Konzertierte Aktion für Bedürftige der Gronauer Tafel
Drei Institutionen – eine gute Idee

Gronau -

Die Corona-Krise hat jetzt in Gronau die drei Einrichtungen „Tafel“, „Menschen in Not“ und „Bürgerstiftung“ zusammengeführt, die im Rahmen einer konzertierten Aktion Menschen rasch und unbürokratisch helfen wollen.

Dienstag, 24.03.2020, 17:49 Uhr aktualisiert: 25.03.2020, 14:51 Uhr
So sah vor einigen Tagen die letzte Ausgabe von Lebensmitteln durch die Gronauer Tafel aus. Jetzt gibt es von der Tafel, vom Verein Menschen in Not und von der Bürgerstiftung Gronau eine neue konzertierte Aktion für Bedürftige.
So sah vor einigen Tagen die letzte Ausgabe von Lebensmitteln durch die Gronauer Tafel aus. Jetzt gibt es von der Tafel, vom Verein Menschen in Not und von der Bürgerstiftung Gronau eine neue konzertierte Aktion für Bedürftige. Foto: cn

Not schweißt zusammen: Das gilt nicht nur für Menschen in einer Notlage, sondern auch für die Institutionen, die Bedürftigen Hilfe anbieten. Die Corona-Krise hat jetzt vor diesem Hintergrund auch in Gronau die drei Einrichtungen „Tafel“, „Menschen in Not“ und „Bürgerstiftung“ zusammengeführt, die im Rahmen einer konzertierten Aktion Menschen rasch und unbürokratisch helfen wollen. Klaus Baveld und Otto Lohle („Menschen in Not“) sowie Georg Gartmann (Tafel) stellten das Konzept jetzt im Gespräch mit den WN vor.

Die Idee dafür stammt von Georg Gartmann (Tafel) und soll helfen, die Lücke zu schließen, die entstanden ist, weil die Tafel derzeit – wegen der Altersstruktur der ehrenamtlichen Mitarbeiter (Risikogruppe) und des bestehenden Kontaktverbots – ihre reguläre Lebensmittelausgaben nicht durchführen kann. Aber auch der Verein Menschen in Not muss seine Beratungen und Bargeld-Ausgaben derzeit ruhen lassen.

Abhilfe schaffen soll eine gezielte Ansprache der Klienten der Tafel, denen im Rahmen einer geordneten und streng strukturierten Ausgabe von Lebensmitteln und Gutscheinen für den Einkauf im örtlichen Einzelhandel Hilfe zuteil werden soll. Die Aufgabenteilung dahinter ist klar geregelt: „Wir von Menschen in Not stellen das Geld für Lebensmittel und für die Einkaufsgutscheine zur Verfügung, die Tafel übernimmt die Verteilung“, so Klaus Baveld. Und mit einer weiteren Dienstleistung kommt dann noch die Bürgerstiftung ins Spiel.

Geplant ist, dass noch in dieser Woche eine erste „Notausgabe“ durchgeführt werden soll. Gartmann: „Dafür haben wir 110 Personen aus dem Kreis der regelmäßigen Tafel-Besucher persönlich angeschrieben. Nur dieser Kreis kann an der Ausgabe teilnehmen. Jeder erhält einen Nummerzettel und ein konkretes Zeitfenster, in dem er Waren und Gutscheine in Empfang nehmen kann.“ Damit soll sichergestellt werden, dass das Kontaktverbot eingehalten werden kann.

Die Ausgabe soll auf dem Gelände der Tafel im Freien erfolgen. „Es wird zwei Ausgabestationen geben, an denen sichergestellt ist, dass alle Beteiligten in zwei Meter Abstand agieren können“, so Gartmann. Die Aktion sei mit der Stadt abgestimmt, das Ordnungsamt werde die Ausgabe begleiten.

Ausgegeben werden fertig gepackte Lebensmittelkisten mit Grundnahrungsmitteln, „aber auch mit etwas Obst und Gemüse“. Die sonst übliche Auswahl durch die Besucher entfällt. Gartmann: „Es wird aber vegetarische Kisten und solche mit Fleischprodukten (Schwein oder Hähnchen) geben.“

Wichtig: Den über 55-Jährige aus dem Kreis der angeschriebenen 110 Personen sollen die Lebensmittelkiste und die Gutscheine durch freiwillige Helfer der Bürgerstiftung nach Haus gebracht werden, um ihnen den Weg zur Tafel zu ersparen. Details dazu sind dem Anschreiben an die genannten Personen zu entnehmen. Und auch wer für die Einlösung der Gutscheine Hilfe beim Einkauf braucht, kann dafür die Dienste der Bürgerstiftung in Anspruch nehmen. Das Kontakttelefon ist unter 02562 8163874 (montags bis samstags von 10 bis 12 und von 17 bis 18 Uhr) zu erreichen.

Baveld, Gartmann und Lohle räumen ein, dass das Konzept „mit der heißen Nadel“ gestrickt worden sei. Gartmann: „Das ist kein erprobtes Konzept, sondern ein Sprung ins kalte Wasser- Gleichwohl sei die Zusammenarbeit der drei Institutionen vor Ort sinnvoll und biete in der aktuellen Situation die Chance, „das Beste für unsere Klientel zu machen“ (Lohle). Nach der „Premiere“ in dieser Woche soll entschieden werden, wie es künftig weitergeht und über welchen Zeitraum ein solches Angebot gemacht werden könne. „Dafür sind wir aber auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen“, so Baveld, Lohle und Gartmann. Sie bitten daher dringen um Spenden auf die Konten der Tafel: Volksbank: IBAN DE80 4016 4024 0215 416900; Sparkasse Westmünsterland IBAN DE79 401 54530 000 8011 900.

Alle Beteiligten sind sich dabei sehr wohl darüber im klaren, dass das Angebot angesichts der großen Zahl von bedürftigen Menschen in der Stadt nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein kann. Weitergehende und umfassendere Hilfe müssten daher durch politische Entscheidungen rasch auf den Weg gebracht werden.

Georg Gartmann freut sich übrigens über die breite Unterstützung, die – auch junge – Menschen der Tafel in den letzten Tagen angeboten haben. So haben neben der Bürgerstiftung auch die Bezirksschülervertretung und Privatleute Hilfe beim Packen der Kisten und bei der Ausgabe in dieser Woche angeboten. Weitere Helfer sind willkommen und können sich bei Rainer Liedtke (Tafel) unter 0151 20159572 melden.

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