleg, aber – und das machen sie ganz deutlich – sie bedanken sich auch bei der deutschen Gesellschaft, die es ihnen ermöglicht hat, diesen Abschluss auch noch als Erwachsene zu erwerben.

Montag, 27.01.2020, 11:00 Uhr
Diese elf Absolventen der Abendrealschule des Driland-Kollegs haben seit Freitag ihren Mittleren Schulabschluss in der Tasche. Erzieherin, Maler oder Altenpfleger wollen einige von ihnen nun werden. Andere wollen noch einen Schulabschluss draufsatteln.
Diese elf Absolventen der Abendrealschule des Driland-Kollegs haben seit Freitag ihren Mittleren Schulabschluss in der Tasche. Erzieherin, Maler oder Altenpfleger wollen einige von ihnen nun werden. Andere wollen noch einen Schulabschluss draufsatteln. Foto: Driland-Kolleg

Selbstverständlich ist das für sie überhaupt nicht und in vielen anderen Ländern nicht möglich, dessen sind sie sich bewusst, heißt es in einem Bericht aus dem Driland-Kolleg. Einen „Höhepunkt im Leben“, nennt der Leitende Kollegdirektor Oliver Keesen den Mittleren Schulabschluss. Der Abschluss kann der Ausgangspunkt für weiteren Erfolg im Leben sein und ist ein Grund, stolz zu sein. Die Hürden, die dafür zu bewältigen waren, waren durch die landesweit einheitlichen Anforderungen des Zentralen Schulabschlusses für jeden gleich hoch.

Neben den deutschen Studierenden gibt es unter den Absolventen dieses Jahrgangs viele Christen aus Syrien, die 2015 vor dem Terror des IS nach Deutschland flohen und hier Deutsch lernten – die B 2-Prüfung der VHS haben sie vor zwei Jahren bestanden. Jetzt haben sie einen deutschen Schulabschluss in der Tasche und können in den Arbeitsmarkt einsteigen. In den syrischen Trümmern haben viele alles zurückgelassen: Jobs, eine Ausbildung und ihre Familie.

„Die Begeisterung fürs Lernen, die ich hier erfahren habe, gebe ich an meine Kinder weiter“, sagt die selbstbewusste Klassensprecherin Dima Das, die in Syrien in einer Grundschule gearbeitet hat. Die alleinerziehende Mutter betont die optimalen Unterrichtszeiten der Abendrealschule, die parallel zu den Schulzeiten ihrer drei Kinder am Vormittag liegen, sodass sie nachmittags die Kinder versorgen und deren Hausaufgaben begleiten kann. Ihr Resümee ist ein eindringlicher Appell an alle verbleibenden Studierenden: „Geht euren Weg und haltet durch – es lohnt sich, diesen Weg zu gehen!“

Die meisten der Absolventen des Mittleren Bildungsabschlusses werden hier zu Fachkräften, die dringend gebraucht werden: sie wollen Erzieherin, Maler und Altenpfleger werden – einige haben ihre Ausbildungsverträge bereits abgeschlossen. Manche von ihnen jedoch haben am Driland-Kolleg das Lernen schätzen gelernt und wollen höher hinaus. Der 18-jährige Safwan Allahib hat den Traum, deutscher Zollbeamter zu werden. Er weiß, dass er für die Auswahl mit dem Mittleren Schulabschluss nicht die besten Karten hat und will deshalb nach einem halben Jahr Arbeit im August wieder zum Driland-Kolleg zurückkehren, um die Fachhochschulreife zu erwerben. Den Abschluss aber, betont auch er, kann ihm keiner mehr nehmen – den hat er in der Tasche.

Den Mittleren Schulabschluss erreichten im Wintersemester: Safwan Allahib, Angar Arshadullah, Izla Aras, Ahmad Asad, Dima Das, Waldemar Grauberg, Tom Heying, Josephine Jasper, Mirco Poolen, Jenna Schellersjürgenhumpert und Mussa Sleymann.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7220121?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Mühlenhof-Chefin schon wieder weg
Alwine Glanz (34) geht als Museumsdirektorin.
Nachrichten-Ticker