Erhöhtes Müllaufkommen in der Corona-Krise?
„Mehrere Faktoren treffen unglücklich zusammen“

Gronau -

Corona und Müll – gibt es da einen Zusammenhang? Bei der Stadtverwaltung sieht man den nicht, andere sehen ihn sehr wohl.

Dienstag, 07.04.2020, 17:48 Uhr aktualisiert: 07.04.2020, 21:33 Uhr
Ein fast komplettes Wohnzimmer in der Landschaft: Viele Menschen haben den Eindruck, dass die Vermüllung der Stadt in Zeiten der Corona-Krise zugenommen hat.
Ein fast komplettes Wohnzimmer in der Landschaft: Viele Menschen haben den Eindruck, dass die Vermüllung der Stadt in Zeiten der Corona-Krise zugenommen hat. Foto: privat

Beschert die Corona-Krise uns mehr Müll? Die Einschätzungen dazu fallen unterschiedlich aus. Bei der Stadtverwaltung und bei den Zentralen Bau- und Umweltdiensten wird kein Zusammenhang gesehen. Andere bringen die Themen schon in Verbindung.

„Eine Zunahme der Vermüllung im Zusammenhang mit der Corona-Krise kann ich generell nicht bestätigen“, so Berthold Deitermann , Fachdienstleiter Bauverwaltung. Dass viele Menschen das so sehen, kann, so seine Meinung, damit zusammenhängen „dass der Abfall deutlicher und von mehr Menschen wahrgenommen wird. Mangels Alternativen gehen ja zur Zeit viele Menschen spazieren, joggen, walken und fahren mit dem Fahrrad. Dabei fällt die rechtswidrige Abfallablagerungen vermutlich öfter und deutlicher ins Auge. Ohne Corona wäre man an bestimmten Ecken gar nicht vorbeigekommen, sondern hätte Freunde und Familienmitglieder besucht“, so Deitermanns Erklärung.

„Wir stellen durchaus aktuell eine Zunahme der Verunreinigungen an den Standorten fest“, macht die Beschäftigungsgesellschaft Chance klar, die für die Reinigung der Standorte zuständig ist. Vor allem Sperrmüll und Pappe seien verstärkt vorzufinden. Dieses vermehrte Aufkommen wird aktuell noch mit dem gleichen Mitarbeiterstamm bewältigt. In Absprache mit der Stadt seien die Kapazitäten bisher nicht verändert worden, bestimmte Standorte – die als Müll-Schwerpunkte bekannt seien – würden aber häufiger angefahren.

„Ja, das ist so“, antwortet auch Dr. Georg Grüber , Geschäftsführer der Entsorgungsfirma Stenau , auf die Frage, ob die Müllmengen aktuell zugenommen haben. „Die Gefäße in allen Abfallfraktionen sind maximal gefüllt. Zudem werden vermehr auch die Müllsäcke eingesetzt, die zu kaufen sind.“ Bedarf für zusätzliche Abfuhrzyklen in den Kommunen sieht Grüber indes in der Folge nicht – es bleibe bei den bestehenden Abfuhrterminen in den einzelnen Bezirken.

Allerdings habe die Firma Stenau mit der Stadt vereinbart, dass die Altpapiercontainer ab dieser Woche zwei Mal wöchentlich – montags und donnerstags – geleert werden. „Dieser Turnus gilt bis auf Weiteres“, so Grüber. :

Dass Bürger gegenwärtig mehr Abfall entsorgen, hat nach Grübers Ansicht drei Gründe. „Zum einen sind die Menschen Zuhause. Sie produzieren deshalb auch mehr Müll, weil sie Zuhause mehr konsumieren.“ Daneben nutzten viele die Zeit des Corona-bedingten Stillstands zum Aufräumen. Zum zweiten Fall eine Entsorgungsmöglichkeit durch die geschlossenen Wertstoffhöfe weg. Dort wird – wie berichtet – aktuell nur Grünabfall angenommen. Und zum dritten sei die Zeit vor Ostern nach den Erfahrungen der Firma Stenau immer eine Phase, in der Aufräumarbeiten erledigt würden. Auch das führe zu höheren Abfallmengen. Grüber: Hier treffen „mehrere Faktoren unglücklich zusammen“.

Dass der Gronauer Wertstoffhof derzeit geschlossen sei auch den besonderen Umständen an dieser Einrichtugn geschuldet, Sprecher Kay Backeshoff von der Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (EGW): „Gerade der Wertstoffhof in Gronau ist mit seinen weit über 100 000 Anlieferungen pro Jahr (an einem Samstag von 8 bis 15.30 sind das schon mal bis zu 1500 oder mehr Fahrzeuge) besonders stark frequentiert und somit ein „Hot Spot“. Das ist grundsätzlich sehr, sehr positiv zu bewerten, erfordert aber sowohl von den Bürgern als auch von unseren Mitarbeitern vor Ort ein notwendiges Maß an Geduld, Verständnis, Kooperation und Miteinander.“ Vor diesem Hintergrund seien „die derzeit geltenden Vorgaben aus den Bereichen des Gesundheitsschutzes und Arbeitsschutzes bei einer uneingeschränkten Anlieferung aller Abfallfraktionen aus objektiver Sicht nicht einzuhalten bzw. zu gewährleisten“. In enger Abstimmung mit dem Kreis und Kommunen sei daher entschieden worden, bis auf weiteres ausschließlich Grünabfälle anzunehmen.

Backeshoff weiter: „Gleichwohl bereiten auch wir uns gegenwärtig auf eine Lockerung der Beschränkungen vor. Derzeit werden Überlegungen in viele Richtungen angestellt in welchem Rahmen wir möglicherweise bereits in der nächsten, spätestens aber in den darauffolgenden Wochen die Wertstoffhöfe für die Annahme weiterer Abfallfraktion öffnen werden.“­

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