Die Corona-Krise und die Folgen
Schnell entschleunigt

Wer nicht direkt von der Corona-Krise betroffen ist, kann der aktuellen Situation auch gute Seiten abgewinnen.

Samstag, 04.04.2020, 09:12 Uhr aktualisiert: 04.04.2020, 09:20 Uhr
Das Coronavirus sorgt für eine erhebliche Entschleunigung des öffentlichen und privaten Lebens.
Das Coronavirus sorgt für eine erhebliche Entschleunigung des öffentlichen und privaten Lebens. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Wenn es etwas Gutes gibt an der aktuellen Corona-Situation, dann ist es die unglaublich schnelle Entschleunigung des gesamten privaten und öffentlichen Lebens. Viele Berufstätige arbeiten derzeit von zu Hause aus. Sie müssen nicht zur Arbeit pendeln und gewinnen auf diese Art plötzlich Lebenszeit. Auch das bei vielen schon zwanghafte Bedürfnis, am Wochenende von A nach B zu fahren, hat deutlich an Reiz verloren: Man kann in B weder shoppen noch kulturelle oder sportliche Veranstaltungen besuchen. Also bleibt man gleich zu Hause und macht einen Spaziergang oder unternimmt eine Radtour in die Umgebung.

Ich will die Krise nicht bagatellisieren: Für Kranke und deren Angehörige ist die Situation beängstigend, und dass viele Menschen sich Sorgen um ihre wirtschaftliche und finanzielle Zukunft machen, ist mehr als nachzuvollziehen. Doch die Einschränkungen schaffen auch eine Pause zum Durchatmen: für die Umwelt, weil es weniger Emissionen gibt. Und für einen selbst, denn man findet Zeit zum Nachdenken. Manch einer wird sich vielleicht über grundlegende Dinge klar werden. Irgendwie passt es, dass die Krise zeitlich in die Fastenzeit fällt, die ja auch eine Zeit der Besinnung sein sollte.

In vielen Romanen und Spielfilmen, die Katastrophen oder Ausnahmesituationen zum Inhalt haben, werden pessimistische Szenen heraufbeschworen: Krisen, die das Schlechte im Menschen heraufbeschwören bis hin zu Mord und Totschlag. Doch diese fiktiven Dystopien halten der Realität nicht stand. Denn in der aktuellen Krise zeigt sich, dass Hilfsbereitschaft und Solidarität riesig sind, dass Menschen, auch wenn sie physisch einen großen Bogen umeinander machen (müssen), sich gefühlsmäßig nahe sind. Dass sie Rücksicht nehmen, freundlich sind, empathisch und anerkennend. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Krise bringt also das Gute im Menschen nach oben. Das ist eine Erfahrung, die vor diesem riesigen sozialen Experiment infolge der Corona-Pandemie wohl niemand vorausgesagt hätte.

Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Politik auch die passenden Maßnahmen beschlossen hat: Die milliardenschweren Hilfsprogramme federn soziale Notlagen zumindest ab. Für viele Unternehmer, Selbstständige und Arbeitnehmer bleibt die Lage zwar angespannt, und das Wirtschaftswachstum wird eine erhebliche Delle verzeichnen – aber niemand muss befürchten, in wirklich existenzielle (im Wortsinn) Not zu geraten.

Die Krise bietet Chancen, über vieles nachzudenken. Vielleicht lehrt sie auch, dass das hohe Tempo, das wir vor Corona gefahren sind, gar nicht immer zu sein braucht. Weder im Verkehr, noch im Beruf, noch in der Freizeit. Welche Werte sind einem wirklich wichtig? Jetzt ist Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Nutzen wir sie!

Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie uns gerne! WN, Redaktion, Pumpenstraße 3, 48599 Gronau oder redakton.gro @wn.de

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7356668?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Nachrichten-Ticker