Aktion am 5. und 8. Mai – Flaggen werden am Rathaus, Amtshaus und an der Alten Synagoge gehisst
Glocken läuten zu den Befreiungstagen

Gronau -

Beflaggung aus Anlass eines ausländischen Feiertags? Und dazu noch Glockengeläut von den Kirchtürmen? Am 5. Mai wird es das in Gronau und Epe geben. Aber auch am 8. Mai. An den beiden Tagen wird nämlich eigentlich ein gemeinsames Ereignis gefeiert.

Samstag, 02.05.2020, 09:27 Uhr aktualisiert: 02.05.2020, 09:50 Uhr
Seit vielen Jahren – wie 2015 die damalige Gronauer Bürgermeisterin Sonja Jürgens – nehmen Vertreter aus Gronau und Epe an den Feiern zum Befreiungstag in Glanerbrug als Gäste teil.
Seit vielen Jahren – wie 2015 die damalige Gronauer Bürgermeisterin Sonja Jürgens – nehmen Vertreter aus Gronau und Epe an den Feiern zum Befreiungstag in Glanerbrug als Gäste teil. Foto: Martin Borck

Zum gemeinsamen Gedenken der Befreiung vom Nationalsozialismus uns als Zeichen des Friedens und der Völkerverständigung werden alle Glocken in Gronau und Epe gleichzeitig läuten. Darauf haben sich die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden beider Ortsteile geeinigt.

Am 5. Mai, dem niederländischen Befreiungstag, und am 8. Mai, dem deutschen Befreiungstag werden die Glocken jeweils morgens um 8 Uhr für 15 Minuten an die Befreiung vor genau 75 Jahren erinnern. Parallel dazu wird die Stadt Gronau das Rathaus und das Eper Amtshaus beflaggen.

Um keine Irritationen aufkommen zu lassen, hatte Gronaus Bürgermeister Rainer Doetkotte bei Bürgermeisterin Cia Kroon aus Losser und bei seinem Enscheder Amtskollegen Onno van Veldhuizen angefragt, ob es Bedenken gegen die Aktion geben könnte. Das Gegenteil war der Fall: Van Veldhuizen sprach von einer rührenden Initiative, die die in Enschede sehr begrüßt werde: „Ich halte das für eine großartige Geste. Es ist eine kleine, gleichzeitig aber auch eine große Nachricht.“

„Die Reaktion war sehr positiv, und beide Gemeinden begrüßen die Solidarität auf deutscher Seite zum niederländischen Befreiungstag“, schreibt Rainer Doetkotte in einer Mail an den Vorsitzenden des „Förderkreises Alte Synagoge Epe“, Heinz Krabbe. Der Förderkreis hatte die Idee einer Beflaggung des Gebäudes an der Wilhelmstraße in Epe zum 5. und 8. Mai.

Der „bevrijdingsdag“ (5. Mai), der Tag also, als die Niederlande gesamtheitlich befreit waren, ist in den Niederlanden ein offizieller Feiertag. Auch wenn der Tag im kollektiven Bewusstsein in der unmittelbaren Nachkriegszeit wesentlich stärker verankert war, ist dieser Tag in die Liste der offiziellen Feiertage für die Niederlande 1990 aufgenommen worden. Der Tag selbst wird eher fröhlich gefeiert. Ob man am 5. Mai frei hat oder nicht, ist häufig in Tarif- oder Arbeitsverträgen geregelt. Schüler und Studenten haben meistens frei.

Einen anderen Charakter als der 5. Mai hat der 4. Mai. Das ist der Tag der „dodenherdenking“. Dann wird in den Niederlanden „aller Opfer von Kriegssituationen und Friedensoperationen seit dem Zweiten Weltkrieg“ gedacht. Für die Beflaggung gibt es keine gesetzlichen Regeln. Üblicherweise wird ab 18 Uhr bis zum Sonnenuntergang die niederländische Flagge auch an Privathäusern auf halbmast gesetzt. Der König legt einen Kranz am Denkmal auf dem Dam in Amsterdam nieder.

Bei den Gedenkveranstaltungen überall im Land wird um 20 Uhr zwei Minuten lang in „Stille“ gedacht. Das gesamte öffentliche Leben kommt während dieser zwei Minuten zum Stillstand.

Der deutsche Befreiungstag (8. Mai), der Tag, an dem die Deutschen von Krieg und Nazidiktatur befreit wurden, hat auf deutscher Seite eine andere Tradition. Neben der unterschiedlichen Gewichtung in der Zeit der beiden deutschen Staaten findet er heute im Vergleich zu den Niederlanden noch relativ wenig Beachtung. In der Nachkriegszeit blieb er für viele Deutsche eher der Tag des „Zusammenbruchs“, bestenfalls der „Stunde Null“ Dann in den 60er-Jahren begriffen immer mehr Bundesbürger den Befreiungscharakter des 8. Mai.

Nicht zuletzt trug die Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 dazu bei, diesen Jahrestag als „Tag der Befreiung“ Deutschlands vom Naziregime zu sehen. Durch die allmähliche geschichtliche Aufarbeitung der NS-Zeit konnte der Tag als „Befreiungstag“ so verstanden werden.

Und nur so schafft er die Voraussetzung für eine Verständigung in einem demokratischen Europa und einem nachbarschaftlichen Miteinander in der Euregio.

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