Schulausschuss berät zu Digitalisierung
Corona führt zu ungeahnter Dynamik

Gronau/Epe -

Eigentlich sollten die Gronauer Schulen Konzepte für die Digitalisierung erarbeiten. Dann kam Corona.

Mittwoch, 27.05.2020, 06:52 Uhr aktualisiert: 27.05.2020, 07:54 Uhr
Auch im Gymnasium wurde der Präsenzunterricht wieder aufgenommen. Teils wird parallel in zwei Räumen oder tageweise unterrichtet.
Auch im Gymnasium wurde der Präsenzunterricht wieder aufgenommen. Teils wird parallel in zwei Räumen oder tageweise unterrichtet. Foto: Martin Borck

Hygienemaßnahmen, Raum- und Organisationskonzepte, Digitalisierung – die Corona-Pandemie führt im Schulbereich zu einer ungeahnten Dynamik. Langfristige Planungen werden durch kurzfristige, aber notwendige Entscheidungen überholt. UWG und Pro Bürgerschaft/Piraten hatten daher eine vorgezogene Schulausschusssitzung beantragt, um sich auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Am Montagabend fand sie statt.

Das Thema Heimunterricht („Homeschooling“) zum Beispiel wirft Fragen auf. Die Stadt als Schulträger und die Leitungen der weiterführenden Schulen haben Voraussetzungen geschaffen, mit denen Unterricht zu Hause durchgeführt werden kann – sofern die Schüler über ein internetfähiges Laptop, einen PC oder zumindest ein Smartphone verfügen. Und da hakt es möglicherweise. Im Primarbereich können Kinder mit Arbeitspaketen in Form von Büchern, Heften und Arbeitsblättern versorgt werden. In den weiterführenden Schulen jedoch ist eine digitale Ausstattung erforderlich.

Die aber können sich nicht alle Familien leisten. Auf Antrag von Franz Küstner-Rensing (Pro Bürgerschaft/Piraten) wurde beschlossen, bis zu den Sommerferien eine Bedarfsanalyse an den Schulen durchzuführen.

Vor Corona war vorgesehen, dass die weiterführenden Schulen jeweils eigene Medienentwicklungskonzepte erarbeiten. Daraus sollten in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren Maßnahmen zur Digitalisierung abgeleitet werden. Dieser Prozess wird nun beschleunigt. „Pilotphasen und Ratsbeschlüsse sind überholt“, konstatierte Jörg von Borczyskowski (UWG). Er mahnte harmonisierte Konzepte an und stellte Fragen unter anderem nach der Netzverfügbarkeit in den Schulen. „Aktuell sind 80 Prozent der Klassenräume abgedeckt, bis zu den Sommerferien werden es 95 Prozent sein", gab Guido Klein Mentink (Fachdienstleiter IT der Stadtverwaltung) Auskunft.

Ausschussvorsitzende Marion Brügger ( SPD ) regte an, dass sich Grund- und weiterführende Schulen auf ein einheitliches System festlegen sollten, um eine einheitliche Lernplattform zu errichten. Das werde auch angestrebt, so Schul-Fachdienstleiter Detlev Hollenborg. Mit den Schulleitungen sei das besprochen worden. Norbert Ricking (SPD) kritisierte die Landesregierung, die seines Erachtens den Kindern das Recht auf Bildung verweigere. „Die Kinder müssen das ausbaden.“ Der Heimunterricht müsse daher unbedingt unterstützt werden. Dabei dürfe man die bedürftigen Schüler nicht außen vor lassen.

Bernhard Greitenevert (CDU) wunderte sich ein wenig, dass auf einmal alles zügig gehe, wofür vorher lange Vorbereitungszeiten anberaumt worden waren. Er lobte in dem Zusammenhang die IT-Abteilung der Stadt: „Die hat tolle Arbeit geleistet.“ Schließlich wurde der UWG-Antrag angenommen, mit dem die Schulverwaltung beauftragt wird, die Koordination der einzelnen Schulkonzepte in die Hand zu nehmen.

Bei der Diskussion über Hygienemaßnahmen, Raum- und Organisationskonzepte verzettelten sich die Politiker im Verlauf der Sitzung mit zunehmender Begeisterung in Details. Dabei hatte Thomas Nacke vom Gebäudemanagement der Stadt schon einen ausführlichen Bericht gegeben. Er erläuterte, dass Schulen wo erforderlich mit weiteren Seifen- und Handtuchspendern ausgestattet worden seien. Derzeit sei es „ein Akt“, Desinfektionsmittel zu bekommen, deren Preis angezogen habe. Informationsmaterial zur Hygiene sei ausgelegt worden (auch mehrsprachig), täglich würden benutzte Flächen gereinigt („alles, wo jemand mit der Hand drankommt“). Die Personallage bei den Reinigungskräften sei angespannt. Personal, das sonst Sporthallen reinige, gehe nun auch in die Schulen.

Durch das rollierende System würden Begegnungen in den Schulgebäuden minimiert. Es gebe getrennte Zu- und Ausgänge und auf den Schulgängen Einbahnverkehr. „Abstandsregeln einzuhalten, ist derzeit am wichtigesten“, sagte Nacke. Schulfremde Personen hätten keinen Zugang. So dürften auch die Probenräume von Gruppen derzeit nicht genutzt werden.

Für jeden Standort, so auch Andrea Winkler (Leiterin Fachdienst Gebäude- und Liegenschaftsmanagement), gebe es eigene Lösungen – auch für die Schulen, in denen derzeit Unterricht in Containern stattfinde.

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