Gronau Testkommune für On-Demand-System – Einführung im zweiten Quartal 2021
Stadtbus kommt auf Anforderung

Gronau -

Der Stadtbus in Gronau wird auf ein On-Demand-System (Abrufsystem) umgestellt. Dem Vorschlag der Verwaltung hat der Fachausschuss zugestimmt.

Montag, 18.05.2020, 08:16 Uhr aktualisiert: 18.05.2020, 08:40 Uhr
Der Stadtbusverkehr in Gronau wird auf ein neues System umgestellt.
Der Stadtbusverkehr in Gronau wird auf ein neues System umgestellt. Foto: Martin Borck

Der Stadtbus in Gronau wird auf ein On-Demand-System (Abrufsystem) umgestellt. Dem Vorschlag der Verwaltung hat der Fachausschuss zugestimmt.

Das heutige Stadtbus-Angebot besteht aus drei Linien, die jeweils im Stundentakt verkehren (samstags, sonntags und feiertags eingeschränkt) und wird durch zwei Taxibus-Angebote ergänzt, die in den Randbereichen der Stadt verkehren. Epe wird durch das Bürgerbusangebot bedient (montags bis freitags im 120-Minuten-Takt). Zwischen Gronau und Epe verkehrt darüber hinaus die Regionalbuslinie R77, die im 60-Minuten-Takt auf direktem Linienweg die Ortsteile verbindet. Das Gewerbegebiet Ost in Gronau ist nicht durch den Stadtbus angebunden. Dabei arbeiten dort rund 4000 Menschen – ein großes Potenzial für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Das heutige Stadtbusangebot wird mit täglich rund 300 Fahrgästen vergleichsweise schwach angenommen. Laut einer Mobilitätsuntersuchung des Kreises Borken weist die Stadt Gronau nur einen ÖPNV-Anteil zwischen zwei und drei Prozent auf, wenn der Schülerverkehr außer Acht gelassen wird. Aufgrund des begrenzten Taktangebots, der relativ kurzen Wege in der Stadt und des limitierten Linienverlaufs, wird der Stadtbus kaum bis gar nicht frequentiert. Erweiterungsmöglichkeiten sind im jetzigen System ausgereizt und wären nur mit hohem finanziellen Aufwand durch Einsatz weiterer Fahrzeuge zu realisieren.

Die Stadt Gronau will sich im Bereich der Verkehrsplanung neu positionieren. Baustein dieser Strategie ist der Ansatz, den Stadtbusverkehr durch ein sogenanntes On-Demand-Angebot zu ersetzen. Es soll ohne Fahrplan und festen Linienweg betrieben werden. Die Busse können von den Fahrgästen (wie heute schon der Taxibus) über eine App oder telefonisch angefordert werden. Das Angebot soll

  • als Zu- und Abbringer zum Schienenpersonennahverkehr bzw. zu starken regionalen Bus-Achsen etabliert werden,
  • zusätzliche Quartiere erschließen,
  • zu ausgeweiteten Bedienzeiten verkehren und
  • mit weiteren ergänzenden Mobilitätsangeboten (perspektivisch u. a. an zentralen Mobilitätsstationen) verknüpft werde, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Mit dieser Idee hat die Verwaltung sich bei einem Landeswettbewerb beteiligt und bereits eine Förderzusage erhalten (wir berichteten).

Im zweiten Quartal 2021 soll mit dem On-Demand-Verkehr begonnen wird. Es ist zunächst ein neunmonatiger Pilotbetrieb vorgesehen, der eine abgeschwächte Version des späteren Regelbetriebs darstellt. Während der ersten vier Wochen soll das On-Demand-System parallel zum heutigen Stadtbusverkehr fahren, um den Umstieg zu erleichtern. Außerdem soll der erste Monat kostenlos angeboten werden. Im Pilotbetrieb wird das heutige Stadtbusgebiet erweitert um das Industriegebiet Gronau-Ost. Außerdem werden die Betriebszeiten erweitert auf werktags 6 bis 20 Uhr, samstags 8 bis 14 Uhr und sonn- und feiertags auf 14 bis 19 Uhr.

Im Regelbetrieb ist es vorgesehen, dass das auch Epe durch den Stadtbus angebunden wird. Außerdem werden die Betriebszeiten auf werktags 5 bis 24 Uhr, samstags, sonn- und feiertags 7 bis 24 Uhr erweitert.

Der Stadtbusverkehr soll über vier Kleinbusse erfolgten, die möglichst über einen Elektroantrieb verfügen.

Die Laufzeit des Projekts beträgt 30 Monate, in denen 75 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen werden. Die derzeitige Kalkulation beziffert die Gesamtkosten für die Planung, Marketing, Betrieb während der Projektlaufzeit auf rund 1,9 Mio. Euro. Die förderfähigen Kosten liegen bei rund 1,2 Mio. Euro. Davon werden 900 000 Euro gefördert, sodass der Eigenanteil der Stadt Gronau insgesamt bei etwa einer Mio. Euro. Die Kosten für den heutigen Stadtbus in Höhe von 200.000 bis 250.000 Euro pro Jahr entfallen.

Durch die Einführung eines On-Demand-Mobilitätsangebots verspricht sich die Stadt Gronau einen positiven Einfluss auf den öffentlichen Nahverkehr in Gronau, was gleichzeitig eine Verringerung des Individualverkehrs bedeutet.

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