Einzelhändler bangen um ihre Existenz
„Kippen um wie die Fliegen“

Gronau/Epe -

Geschlossene Türen, ausbleibende Umsätze und weiterlaufende Kosten werden für den lokalen Einzelhandel zum Problem. Wie die einzelnen Betriebe durch die Corona-Krise kommen werden, das kann derzeit noch keiner vorhersagen.

Donnerstag, 19.03.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 19.03.2020, 14:56 Uhr
Viele Geschäfte müssen jetzt aufgrund der gesetzlichen Regelungen ihre Türen geschlossen halten.
Viele Geschäfte müssen jetzt aufgrund der gesetzlichen Regelungen ihre Türen geschlossen halten. Foto: Martrin Borck

Eigentlich sollte in dieser Woche die Mitgliederversammlung der Eper Werbegemeinschaft ( EWG ) stattfinden, bei der das Programm des Frühlingsfestes und weitere Aktionen besprochen werden. „Die Kasse habe ich dafür bereits geprüft“, erzählt Michael Nacke vom gleichnamigen Kaufhaus aus Epe . Das „Eigentlich“ macht deutlich, dass es in Corona-Zeiten natürlich anders läuft. Denn nicht nur der verkaufsoffene Sonntag wurde abgesagt. Ein großer Teil der Geschäfte im Ortskern hat seine Türen bereits geschlossen.

„Da wir in unserem Geschäft auch die Postagentur betreiben, haben wir weiterhin geöffnet“, verweist Nacke auf die Systemrelevanz, die vom Gesetzgeber vorgegeben wird. „Und wir haben ja auch noch Bücher im Angebot.“ Auch für die sieht der gegenwärtige Erlass wohl Vorteile vor. „Es kann natürlich sein, dass in Kürze jemand aus einer Behörde kommt und mir vorschreibt, wie ich mit dem restlichen Geschäft umzugehen habe.“ Es sind also durchaus noch Fragen offen.

Lieferdienste auf einen Blick

 

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„Es gibt ja eine Kurzarbeitsregelung, die die Gewerbetreibenden etwas entlastet – und wir haben unser Geschäft zum Glück im eigenen Gebäude“, erklärt der Inhaber des Kaufhauses. Er verweist auf die Probleme von Textilgeschäften, denen nicht nur ein wichtiger Teil des Jahresumsatzes aktuell entgehe, sondern zudem auch noch Miete zahlen müssen. „Die haben sich darauf eingestellt, dass jetzt beispielsweise die Zeit der Hochzeiten und Schützenfeste beginnt.“ Und das Geschäft falle quasi aus und könne auch nicht durch das kompensiert werden, was beispielsweise aus dem Online-Handel eingenommen werden könne.

Schwere Zeiten sieht auch Frank Schulte , Vorsitzender des Gronauer Cityrings, auf sich und seine Mitstreiter im Einzelhandel zukommen. „In der Innenstadt kippen alle um wie die Fliegen“, lautet seine Befürchtung. „Der Einzelhandel ist ohnehin ganz knapp gestrickt.“

Derzeit stehen vor allem Modegeschäfte vorm Problem, dass sie quasi täglich die neue Ware erhalten, die sie normalerweise zu dieser Jahreszeit auch benötigen. „Da muss man die Ware abnehmen“, verweist er auf getroffene Vereinbarungen. „Und in jedem gelieferten Karton befindet sich ein Zettel mit der Rechnung.“ Dabei handele es sich oft um Waren, die in ein einigen Wochen nicht mehr gefragt seien. „Jetzt ist die Zeit der leichten Pullis, in ein paar Wochen sind dann kurzärmlige Blusen gefragt“, formuliert er ein Beispiel. Weil aktuell die weltweiten Lieferketten immer mehr unterbrochen würden, sei damit zu rechnen, dass die Artikel dann auch wohl nicht lieferbar seien. Ohnehin: „Wenn die Geschäfte bis zum 19. April geschlossen bleiben müssen – das schafft keiner.“

Auch der Online-Handel, in dem er auch Schuhe vertreibe, sei derzeit nicht sonderlich gefragt. „Die Bürger interessieren sich derzeit einfach nicht für unsere Waren – Corona überdeckt alles, die Menschen sind im Notfall-Modus.“

Was Schulte verwundert, dass ist der recht laxe Umgang der Behörden mit den Lebensmittelgeschäften und Drogeriemärkten, die von den Kunden bisweilen überrannt werden. „Die Innenstadt wird quasi ausgeschaltet und dort darf sich das Virus ungehindert verbreiten“, kritisiert der Vorsitzende den scheinbar sorglosen Umgang mit den Kunden in den Geschäften. „Es wäre doch sinnvoller, wenn Personal vor den Eingängen darüber wachen würde, dass immer nur eine begrenzte Anzahl von Kunden auf einmal die Geschäfte betreten dürfte. So stehen sie dicht an dicht und husten sich an.“

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