Vergewaltigungsprozess gegen Eperaner
Freispruch: Im Zweifel für den Angeklagten

Epe/Münster -

Am Ende der Verhandlung waren die Richter überzeugt: Der Angeklagte hat etwas gemacht, was „nicht in Ordnung war“. Trotzdem folgte dann der Freispruch. Eine Vergewaltigung, die dem Mann zur Last gelegt worden war, konnte das Gericht nämlich nicht zweifelsfrei beweisen.

Mittwoch, 18.03.2020, 18:05 Uhr aktualisiert: 19.03.2020, 14:56 Uhr
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Justizia Foto: dpa

Ein 47-jähriger Eperaner ist am Mittwoch vor dem Landgericht Münster vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig, die Nebenklagevertreterin kann noch Revision einlegen.

„Ja“, betonte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung, „wir sind überzeugt davon, dass Sie mit ins Haus ihrer Bekannten gegangen sind. Und wir sind überzeugt, dass da was war, was nicht in Ordnung war. Aber ob es sich dabei um ein strafbares Verhalten gehandelt hat, können wir nicht zweifelsfrei feststellen.“ Deshalb der Freispruch.

Zwei Versionen einer Geschichte

Unstrittig ist, das der Mann und sein mutmaßliches Opfer, eine 42-jährige Gronauerin, sich im Februar 2017 zufällig in einer Gaststätte in Epe getroffen, miteinander geredet und getrunken haben. Zu später Stunde machten sie sich zu Fuß auf den Heimweg. Er brachte sie nach Hause. An dieser Stelle, so der Mann, sei die Geschichte zu Ende. Die Frau hatte dagegen geschildert, dass sie schnell ins Haus gegangen sei, weil sie dringend auf die Toilette gemusst habe. Der Mann sei ihr bis ins Gäste-WC gefolgt, sei dann verbal ausfallend und derart übergriffig geworden, dass der Straftatbestand einer Vergewaltigung erfüllt gewesen sei.

Frau könnte Tatbestände dazuerfunden haben

Letzter Akt der Beweisaufnahme war am Mittwoch das aussagepsychologische Gutachten einer Sachverständigen. Die Diplom-Psychologin hatte nicht mit dem mutmaßlichen Opfer gesprochen, sondern dessen dokumentierte Aussagen, zum Beispiel bei der Polizei und vor Gericht, analysiert. Fazit: In den Aussagen gebe es unerklärliche Lücken und Brüche, die in der Summe darauf hindeuten würden, dass davon ausgegangen werden müsse, dass die Tat so nicht stattgefunden habe. Es sei dagegen denkbar, dass es zwar zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sei, die Frau das übrige Geschehen aber dazuerfunden habe (Autosuggestion).

Diese Zeugin hat für mich schlichtweg gelogen.

Einer der beiden Verteidiger des Angeklagten

Der eine Verteidiger unterstellte der Frau in seinem Plädoyer genau das: Sie habe nicht absichtlich gelogen, sie glaube ihre Falschaussage, weil sie eine Tendenz zu einer Persönlichkeitsstörung habe. Sein Kollege ging sogar noch einen Schritt weiter. Er sagte: „Diese Zeugin hat für mich schlichtweg gelogen.“ Beide Verteidiger plädierten denn auch auf Freispruch.

Das tat auch der Staatsanwalt: Er glaube zwar nicht, dass die Zeugin gelogen habe, ihn habe aber das aussagepsychologische Gutachten methodisch und inhaltlich überzeugt. Deshalb habe er Zweifel an der Aussage der Zeugin und müsse folgerichtig – im Zweifel für den Angeklagten – auf Freispruch plädieren.

Lediglich die Nebenklagevertreterin plädierte dafür, die Berufung zu verwerfen. Ihre Mandantin habe es als Zeugin besonders gut machen wollen. Aber es sei ihr schwer gefallen, über die Vergewaltigungssituation zu sprechen. Deshalb gebe es die Unterschiede zwischen diesbezüglichen Schilderungen und den übrigen Aussagen der 42-Jährigen.

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