Frauenschutzwohnung des SkF wegen Corona-Virus geschlossen
Die Suche nach alternativen Hilfen

Donnerstag, 26.03.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 10:44 Uhr
Die Gronauer Frauenschutzwohnung kann derzeit keine Frauen aufnehmen, aber die SkF-Mitarbeiterinnen Gudrun Schemitzek (r.) und Margret Keck-Brüning bemühen sich um alternative Hilfsangebote.
Die Gronauer Frauenschutzwohnung kann derzeit keine Frauen aufnehmen, aber die SkF-Mitarbeiterinnen Gudrun Schemitzek (r.) und Margret Keck-Brüning bemühen sich um alternative Hilfsangebote. Foto: SkF

Doch was tun, wenn die durch die Epidemie bedingte häusliche Enge dazu führt, dass ohnehin angespannte familiäre Verhältnisse eskalieren? Was, wenn Frauen und/oder Kinder Opfer von häuslicher Gewalt werden und akut Hilfe brauchen? Die Sozialverbände warnen bereits davor, dass ein Anstieg der Zahlen zu erwarten sei.

„Ich kann wohl sagen, dass wir schon merken, dass die Leute länger aufeinanderhocken“, hat Edith Brefeld festgestellt. Es gebe einen „ganz geringen Anstieg“ an Fällen häuslicher Gewalt. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt sieht aber noch keine akute Not. Das Instrument der sogenannten „Wegweisungen“, wobei derjenige, der Gewalt ausübt, in Rücksprache mit der Polizei für zehn Tage dem näheren Umfeld verwiesen wird, greife gut. „Die sind einfacher unterzubringen“, so Brefeld. „Im Moment kommen wir noch gut klar.“ Ob die Frauenschutzwohnung wieder freigegeben werden könne, kläre sich womöglich nächste Woche.

„Beengte Wohnverhältnisse, kaum Rückzugsmöglichkeiten in Konfliktsituationen, Existenzängste, die Doppelbelastung mit Home- Office und Kinderbetreuung; gerade in den jetzigen Zeiten, wo alles zu Hause stattfindet, kann es zu Spannungen und auch zu psychischer und physischer Gewalt kommen“, so Gudrun Schemitzek und Margret Keck-Brüning in einer gemeinsamen Erklärung für das SkF-Team.

„Noch können wir kein vermehrtes Aufkommen feststellen“, heißt es dort, „doch wir rechnen damit, dass Isolation und Stressfaktoren jetzt vermehrt zu Gewalt und Eskalation führen könnten.“ Indes kann die Gronauer Frauen- und Kinderschutzwohnung „Agnes Neuhaus“ aktuell auch niemanden aufnehmen. „Im Moment ist sie geschlossen“, so Schemitzek im Telefonat mit den WN.

Allerdings versuche man, gemeinsam mit den Kolleginnen vom SkF Ahaus-Vreden und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, eine Lösung zu finden. „Wir wollen auch in den umliegenden Frauenhäusern anfragen, wo noch aufgenommen wird.“ Es sei weiterhin ihr Ziel, dass Opfern häuslicher Gewalt „hier in Gronau“ schnell geholfen werden könne. Dabei sei auch Unterstützung im Umfeld der Familien gefragt. „Wir bitten Nachbarn und Bezugspersonen um besondere Aufmerksamkeit und wachsam zu sein“, so die beiden SkF-Mitarbeiterinnen. Edith Brefeld ist jedenfalls froh, dass es keine komplette Ausgangssperre gibt. „Sonst wüsste ich nicht, wie das hier explodieren würde.“

Das Team des Sozialdienstes katholischer Frauen ist telefonisch weiterhin erreichbar: Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr und Freitag von 9 bis 13 Uhr unter 02562 8173-40 (Gudrun Schemitzek) sowie Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr unter Telefon 02562 8173-55 (Margret Keck-Brüning).

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