Millionen-Coup mit falschem Geldtransporter
Bis zu zwölf Jahre Haft

Gronau/Essen -

Nach einem Millionen-Coup mit einem falschen Geldtransporter in Gronau hat das Essener Landgericht lange Haftstrafen verhängt.

Montag, 25.05.2020, 15:09 Uhr aktualisiert: 26.05.2020, 16:08 Uhr
Bilder einer Überwachungskamera zeigten den Geldtransporter, den die Täter benutzten.
Bilder einer Überwachungskamera zeigten den Geldtransporter, den die Täter benutzten. Foto: Polizei

Die Tarnung war perfekt, die Beute gewaltig: Mit einem falschen Geldtransporter ist im Dezember 2017 bei der Zentrale der Supermarktkette K+K in Gronau eine Geldkiste mit rund 1,8 Millionen Euro erbeutet worden. Am Montag sind die mutmaßlichen Täter am Essener Landgericht verurteilt worden. Dabei wurden bis zu zwölf Jahre Haft verhängt.

Leben in Luxus

Kaum war das Urteil gesprochen, wurde auf den Zuschauerrängen geweint. Was als Leben in Luxus begonnen hatte, endet für sechs der sieben Angeklagten nun im Gefängnis. Nur die Ex-Freundin des Haupttäters kam mit einer einjährigen Bewährungsstrafe davon.

Der spektakuläre Millionen-Coup hatte damals bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und war in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ nachgestellt worden.

Lieferwagen umlackiert

Die Täter hatten einen Lieferwagen umlackiert und mit Magnetklebefolie in einen echt aussehenden Geldtransporter verwandelt. Sie trugen Uniformen und hatten den Empfang des Geldes sogar quittiert. Die Mitarbeiter des Supermarktes schöpften keinen Verdacht. Erst als kurze Zeit später der echte Geldtransporter auftauchte, war klar, dass irgendetwas nicht stimmte. Da waren die Täter jedoch längst verschwunden.

Insider legt Geständnis ab

Möglich wurde die Tat durch den Insidertipp eines nun ebenfalls verurteilten Mitarbeiters einer Sicherheitsfirma. Der 44-Jährige hatte im Prozess ein Geständnis abgelegt und galt in dem Verfahren als Kronzeuge. Gegen ihn wurden die drei Jahre Haft verhängt. „Es ist ein kluger Gedanke, Taten mit Insidertipps zu begehen“, so Richterin Karin Maiberg bei der Urteilsbegründung. „Dann kann man natürlich deutlich mehr Beute machen.“

Kopf der sogenannten Geldtransporter-Bande soll ein 25-jähriger Mann aus Recklinghausen gewesen sein. Er soll noch bei einer ganzen Reihe weiterer Beutezüge der deutschen, spanischen, pakistanischen und guineisch-italienischen Angeklagten dabei gewesen sein - darunter auch bei einem Raubüberfall auf eine Juwelierin aus Mönchengladbach.

Weitere Taten

Außerdem wurde in Dortmund ein Geldtransporter ausgeräumt, während Fahrer und Beifahrer gerade einen Geldautomaten nachfüllten. In Werne im Kreis Unna wurde gleich ein ganzer Geldautomat geplündert. Dazu wurden jeweils Nachschlüssel samt den dazugehörigen Codes benutzt.

Die Beute wurde mit vollen Händen ausgegeben. Im Prozess war von Goldbarren, Luxus-Limousinen, Traumurlauben auf den Malediven und sündhaft teuren Markenuhren die Rede. Die Gesamtbeute der Angeklagten soll sich auf rund 2,8 Millionen Euro belaufen.

Er hat viel Geld verzockt.

Vertreter der Verteidigung

Der 25-Jährige hatte im Verlauf des Prozesses zugegeben, sich wiederholt mit neuen Trickdiebstählen befasst zu haben. „Er hat viel Geld verzockt“, hieß es in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung. „Er war den Umgang mit größeren Geldbeträgen nicht gewohnt.“

Aus diesem Grund habe der 25-Jährige mit dem Ex-Angestellten der Sicherheitsfirma den großen Coup in Gronau geplant. Er selbst habe dabei die Rolle eines der Geldboten übernommen und im Dezember 2017 in der K+K-Zentrale in Gronau 1,8 Millionen Euro erbeutet. Man habe gezielt einen Tag ausgewählt, an dem viel Geld im Spiel war. „Es war vor allem notwendig, vor dem richtigen Geldtransporter zu erscheinen“, hieß es in der Erklärung. Die genaue Planung habe sein Komplize aus der Sicherheitsfirma übernommen, der allerdings nicht mit vor Ort gewesen sei.

Aus Liebe und Dankbarkeit

Die ebenfalls angeklagte Ex-Freundin des 25-Jährigen hatte im Prozessverlauf zugegeben, aus den Straftaten angeschafftes Gold verkauft und ein Schließfach angemietet zu haben, um eine Kölner Sparkassen-Filiale auszuspionieren. Das habe sie jedoch aus Liebe und Dankbarkeit getan, weil ihr Freund sie aus den Fängen eines Escort-Service befreit habe. „Er war für mich kein Monster“, sagte sie den Richtern am Essener Landgericht: „Er hat mir in der schwierigsten Phase meines Lebens geholfen.“ Trotzdem bereue sie ihr materielles Denken.

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